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Unruhe an den Börsen : „Wir leben in unsicheren Zeiten“

  • Aktualisiert am

Die Deutsche Börse in Frankfurt Bild: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel deutet den Kursverfall als politisches Zeichen. Für die Aktienkurse in Deutschland kommt es am Dienstag zwar nicht so schlimm wie für die in Amerika und Asien – doch auch hierzulande geht es nach unten.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich besorgt über den Einbruch an den Börsen in den Vereinigten Staaten und Asien gezeigt. Sie sagte am Dienstag in Berlin vor dem Beginn der entscheidenden Phase der Koalitionsverhandlungen mit der SPD, es gehe um Wohlstand und Sicherheit in Deutschland: Die Börsenentwicklung der letzten Stunden habe gezeigt, dass „wir in unsicheren Zeiten leben“. Man müsse nun mit einer verlässlichen Regierung die Voraussetzungen dafür schaffen, „dass wir morgen auch noch in Wohlstand und in Sicherheit im umfassenden Sinne leben können“.

          In Deutschland allerdings beruhigt sich die Lage allmählich. Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Dienstag von der Panik an der Wall Street nicht anstecken lassen. Der zwischenzeitlich befürchtete freie Fall unter die Marke von 12.000 Punkten blieb dem Dax erspart. Zur Mittagszeit stand er 1,60 Prozent tiefer bei 12.484,00 Punkten. Der deutsche Aktienmarkt schlug sich damit auch besser als die asiatischen Börsen.

          Am Morgen tiefe Verluste, am Mittag schon besser

          In der zweiten deutschen Börsenreihe gab es ebenfalls deutliche, aber keinesfalls panikartige Verluste. Für die mittelgroßen Werte im M-Dax ging es um 1,53 Prozent auf 25.321,64 Punkte bergab. Der Tec-Dax der Technologiewerte büßte 2,67 Prozent auf 2485,69 Zähler ein. Im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 betrug der Kursverlust am Mittag knapp 2 Prozent. Der Euro entwickelte sich relativ stabil.

          Am Morgen hatten Anleger auch in großem Umfang deutsche Aktien verkauft. Der Dax verlor zur Eröffnung am Dienstag 3,6 Prozent auf 12.235 Punkte. Das war der größte Kurssturz seit eineinhalb Jahren. Der den Markt in seiner Breite abbildende F.A.Z.-Index gab zur Eröffnung mit einem Minus von 3,8 Prozent auf 2444 Punkte sogar etwas stärker nach.

          „Investoren behalten die Nerven“, resümierte Daniel Saurenz von Feingold Research. Zwischenzeitlich hatte es beim Dax nach einem Einbruch um bis zu 8 Prozent ausgesehen, nachdem die Anleger am Vorabend in New York schlagartig die Flucht aus Aktien ergriffen hatten. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial war zeitweise um fast 1600 Zähler abgesackt. Als Grund dafür gilt die Sorge, dass die Zinsen schneller steigen als bislang erwartet, was Aktien weniger attraktiv gegenüber Anleihen machen würde.

          Was passiert am Nachmittag in Amerika?

          Nach Meinung der NordLB müssen die Anleger in Europa nun weiter gespannt über den großen Teich blicken. „New York ist noch immer das pulsierende Herz der globalen Finanzmärkte und bestimmt somit Wohl und Wehe an den internationalen Börsen“, sagte Analyst Tobias Basse. Mit Spannung wird deshalb darauf gewartet, wie die Wall Street am Nachmittag in den Handel zurückkehren wird. Basse jedenfalls rechnet damit, dass der aktuelle „Winterschlussverkauf“ nun wieder erste Schnäppchenjäger unter den Investoren anziehen wird.

          Der amerikanische Standardwerteindex Dow Jones hatte am Vorabend mit einem Minus von 4,6 Prozent seinen schwärzesten Tag seit sechseinhalb Jahren verbucht. Zeitweise hatte er 6,25 Prozent verloren und notierte nur noch mit 23.924 Punkten. Damit verlor er an nur einem einzigen Handelstag in der Spitze 1600 Punkte. Seine seit Jahresbeginn eingefahrenen Gewinne gab er damit komplett wieder ab. Noch am 26. Januar hatte er auf einem Rekordhoch von 26.616 Punkten notiert. Unter Börsianern war von einem regelrechten Ausverkauf die Rede. Es gebe Befürchtungen, die steigenden Zinsen vor allem in Amerika könnten Aktien im Verhältnis zu Anleihen unattraktiver machen.

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          Der Kurssturz gilt in Amerika auch als Kratzer am Image von Donald Trump. Der hatte zuvor mit dem Kursanstieg angegeben, jetzt rechnen ihm seine Gegner auch den Rückgang zu. Doch der Absturz blieb nicht auf Amerika beschränkt. Auch die Kurse in Asien fielen am Morgen tief. Australien, Japan, Indien – überall zeigten die Aktienindizes nach unten. Der japanische Nikkei verlor 4,7 Prozent.

          Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank wertete die aktuellen Kursverluste als Gewinnmitnahmen, deren Deutlichkeit Anleger allerdings auf dem falschen Fuß erwischt habe. „Man hatte sich daran gewöhnt, dass sich Ausschläge in Grenzen halten.“ Auslöser des aktuellen Ausverkaufs seien Ängste vor einer rascheren Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. „Könnte die Inflation, auf die man solange gewartet hatte, nun schneller und heftiger kommen als erwartet?“

          Vor diesem Hintergrund flüchteten Anleger in „sichere Häfen“ wie Staatsanleihen. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundestiteln basiert, gewann bis zu 93 Basispunkte auf 159,03 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe fiel um 0,4 Prozentpunkte auf 2,7 Prozent. Gold verteuerte sich um 3 Dollar auf 1343 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

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