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Zollstreit : Sorge vor Handelskrieg drückt Dax unter 12.000 Punkte

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Die Börse in Frankfurt Bild: dpa

Zwischen den Vereinigten Staaten und China droht ein Handelskrieg. Das drückt den Anlegern auch hierzulande auf die Stimmung. Der deutsche Leitindex verliert zum Handelsstart mehr als ein Prozent.

          Die wachsende Furcht vor einem weltweiten Handelskrieg hat den Dax am Freitag unter die Marke von 12.000 Punkten gedrückt. Tags zuvor hatten diese Sorgen bereits die amerikanischen Börsen auf Talfahrt geschickt. Am Morgen waren dann die asiatischen Börsen unter Verkaufsdruck geraten.

          Der deutsche Leitindex büßte im frühen Geschäft nun 1,4 Prozent auf 11 928,15 Punkte ein. Im Wochenverlauf bedeutet dies aktuell ein Minus von 3,7 Prozent.

          „Ein möglicher Handelskrieg nimmt Formen an“, sagte Analyst Christian Schmidt von der Helaba und verwies auf die Ankündigung der Vereinigten Staaten, ein Maßnahmenpaket von bis zu 60 Milliarden Dollar gegen China verhängen zu wollen. China reagierte daraufhin mit einem Paket von zunächst rund 3 Milliarden Dollar.

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          „Diese im Vergleich kleine Summe zeigt, dass China die Situation nicht weiter eskalieren lassen möchte“, so Schmidt. „Es hat absolut keine Angst davor, wie China selbst sagte.“ Zwar wurden die Länder der Europäischen Union von erhöhten Zöllen auf Stahl und Aluminium ausgenommen, dennoch fürchten Investoren, dass der Handelsstreit der Vereinigten Staaten mit anderen Ländern den globalen Wachstumsmotor stottern lässt oder gar abwürgen könnte.

          Der M-Dax der mittelgroßen Werte sank am Freitagmorgen um ebenfalls ein Prozent auf 25.121,8 Punkte. Der Technologiewerte-Index Tec-Dax büßte 1,7 Prozent auf 2539,1 Punkte ein. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 verlor ein Prozent Prozent auf 3316,3 Zähler.

          Versorger-Aktien halten sich im Plus

          Im Dax hielten sich nur die Anteilsscheine der als defensiv geltenden Aktien des Versorgers Eon und der Deutschen Telekom knapp im Plus. Alle anderen gaben nach. Besonders schwach zeigten sich abermals die Papiere der Deutschen Bank. Mit minus 2,1 Prozent auf 11,40 Euro sackten sie auf den tiefsten Stand seit November 2016. Die Papiere der Commerzbank gaben um 1,9 Prozent nach und zeigten sich damit ähnlich schwach. Es gebe inzwischen zunehmend Sorgen, dass das erste Quartal schwach verlaufen sei, nachdem Finanzchef James von Moltke auf einer Investorenkonferenz in London gesagt hatte, dass das Kapitalmarktgeschäft unter Gegenwind leide.

          Im Fokus stand zudem der Börsengang der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS. Der Ausgabepreis hatte 32,50 Euro je Aktie betragen, der erste Kurs lag nun knapp darüber bei 32,55 Euro. Allerdings dürfte der Mutterkonzern den Gang aufs Parkett mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgen, denn statt der ursprünglich erhofften 2 Milliarden Euro liegt der Emissionserlös nur bei 1,4 Milliarden.

          Im Tec-Dax standen die Papiere des Bausoftware-Spezialisten RIB Software nach einer Kapitalerhöhung besonders im Fokus. Sie büßten als Schlusslicht 9,5 Prozent ein. Sämtliche der knapp 4,7 Millionen zusätzlichen Anteilscheine waren über Nacht platziert worden. Der Bruttoemissionserlös liegt bei 131 Millionen Euro. Dies sei bereits die dritte Kapitalerhöhung um Zukäufe zu finanzieren, aber die Strategie bleibe weiterhin unklar, monierte ein Analyst.

          Jahreszahlen legten die beiden Wohnimmobilien-Unternehmen Deutsche Wohnen und TLG vor und hielten sich daraufhin besser als der Gesamtmarkt. Deutsche Wohnen gaben im M-Dax um 0,1 Prozent nach und TLG sanken im S-Dax um 0,9 Prozent. Beide hatten am Morgen über ihr Geschäftsjahr 2017 berichtet und auch einen Ausblick gegeben. Zudem sind so genannte defensive Werte, zu denen auch die Aktien aus der Immobilienbranche zählen, in Zeiten turbulenter Märkte stabiler als konjunktursensible Papiere wie solche aus der Auto-, Banken- oder Industriebranche.

          Asiens Anleger bekommen kalte Füße

          Die Angst vor einem globalen Handelskrieg hatte in der Nacht schon Asiens Börsen abrutschen lassen. Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump milliardenschwere Strafzölle für den Rivalen China angekündigt hatte, bekamen die Anleger in der gesamten Region kalte Füße. Besonders kräftig ging es in Japan abwärts, nachdem der Yen auf den höchsten Stand seit einem Jahr gestiegen war. Die japanische Währung gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Allerdings erschwert eine starke Währung den Export.

          In Tokio sackte der Nikkei-Index am Freitag um 4,5 Prozent auf 20.618 Zähler nach. Der chinesische Shanghai Composite fiel um 4,5 Prozent auf 3118 Punkte.

          Dow Jones

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          An der Wall Street hatten die amerikanischen Indizes nach Börsenschluss in Europa deutlich nachgegeben. Der Dow Jones beendete die Sitzung 2,9 Prozent tiefer bei 23.957 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 2,5 Prozent auf 2643 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 2,4 Prozent auf 7166 Punkte.

          Zwar wollen die Vereinigten Staaten die Europäische Union (EU) vorerst von den neuen Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte ausnehmen. Jedoch sollen chinesische Produkte mit höheren Zöllen belegt werden. „Ein Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China würde die beiden Lokomotiven der globalen Konjunktur wohl beide gleichermaßen schädigen“, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

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