https://www.faz.net/-gv6-9pewg

EZB-Geldpolitik : Draghi kann Anleger-Erwartungen nicht erfüllen

  • Aktualisiert am

Nach den geldpolitischen Entscheidungen der EZB hat der Dax seine zwischenzeitlichen Gewinne am Donnerstag wieder abgegeben. Bild: Reuters

EZB-Chef Mario Draghi blickt skeptisch auf die Konjunktur und stellt eine deutliche Lockerung der Geldpolitik in Aussicht. An der Börse reagieren Anleger verhalten, Bankaktien gehören dagegen zu den Gewinnern.

          2 Min.

          Die Aussicht auf weiteres Billiggeld der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag nur kurz deutlicher ins Plus geschoben. Der Leitindex Dax büßte seine zwischenzeitlichen Gewinne dann wieder ein und lag am frühen Nachmittag 0,43 Prozent im Minus bei 12.469 Punkten.

          Die EZB öffnet angesichts düsterer Wirtschaftsaussichten und schwacher Inflation die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik, um die Konjunktur zu stützen. Europas Währungshüter gehen davon aus, dass die Zinsen mindestens über die erste Hälfte des Jahres 2020 auf ihrem aktuellen Niveau oder „darunter“ bleiben werden, wie die Notenbank im Anschluss an eine Ratssitzung mitteilte. Diese Entscheidungen der EZB kamen für die Anleger nicht vollkommen überraschend, so dass die erste Euphorie an den Märkten schnell abebbte.

          Seit Draghis Aussagen zu einer möglichen Lockerung der Geldpolitik vor gut einem Monat habe sich die Lage eher noch verschlechtert, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. „Die Kerninflation zeigt keine Anzeichen für einen nachhaltigen Anstieg und die Industrie der Eurozone bleibt in der Rezession.“ Aktuell sei eine Normalisierung der europäischen Geldpolitik in naher Zukunft absolut unwahrscheinlich, schrieb wiederum Marktanalyst Neil Wilson vom Handelshaus Markets.com.

          DAX ®

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Zugleich läutet die EZB eine Runde von Zinssenkungen der großen Notenbanken ein. An der Börse gilt als sicher, dass die amerikanische Notenbank Fed den Schlüsselsatz in der kommenden Woche um mindestens einen Viertel-Prozentpunkt senkt. Um die wirtschaftlichen Belastungen durch den drohenden ungeordneten Brexit abzuwenden, könnte auch die Bank von England (BoE) demnächst ihre Geldschleusen öffnen.

          Die Aussicht auf eine lockerere Geldpolitik trieb einige Anleger zudem in Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf ein Rekordtief von minus 0,417 Prozent. Parallel dazu rutschte auch die Rendite der 50-jährigen Schweizer Bonds erstmals seit August 2016 in den negativen Bereich. Damit sind sämtliche Papiere der Alpenrepublik für Anleger ein Verlustgeschäft. Investoren deckten sich auch mit Gold ein, das oft als Absicherung gegen Inflation gekauft wird. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1433,46 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

          Gold

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Die Aussicht auf den Aufkauf weiterer Anleihen durch die Europäische Zentralbank trieb derweil die Kurse europäischer Banken an. Hierzulande gewannen Papiere der Deutsche Bank an der Dax-Spitze gut 4 Prozent und die der Commerzbank fast 4 Prozent.

          Noch immer halten Europas Banken in großem Umfang Staatsanleihen in ihren Portfolios, allen voran italienische Geldhäuser wie Unicredit und Intesa Sanpaolo. Deren Kurse legten in Mailand ebenfalls zu. Mit neuen Anleihekäufen durch die Euro-Notenbank dürften die Risikoaufschläge auf diese Staatspapiere niedrig bleiben, sagte ein Händler. Damit würden die bilanziellen Risiken zumindest an dieser Stelle nicht wieder zunehmen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Demokratin Nancy Pelosi gerät im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump aneinander.

          Trump gegen Pelosi : Da oben ist was nicht in Ordnung

          Syrien, Ukraine – und die eigene Partei: Donald Trump kämpft an mehreren Fronten. Das geht an die Substanz des amerikanischen Präsidenten. Das zeigt auch der heftige Streit mit Nancy Pelosi. Unterdessen verschärft sich die Konfrontation mit dem Kongress.

          Ruinerwold in Aufruhr : Polizei nimmt auch Vater der isolierten Familie fest

          Fassungslos reagieren die Einwohner des niederländischen Dorfes Ruinerwold auf die mutmaßliche Freiheitsberaubung einer ganzen Familie zu der immer mehr Details ans Licht kommen. Nun hat die Polizei einen zweiten Verdächtigen verhaftet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.