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Delivery Hero : Das hässliche Entlein im Dax

  • -Aktualisiert am

Im September 2015 übernahm Delivery Hero den Restaurant-Lieferdienst Foodora vom bisherigen Besitzer Rocket Internet. Bild: REUTERS

Der Aktienkurs ging steil nach oben, das Wachstum ebenfalls. Trotzdem gibt es auch zwölf Monate nach dem Aufstieg von Delivery Hero in den Dax Kritik. Vor allem: Wann liefert der Essenslieferant unter dem Strich endlich Gewinn?

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          Die Deutsche Börse hat im vergangenen Jahr eine Dax-Reform auf den Weg gebracht, deren Regeln von September 2021 an wirksam werden. Wichtigster Impulsgeber für die angedachten Änderungen war die Insolvenz des Zahlungsabwicklers und damaligen Dax-Mitglieds Wirecard. Jedoch dürfte auch die Kritik am Indexaufstieg von Delivery Hero ein wichtiger Grund für einige der neuen Regeln gewesen sein, als das Unternehmen Ende August 2020 in die oberste Börsenliga aufstieg.

          An erster Stelle der Reform steht die Ausweitung des Dax von 30 auf 40 Werte. Schon seit vergangenem Dezember gilt, dass künftige Dax-Kandidaten vor der Aufnahme ein positives Ebitda in den zwei vergangenen Finanzberichten aufweisen müssen. Genau das ist der Haken beim Aufstieg von Delivery Hero. Denn der im Jahr 2011 in Berlin gegründete Essenslieferdienst hat in den vorigen Jahren zwar ein steiles Wachstum hingelegt, unter dem Strich blieben operativ bisher aber nur Verluste.

          „So sehr man sich darüber freuen kann, dass ein weltweit agierendes Wachstumsunternehmen Mitglied des Dax ist, so sehr muss man zugleich die Frage stellen, ob Delivery Hero dort richtig aufgehoben ist“, sagt Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Antwort auf diese Frage habe die Deutsche Börse selbst gegeben: „Die Börse selbst sagt, dass Delivery Hero eigentlich nicht in den Dax gehören sollte. Die neuen Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Auswahlindizes beinhalten ausdrücklich, dass man in der Vergangenheit zumindest operativ einen Gewinn erwirtschaftet haben muss.“

          Hohe Investitionen

          Zumindest bei den Berlinern dürfte es auch in diesem Jahr nichts mit den Gewinnen werden. Für 2021 stellt das Management eine bereinigte EBITDA-Marge gemessen am Bruttowarenwert (Gross Merchandise Volumen, GMV) zwischen minus 1,5 und minus 2 Prozent in Aussicht. Die Ergebnisse werden unter anderem durch hohe Investitionen belastet, heißt es. Das Unternehmen investiert demnach nicht nur in neue Märkte wie Japan oder Vietnam, sondern auch in Angebote abseits der Zustellung von fertigen Gerichten. Auf diese Weise will Delivery Hero von der sich ständig weiterentwickelnden Kundennachfrage nach Komfort und Geschwindigkeit profitieren.

          DELIVERY HERO SE NA O.N.

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          Es werden insbesondere sogenannte Dmarts hochgezogen. Darunter versteht das Unternehmen kleine, Delivery-Hero-eigene Lagerhäuser an strategisch relevanten Standorten, mit deren Hilfe Kunden sehr schnell mit Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs beliefert werden sollen. Ziel ist es, mit den Dmarts und durch Partnerschaften mit lokalen Geschäften die Waren in weniger als einer Stunde und oft sogar binnen 10 bis 15 Minuten zu den Kunden zu bringen. Das im August unter der Marke „foodpanda“ startende Angebot in Berlin sieht sogar die Lieferung von Lebensmitteln und den sogenannten Quick-Commerce-Artikeln zum Teil innerhalb von 7 Minuten vor.

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