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Talfahrt des Dax : Börsenabschwung kostet Deutsche 100 Milliarden Euro

Am Frankfurter Börsenparkett ging es 2018 steil bergab. Bild: Reuters

Das Geldvermögen in Deutschland wächst so wenig wie zuletzt vor sieben Jahren. Dass es überhaupt wächst, liegt daran, dass die Deutschen noch immer klassisch sparen. Doch sich darüber zu freuen ist trügerisch.

          Noch ist das Jahr nicht ganz um, aber die Volkswirte der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) haben schon einmal überschlagen, wie sich das Geldvermögen der Deutschen 2018 entwickelt hat. Das Ergebnis ist ernüchternd: um gerade einmal zwei Prozent konnten die Deutschen ihre Barmittel in diesem Jahr steigern, auf 6,01 Billionen Euro. Das ist das schwächste Wachstum seit dem Jahr 2011, wie AGI-Volkswirt Arne Holzhausen schreibt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allein die schwache Entwicklung am deutschen Aktienmarkt schlägt ins Kontor: obwohl die Deutschen nicht gerade ein Volk von Aktionären sind, hat der kräftige Rücksetzer an der Börse ihr Geldvermögen um 100 Milliarden Euro oder 2 Prozent schrumpfen lassen. Wie diese Zeitung am Freitag berichtet hatte, hat allein der Leitindex Dax in diesem Jahr um 20 Prozent nachgegeben, was einem Rückgang des Börsenwerts aller 30 in ihm enthaltenen Unternehmen von rund 275 Milliarden Euro entsprach.

          Dass es am Ende doch noch für ein positives Wachstum reichte, liegt vor allem daran, dass die Deutschen insgesamt im Jahr 2018 ausgesprochen viel Geld zurückgelegt haben, nämlich mehr als jeden zehnten eingenommenen Euro. Mit 10,3 Prozent liegt die Sparquote nach Angaben der AGI so hoch wie zuletzt vor zehn Jahren.

          45 Milliarden Euro Kaufkraftverlust mit Bankeinlagen und Bargeld

          Die Summe, welche die Deutschen im ablaufenden Jahr frisch angelegt haben, schätzt Holzhausen auf 250 Milliarden Euro. Dahinter stehe vor allem die robuste Entwicklung der Beschäftigtenzahlen und der Einkommen. Aber auch die zunehmende politische Unsicherheit nennt Holzhausen als Grund dafür, dass die Deutschen mehr Geld für schlechte Zeiten zurücklegen.

          Mehr als die Hälfte der Neuanlagen sei auf Sparkonten bei Banken geflossen. Angesichts der aktuellen Börsenschwäche möge dieses Sparverhalten auf den ersten Blick zwar vernünftig erscheinen, schreibt Holzhausen. Er warnt aber davor, das Parken von hohen Geldsummen als sichere Anlage zu betrachten. Vielmehr verlören auch diese Barmittel wegen der wieder anziehenden Inflation an Wert. Die reale Rendite auf Bankeinlagen sei mittlerweile kräftig in den negativen Bereich gerutscht und dürfte für 2018 ungefähr bei minus 1,9 Prozent liegen. Mit anderen Worten: Allein in diesem Jahr haben die Sparer mit Bankeinlagen und Bargeld rund 45 Milliarden Euro an Kaufkraftverlusten erlitten, schreibt Holzhausen. Würde alles so bleiben, wie es derzeit ist, würde sich der Wert der Einlagen in den nächsten 30 Jahren bei diesem Tempo nahezu halbieren.

          Wie schwierig es für Anleger im ablaufenden Jahr war, eine positive Rendite zu erzielen, hat auch die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, am Freitag aufgezeigt. Der Index MSCI World, der die 1600 wichtigsten Aktiengesellschaften in 23 Ländern auf der ganzen Welt abbildet, hat im Jahr 2018 knapp 10 Prozent an Wert verloren. Es ist das erste Mal seit 2011, dass die Aktienmärkte auf derart breiter Front nachgegeben haben.

          Ausgesprochen ungewöhnlich ist dabei, dass sich diese Verluste im ablaufenden Jahr auch nicht mit einer Anlage in Anleihen abfedern ließen. In den bislang letzten großen Rücksetzern der Aktienmärkte im Jahr 2011, nach der Finanzkrise 2008 sowie zu Beginn des Jahrtausends nach dem Platzen der Internet-Blase, hatten nach Angaben der DWS zumindest die globalen Anleihemärkte positive Renditen abgeworfen.

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