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Dax-Aufschwung : Ist wieder alles gut an den Finanzmärkten?

Der Dax bietet aktuell viel Grund zur Freude. Bild: dpa

Der Dax steht trotz Brexit und Handelsstreit gut da. Doch die Anleihemärkte sind weniger zuversichtlich als die Aktienmärkte, ohne freilich in Panik zu verfallen. Dafür gibt es gute Gründe.

          Fast 16 Prozent hat der Dax seit Jahresanfang zugelegt. Vergessen scheinen die Sorgen vor einer kräftigen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in der Welt und vor politischen Spannungen, die im Zusammenhang mit dem Brexit oder der amerikanisch-chinesischen Rivalität die Stimmung an den Börsen verderben könnten. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 13 ist der deutsche Aktienmarkt im historischen Vergleich zwar alles andere als niedrig bewertet. Aber das Bewertungsniveau ist auch nicht so hoch, dass leichtfertig von einer Blase gesprochen werden könnte.

          Die Stimmungsverbesserung am Aktienmarkt ist zum einen das Ergebnis des geldpolitischen Schwenks der amerikanischen Notenbank, die trotz einer nach wie vor sehr gut laufenden amerikanischen Wirtschaft ihre für das laufende Jahr geplanten Leitzinserhöhungen zumindest auf absehbare Zeit abgesagt hat und zudem den Abbau ihrer Anleihebestände im Herbst zum Stillstand bringen will.

          Zwei Märkte - zwei Welten

          Der zweite Grund für die bessere Stimmung am Aktienmarkt ist die Bereitschaft Pekings, die chinesische Konjunktur durch eine expansivere Geld- und Finanzpolitik zu unterstützen. Davon sollte in den kommenden Monaten nicht zuletzt die Stimmung in der Eurozone profitieren, deren wirtschaftliche Aussichten stark von der Lage in den Schwellenländern beeinflusst werden. Dies gilt vor allem für die deutsche Industrie, und so dürfte sich das Gespenst einer Rezession im Jahresverlauf wieder verziehen.

          Ist also wieder alles gut an den Finanzmärkten? Nein, denn die Anleihemärkte zeichnen ein anderes Bild der wirtschaftlichen Perspektiven. Hier bleiben die Renditen für Anleihen mit guter Bonität weiterhin sehr niedrig. Denn es wird ein ganz anderes Szenario gespielt: das einer Wirtschaft mit dauerhaft niedrigem Wachstum, niedrigem Zinsniveau und niedriger Inflationsrate.

          Die Demographie in den Industrienationen hält das Wirtschaftswachstum und das Zinsniveau in einem eisernen Griff, der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft begünstigt Investitionen in immaterielle Anlagegüter zu Lasten klassischer Sachinvestitionen, und die Nachfrage nach sicheren Kapitalanlagen aus Schwellenländern sorgt für zusätzlichen Druck auf die Renditen in den Industrienationen. Zusammen mit einer hohen Verschuldung ist das kein Umfeld, in dem die Notenbanken ihre Leitzinsen deutlich erhöhen werden. Die Anleihemärkte sind weniger zuversichtlich als die Aktienmärkte, ohne in Panik zu verfallen. Dafür gibt es gute Gründe.

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