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Ausverkauf geht weiter : An den Börsen steht es Spitz auf Knopf

Wohin laufen die Aktienkurse? Die Blicke der Aktienhändler an der New Yorker Börse sind am Dienstag auf die Kurstafeln gerichtet. Bild: AFP

Der Dax fällt auf ein neues Jahrestief. Rund um den Globus leiden vor allem Technologiewerte. Steht die Finanzwelt vor einer historischen Trendwende?

          Die Kursverluste an den Aktienmärkten tun vielen Anlegern weh, aber bisher trösteten sich viele mit der Einschätzung, in einer langen Hausse komme es immer wieder zu Korrekturen, die Monate dauern und kräftig ausfallen können. So stürzte der Dax am Dienstag auf ein neues Jahrestief von 11 009,25 Punkten, von dem er sich in der letzten Handelsstunde allerdings wieder ein wenig erholen konnte.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Am Ende beendete der Dax den Handel mit einem Abschlag von 1,58 Prozent bei 11.066,41 Punkten. Der Index der mittelgroßen Unternehmen, der M-Dax, verlor 1,73 Prozent auf 23.003,77 Punkte und sackte damit auf das tiefste Niveau seit Februar 2017.

          In den Vereinigten Staaten wie in Deutschland standen Technologiewerte besonders unter Abgabedruck. Der Kurs des Dax-Neulings Wirecard hat sich seit Anfang September um mehr als ein Drittel ermäßigt. Von der Verkaufswelle erfasst wurde auch das Öl, dessen Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent am Dienstag mehr als 4 Prozent verlor.

          Hinter den Entwicklungen an den Aktien- und Anleihemärkten verbirgt sich die Frage, ob hier nicht ein fast vier Jahrzehnte währender Trend ein Ende findet. Dies zeigt vor allem ein Blick auf die amerikanischen Märkte, die auf alle anderen Märkte ausstrahlen. Seit den frühen achtziger Jahren waren in den Vereinigten Staaten im Trend die Aktienkurse gestiegen und die Anleihenrenditen gefallen.

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          Da fallende Renditen mit steigenden Kursen einhergehen, konnten über fast vier Jahrzehnte langfristig ausgerichtete Anleger mit Aktien und mit Anleihen hohe Renditen erzielen. Diese säkulare Hausse wurde zwar immer wieder von kurz- und mittelfristigen Korrekturen und Krisen unterbrochen, unter denen die Finanzkrise von 2008 die wichtigste war. Aber den langfristigen Aufwärtstrend am Aktienmarkt konnte sogar die verheerende Krise von 2008 nicht brechen.

          Renditen für amerikanische Staatsanleihen steigen

          Die Entwicklung der vergangenen Monate weckt Zweifel an der Fortsetzung des Gleichlaufs von Aktien- und Anleihekursen, auch wenn noch völlig unklar bleibt, ob der alte Trend sein Ende wirklich erreicht hat. Fest steht, dass seit rund zwei Jahren die Renditen für amerikanische Staatsanleihen nicht länger fallen, sondern steigen.

          Allerdings ist der bisherige Anstieg unter den Erwartungen vieler Marktteilnehmer geblieben, die der Überzeugung waren, die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen werde in einer Phase der Hochkonjunktur mindestens 4 bis 5 Prozent erreichen. Statt dessen scheint die Rendite in einem schmalen Korridor zwischen 3 und 3,2 Prozent festgemauert.

          Dow Jones

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          Renditesteigernd könnte die deutliche Zunahme der Neuverschuldung in den kommenden Jahren wirken, zumal die Fed ihre Anleihebestände abbaut. Manche Marktteilnehmer vermuten, dass ein hohes Angebot an amerikanischen Staatsanleihen weniger zu einem deutlichen Renditeanstieg am amerikanischen Anleihemarkt führen wird, an dem kein Schuldner ein Interesse besitzt, sondern zu einem schwachen Dollar am Devisenmarkt.

          Daher erstaunt es nicht, dass mehrere amerikanische Banken in diesen Tagen Prognosen veröffentlicht haben, die eine Abwertung der amerikanischen Währung voraussehen. Aber selbst wenn die Anleiherenditen nicht sehr stark steigen sollten, so dürften sie nach einer verbreiteten Ansicht am Markt auch nicht mehr deutlich sinken.

          Korrektur ja, aber keine tiefe Baisse

          Ob der langfristige Trend steigender Aktienkurse vorüber ist, lässt sich nicht sagen. Aus der Sicht der technischen Analyse sind die Warnzeichen unübersehbar, denn zahlreiche Charts von Indizes und Einzelaktien sehen nach der Lesart dieser Schule mittlerweile geradezu grauenhaft aus. Dies spricht zumindest für die nächste Zeit für hohe Kursausschläge, wie sie auch am Dienstag zu beobachten waren.

          Aus einer wirtschaftlichen Betrachtung des Aktienmarktes lassen sich angesichts von Zweifeln an der Dynamik des Konjunkturaufschwungs und des Wachstums der Unternehmensgewinne zwar Korrekturen der alten Kurshöchststände herleiten, aber keine tiefe Baisse. Denn eine Rezession ist weder in den Vereinigten Staaten noch in einem anderen wichtigen Wirtschaftsraum zu sehen.

          Ein Ende der engen Korrelation zwischen Aktien- und Anleihekursen, das durch das allmähliche Ende einer extrem lockeren Geldpolitik befördert wird, stellt Vermögensverwalter vor Herausforderungen. Die häufig gehörte Ausrede für eine allenfalls durchschnittliche Leistung – „Alle Märkte sind durch die Geldpolitik verzerrt“ – wird keinen Bestand mehr haben. In der neuen Welt der Finanzmärkte wird sich die Spreu erbarmungslos vom Weizen trennen.

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