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Widersprüchliche Daten : Der Aktienmarkt im Inflationsgefängnis

Egal wie - Die Corona-Pandemie bestimmt die Aktienmärkte weiter. Bild: AP

Höher als erwartet ist die Inflation in den USA im April gewesen. Doch im Gegensatz zum Anleihenmarkt ist die Reaktion am Aktienmarkt geringfügig. Die Notenbanken werden weiterhin vorbeugen.

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          Die Inflationsfurcht scheint die Aktienmärkte im Griff zu haben. Nach der Aussage von EZB-Direk­to­ri­ums­mit­glied Isabel Schna­bel, sie halte Infla­ti­ons­ra­ten von mehr als 3 Prozent für Deutsch­land vorüber­ge­hend für möglich, gaben der Standardwerteindex Dax und der 100 Werte umfassende, marktbreite F.A.Z.-Index schon am Diens­tag um 1,8 Prozent auf 15.120 Zähler und 2625 Punkte nach.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Anleger hinge­gen beschäf­tig­te noch mehr die Frage, ob die Infla­ti­on in Ameri­ka steigt und damit höhere Leitzinsen nach sich ziehen könnte. Nach den am Mittwochmittag vorgelegten Zahlen sind die Verbraucherpreise in den USA im gegenüber dem Vorjahresmonat mit 4,2 Prozent deutlich stärker gestiegen, als durchschnittlich mit 3,6 Prozent erwartet.

          Wer darauf eine deutliche Reaktion erwartet hatte, sah sich zunächst bestätigt, dann getäuscht. Der Terminkontrakt auf den S&P-500-Index fiel kurze Zeit deutlich, aber am Ende gab der Index im frühen Handel nur um 0,7 Prozent nach. Das ist vielleicht nicht so schön, aber kein Beinbruch. Der F.A.Z.-Index rutschte ebenfalls kurz ab und kehrte dann wieder auf das Niveau des Vortagesschluss zurück, auf dem er schon den ganzen Tag gehandelt hatte.

          Widersprüchliche Daten

          Ist es also doch nicht so weit her mit der Inflationsfurcht in den Vereinigte Staaten? Das wäre wohl zu kurz geschlossen. Viel eher ist es so, dass die aktuellen Konjunkturdaten widersprüchlich und bisweilen schwer einzuordnen sind. So stieg nach der Veröffentlichung vom Freitag etwa die offizielle Arbeitslosenrate in den Vereinigten Staaten.

          Das stehe im Widerspruch zu allen Wirtschaftsindikatoren, schreibt Axel Botte, Marktstratege des französischen Investmenthauses Ostrum. Er sieht darin Friktionen, zum einen durch starke demografische Trends, zum anderen aber auch durch eine gedämpfte Erwerbsbeteiligung aufgrund der staatlichen Einkommens­transfers und des erhöhten Arbeitslosengelds. Denn jede Verlangsamung der Erholung sorge gleichzeitig zur Aufrechterhaltung der aktuellen Geldpolitik. Das aber sorgt wieder dafür, dass die alten Trends intakt blieben, weil nicht nur die Nominalzinsen niedrig blieben, sondern die Realzinsen weiter fielen. Damit aber können sich sogenannte Wachstumsunternehmen weiter günstig finanzieren, nach Abzug der Inflation sogar noch günstiger.

          Die andere Rezession

          Aber entgegen einer höheren Arbeitslosenquote ist die Zahl der offenen Stellen mit 8,1 Millionen im März auf ein Rekordhoch gestiegen. Gleichzeitig aber hielten die Neueinstellungen damit nicht Schritt. Für einige Analysten unterstreicht dies Engpässe auf dem Arbeitsmarkt. In einer Reihe von Branchen herrsche schon ein Mangel an qualifizierten Beschäftigten.

          Diese Widersprüchlichkeit und die damit einhergehende reduzierte Aussagekraft vieler derzeit veröffentlichter Daten ist ein großes Problem für die Märkte und zeigt alles in allem, dass die Corona-Rezession sich nicht nur quantitativ und dynamisch, sondern auch qualitativ von fast allen früheren Rezessionen unterscheidet. Anders als bei diesen bedeutete die Pandemie für weite Teile der Wirtschaft nicht eine Verlangsamung der ökonomischen Aktivität, sondern einen Abriss.

          Es ist etwa davon auszugehen, dass Menschen in Zukunft wieder mehr reisen. Aber auch wieder etwa im selben Umfang sorglos in die Türkei? Wie weit wird sich der Einzelhandel erholen? Wird der Kneipenbesuch noch das alte Niveau erreichen?

          Es ist ähnlich wie bei einem Fußballspiel: Wie eine Mannschaft nach der Pause, in der sie hat nachdenken und Dinge überdenken können, wieder in den Tritt kommt, kann sich maßgeblich davon unterscheiden, wenn sie nur zwischenzeitlich mal ihre Spielweise etwas defensiver gestaltet hat.

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