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Hedgefonds-Hai David Einhorn : Der tiefe Fall eines Wall-Street-Wunderkindes

  • -Aktualisiert am

Auf dem New Yorker Parkett: David und Cheryl Einhorn Bild: WireImage

David Einhorn wurde durch eine erfolgreiche Wette gegen Lehman berühmt und galt zeitweilig als möglicher Nachfolger von Warren Buffett. Seitdem läuft nicht mehr viel richtig.

          4 Min.

          David Einhorn ist an der Wall Street bekannt wie ein bunter Hund. Das liegt zum einen an seinem für einen Milliardär ungewöhnlichen Kleidungsstil. Einhorn trägt schon mal einen alten blauen, mit bunten Handabdrücken seiner Kinder verzierten Pullover, der ihm Glück bringen soll. Bei Pokerturnieren, eine seiner Leidenschaften, taucht er schon mal mit Spiegelbrille und Baseballmütze auf und wirkt wie eine Mischung aus Rockstar und Astronaut. Wall-Street-Geschichte schrieb der Gründer der Hedgefonds-Gesellschaft Greenlight Capital aber nicht als modischer Trendsetter, sondern mit einer Wette auf fallende Kurse der Investmentbank Lehman Brothers. Als Lehman im Zuge der Finanzkrise Mitte September 2008 kollabierte, hatte Einhorn seinen Ruf als Wunderkind der Wall Street zementiert. Einhorns von Schlagzeilen begleitete Lehman-Kampagne war neben John Paulsons Wette auf fallende Häuserpreise einer der lukrativsten Investmentideen der Krise. Vermögende Privatanleger und die für Pensionsfonds und andere Institutionen verantwortlichen Anlageprofis vertrauten dem mittlerweile 49 Jahre alten, aber immer noch jungenhaft wirkenden Einhorn danach Millionensummen an.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Aber Einhorn gelang es in den Jahren nach der Lehman-Wette nicht einmal mehr, besser abzuschneiden als der amerikanische Aktienindex S&P 500, dessen Wert sich seit dem Tiefpunkt der Krise vervierfacht hat. Einhorn steht mit seiner bestenfalls mittelprächtigen Leistung nicht allein. Die meisten Hedgefonds haben während der neunjährigen Aktienhausse schlechter abgeschnitten als ein simpler Indexfonds. Einige der üblicherweise von Selbstvertrauen strotzenden Stars der Branche haben in den vergangenen Jahren bereits ganz aufgegeben. Der für langfristige Anlagen in unterbewertete Aktien bekannte Investor Warren Buffett streute Salz in diese Wunden, als er Ende 2007 darauf wettete, dass ein Indexfonds, der die Entwicklung des S&P 500 abbildet, über einen Zeitraum von zehn Jahren besser abschneidet als eine Auswahl von Hedgefonds – deren Manager ihren Kunden versprechen, in allen Marktlagen überdurchschnittlich gut abzuschneiden. Buffett, der Privatanlegern die Anlage in günstige Indexfonds empfiehlt, gewann die Wette, mit der er die horrenden Gebühren der Hedgefonds kritisieren wollte, ohne Probleme. „Während diese Gruppe prosperierte, erlebten viele ihrer Anleger eine verlorene Dekade“, resümierte Buffett, der den gewonnenen Wetteinsatz einer wohltätigen Organisation zukommen ließ.

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