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Zahl der Börsengänge : Der größte Börsengang kommt aus Deutschland

Siemens Healthineers, dieMedizintechniksparte des Technologiekonzerns war bisher für Anleger ein Erfolg. Bild: Reuters

Die Erstnotiz von Siemens Healthineers war für Anleger ein Erfolg. Während jedoch der Gesamtmarkt schwächelt, ist das erste Halbjahr hierzulande das beste seit dem Jahr 2000.

          Das Umfeld für Börsengänge ist in diesem Jahr zweigeteilt. Während Deutschland gemessen an der Zahl der Börsengänge das beste Halbjahr seit dem Jahr 2007 verzeichnet hat und das höchste Emissionsvolumen seit der Jahrtausendwende, zeigt der Weltmarkt Schwäche. Das Ausgabevolumen an Aktien insgesamt war im zweiten Quartal mit rund 45 Milliarden Dollar (rund 38,8 Milliarden Euro) um ein Fünftel niedriger als im Vorjahr.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dank großer Börsengänge vor allem in den ersten drei Monaten 2018 wuchs das Volumen dennoch in der Halbjahresbilanz leicht auf gut 94 Milliarden Dollar. Die Zahl aller Börsendebüts ist im Jahresvergleich im zweiten Quartal sogar um mehr als ein Viertel auf 325 gefallen, für das Halbjahr ergibt sich mit insgesamt 660 Börsengängen ein Minus von gut 20 Prozent. Dies sind Ergebnisse einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY.

          Doch die positiven Nachrichten aus Deutschland reißen nicht ab. Denn auch der bisher größte Börsengang des Jahres kommt mit Siemens Healthineers, der Medizintechniksparte des Technologiekonzerns, aus hiesigen Landen. Mitte März kamen so gut 4 Milliarden Euro oder 5,3 Milliarden Dollar an die Börse. In der Welt an zweiter Stelle folgt Foxconn Industrial, Tochtergesellschaft des Apple-Zulieferers, mit 4,2 Milliarden Dollar, und die Erstnotiz von Axa Equitable, die amerikanische Tochtergesellschaft des französischen Versicherers Axa, mit 3,2 Milliarden Dollar. Das Börsendebüt der Deutsche-Bank-Tochtergesellschaft DWS ist mit 1,6 Milliarden Dollar bisher die sechstgrößte Transaktion gewesen.

          Kursbilanz an der Börse fällt gemischt aus

          Was sind die Gründe für die insgesamt schwächere Börsengangsbilanz? Höhere Kursschwankungen, wachsende Unsicherheiten durch geopolitische Risiken und die neue amerikanische Handelspolitik hätten im zweiten Quartal auf dem internationalen Markt für Börsengänge deutliche Spuren hinterlassen, sagt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs Börsengänge von EY. Noch vergleichsweise gut habe sich der amerikanische Markt entwickelt. Besonders deutlich sei dagegen der Rückgang in China gewesen.

          Höhere Anforderungen und ein langsamerer Freigabeprozess hätten zu viel weniger Neuemissionen an den chinesischen Festlandsbörsen geführt. Die Zahl der Debüts habe sich hier allein im zweiten Quartal im Jahresvergleich von 143 auf 63 mehr als halbiert, das Emissionsvolumen sei um 15 Prozent auf rund 11 Milliarden Dollar gesunken. Dennoch gingen in keinem Land der Erde mehr Gesellschaften an den Aktienmarkt.

          Auch die Kursbilanz an der Börse fällt gemischt aus. Während hierzulande zum Beispiel die Aktie der DWS im Vergleich zum Emissionspreis ein Fünftel an Wert verloren hat, ist die Aktie von Siemens Healthineers inzwischen zur Freude der Aktionäre um rund ein Viertel im Kurs geklettert. Insgesamt hätten sich die Aktien der meisten Börsenneulinge gut entwickelt und mutigen Investoren Kursgewinne beschert, heißt es von EY.

          Dabei hätten vom Tag der Erstnotiz an bis jetzt Börsengänge in China das deutlichste Kursplus verzeichnet, deren Aktien im Durchschnitt um mehr als 90 Prozent zugelegt hätten. Die Börsenneulinge in Amerika hätten fast 40 Prozent an Wert gewonnen, während die Debütanten in Europa nur ein Kursplus von durchschnittlich 16 Prozent erzielt hätten.

          Hoffen auf das zweite Halbjahr

          Neben Siemens Healthineers und der DWS gingen hierzulande seit Jahresbeginn Dermapharm, Stemmer Imaging, Cyan, Godewind Immobilien, Serviceware, Nfon, STS, Home 24 und Capsensixx an den Markt (siehe Grafik). Die Erstnotiz von Akasol soll an diesem Freitag erfolgen. Damit dürften es im ersten Halbjahr zwölf Börsenneulinge werden mit einem Volumen von zusammen etwa 7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es in Deutschland insgesamt elf Debütanten und ein Gesamtvolumen von etwa 2,6 Milliarden Euro. Der mit Abstand größte Börsengang war Delivery Hero, eine Beteiligung von Rocket Internet, mit 989 Millionen Euro, gefolgt von Befesa mit 461 Millionen Euro.

          In Europa insgesamt gingen dagegen seit Jahresbeginn sowohl die Zahl der Neuemissionen als auch das Emissionsvolumen deutlich zurück. Allein Frankreich zeigte sich neben Deutschland, gemessen an der Zahl der Börsengänge, etwas stärker. Derzeit leide vor allem Europa unter den handelspolitischen Spannungen – die hier überdurchschnittlich exportorientierten Unternehmen wären besonders stark von einer weiteren Zuspitzung der Spannungen und neuen Handelshemmnissen betroffen, heißt es von EY.

          Steinbach rechnet mit einem insgesamt stärkeren zweiten Halbjahr – befeuert von der positiven Kursentwicklung der bisherigen Debütanten und Technologie-Börsengängen. Die konjunkturellen Perspektiven blieben nach wie vor relativ gut, die Zinsen niedrig und das Bewertungsniveau an den Börsen trotz jüngster Kursrückgange hoch. Daher seien in Deutschland in diesem Jahr mehr als die erwarteten 18 Börsengänge realistisch. Gleichwohl blieben die Risiken hoch. Die Unternehmen müssten jederzeit auf zeitweilige Eintrübungen des Umfelds vorbereitet sein. Geopolitische Spannungen, Unsicherheiten rund um den Brexit und neue Handelshemmnisse dürften immer wieder für Unruhe sorgen.

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