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Börsenwoche : Das sind die Gewinner und Verlierer

Der Softwareriese SAP ist mit einem Minus von sieben Prozent der größte Wochenverlierer im Dax Bild: dpa

Die Berichtssaison hat begonnen und ein Unternehmen nach dem anderen rückt mit schlechten Geschäftszahlen heraus. Die Stimmung an der Börse ist dahin, Anleger sollten wachsam bleiben.

          Die Börse wirkt ein wenig eingeschläfert. Die Umsätze sind niedrig, und die Indizes wiegen gerade scheinbar sanft dahin, „Summertime“ eben. So heißt auch eine Arie aus der Oper „Porgy and Bess“. In dem Wiegenlied freut sich eine junge Mutter über das leichte Leben während des Sommers, wo sie am Fluss Fische springen und die Baumwolle reifen sieht.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber das Leben in South Carolina, wo die in den 1930er Jahren komponierte Oper von George Gershwin spielt, war keineswegs leicht. Und auch an der deutschen Börse ist es gerade nicht „easy“, im Gegenteil: Anleger sollten wach bleiben.

          Die Aktienindizes haben die dritte Woche hintereinander mit Verlusten beendet. Das Ausmaß ist nicht dramatisch, seit Monatsbeginn haben F.A.Z-Index und Dax ein bis zwei Prozent abgegeben. Aber die Rahmenbedingungen verschlechtern sich. Seit einem Jahr sinkt die deutsche Industrieproduktion.

          Die chinesische Wirtschaft, nicht nur für die Autoindustrie der wichtigste Absatzmarkt, wuchs im zweiten Quartal 2019 nur noch mit 6,2 Prozent, so langsam wie zuletzt vor 27 Jahren. Und in Amerika könnte der längste Aufschwung seit Beginn der Aufzeichnungen kippen. In den anstehenden Geschäftsberichten der Unternehmen über das zweite Quartal wird es wohl wenig Licht und viel Schatten geben.

          Der Auftakt der Berichtssaison zumindest ist missraten. Das wertvollste deutsche Unternehmen, der Softwarehersteller SAP, verfehlte die selbst hochgesteckten Gewinnerwartungen. Die SAP-Aktie ist mit rund 7 Prozent Kursverlust in dieser Woche schlechtester Dax-Wert. Am Mittwoch wird Daimler berichten, der Automobilkonzern hat in diesem Jahr schon drei Mal seine Gewinnprognose gesenkt.

          Gibt es dennoch Potential für böse Überraschungen? Am Dienstag kann schon Hochtief Klarheit schaffen. Der Baukonzern gehört im F.A.Z.-Index in dieser Woche zu den größten Verlierern, weil der amerikanische Baumaschinenvermieter United Rentals für 2019 jetzt weniger Umsatz und Gewinn erwartet. Anleger sehen darin schlechte Zeichen für die Baukonjunktur, worunter auch die Aktie des Baudienstleisters Bilfinger litt.

          Allerdings sind nicht alle Quartalszahlen, die aus Amerika herüberschwappen, schlecht. Schockiert hat die Börse, dass das Filmportal Neflix erstmals seit acht Jahren Streaming-Kunden verloren hat, daher ging es für den Netflix-Kurs 10 Prozent abwärts. Auf der anderen Seite überzeugten Technologieunternehmen wie Microsoft, Ebay und IBM. Der Tabakkonzern Philip Morris hob seine Gewinnprognose an.

          Solche positiven Nachrichten sind dagegen an der deutschen Börse derzeit Mangelware. Eine rühmliche Ausnahme: Satorius aus Göttingen. Der Lieferant für die biopharmazeutische Forschung erhöht regelmäßig die Umsatz- und Gewinnprognose, die Aktie eilt von Rekordkurs zu Rekordkurs. Doch viele deutsche Großunternehmen sind derzeit eben nicht in Top-Form. Die „Summertime“ an der deutschen Börse kann noch ungemütlich werden.

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