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Essen der Zukunft : Geld verdienen mit Insekten

  • Aktualisiert am

Sieht lecker aus? Ein Wrap mit Fleischbällchen - mit Mehlwürmern als Zutaten. Bild: dpa

Essen aus Insekten wird wichtiger. Eine große Handelskette sieht darin die Nahrung der Zukunft. Und deutsche Start-ups haben ein Plan – obwohl es viele Risiken gibt.

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          Es kribbelt und krabbelt nicht - doch Daniel Mohr muss dennoch gegen Ekelreaktionen bei seinen Kunden kämpfen. Denn Mohr setzt auf ein neues Lebensmittel, das seiner Meinung nach gut schmeckt und zahlreiche Vorteile gegenüber Rind- oder Schweinefleisch bietet: Insekten. Mohr ist Geschäftsführer des Startups Plumentofoods, das Lebensmitteln wie Nudeln oder Keksen ein Pulver aus gefriergetrockneten Würmerlarven beimischt. Sein Ziel: Insekten-basierte Nahrung soll alltäglich werden.

          Damit wollen Mohr und andere Anbieter Geld verdienen - und zugleich die Umwelt schonen. Denn angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung mit steigendem Protein-Bedarf stellten Insekten eine Alternative zu Fleisch dar. In immer mehr deutschen Supermärkten kommen die Produkte nun in die Regale. Würmer brauchen Studien zufolge deutlich weniger Futter als Rinder, emittierten weniger Treibhausgase und benötigen viel weniger Fläche.

          Dies zeigen unter anderem Studien von Forschern der Universität Wageningen in den Niederlanden. Das alles lasse sie angesichts immer knapper werdender Ressourcen zur Alternative zu Rind, Huhn oder Schwein werden. In Ländern Asiens oder Südamerikas stehen Käfer oder Schrecken traditionell auf der Speisekarte. Mohrs Startup Plumentofoods und zahlreiche andere Startups wollen das nun auch hierzulande erreichen.

          Pasta mit Insektenpulver

          Die Voraussetzungen dafür hat die Europäische Union geschaffen. Denn die Insketen fallen seit Jahresbeginn als potenzielles Lebensmittel unter die Novel-Food-Verordnung der EU-Kommission. Hersteller können die Zulassung ihrer Produkte nun in Brüssel beantragen.

          Plumentofoods aus Pforzheim mischt Pasta Insektenpulver bei. In die Nudeln kommen in den Niederlanden gezogene Buffalo-Würmer, „die kleinen Brüder des Mehlwurms“, wie Mohr sagt. Sie sorgen für eine nussige Geschmacksnote. Bei der Metro-Tochter Emmas Enkel in Düsseldorf und in Real-Märkten in Berlin, Krefeld und Böblingen können die Verbraucher Mohrs Nudeln erstehen. Bei den Kunden kommt die Pasta offenbar gut an:

          Der Preis sank bereits wegen der Nachfrage und der damit gestiegenen Produktion. 4,49 Euro müssen die Freunde der Insekten-Nudel nun für 250 Gramm hinblättern. Ursprünglich waren es 5,99 Euro. „Das Ganze hat Fahrt aufgenommen“, sagt Mohr. Plumentofoods stehe in Gesprächen mit weiteren Einzelhändlern in Deutschland: „Wir kurbeln die Produktion an.“ Der Insekten-Lieferant in den Niederlanden baue bereits drei neue Hallen für die Zucht.

          „Das ist das Essen der Zukunft“

          Plumentofoods ist in der Bundesrepublik mit der neuen Nahrung nicht allein. Einen Schritt weiter ist die Bugfoundation aus Osnabrück. Das Startup bietet Insektenburger an - hier werden Buletten mit Buffalo-Würmern geformt, die ebenfalls aus den Niederlanden stammen. Rewe will die Burger ab Ende Mai in 100 Märkten in Süddeutschland feilbieten. „Die deutschen Verbraucher müssen sich daran gewöhnen“, prognostiziert ein Rewe-Sprecher: „Das ist das Essen der Zukunft.“

          Letztlich wolle Bugfoundation die Burger in der ganzen Republik anbieten, sagt Geschäftsführer Baris Özel. Die Bugfoundation sei auf Wachstumskurs: „Wir werden neue Leute einstellen.“ Auch beim französischen Handelsriesen Carrefour gibt es Insekten-Lebensmittel: Energie-Riegel mit Käfern werden etwa in Spanien angeboten. „Letztlich wird der Genuss von Insekten eine Gewöhnungsfrage sein – ähnlich wie beim rohen Fisch im heute auch in Europa populären Sushi“, heißt es in einer Studie des Nahrungsmittel-Riesen Nestle.

          Aber auch Risiken der neuen Nahrungsmittel müssten erforscht werden, sagen Verbraucherschützer. So untersuchen Experten des Max Rubner-Instituts, das das Bundeslandwirtschaftsministerium berät, ob verarbeitete Insekten Allergien auslösen können. Belastbare Ergebnisse lägen aber noch nicht vor, sagte eine Sprecherin. Verbraucherschützer mach sich zudem für ausführliche Studien unter anderem zu gesundheitlichen Aspekten, Hygiene und Krankheiten stark. Die Hygienevorschriften für die Produktion und die Fütterung sollten für Insekten verbindlicher gefasst werden, fordert die Verbraucherzentrale Hamburg.

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