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Amazon, Microsoft, SAP : Das Cloud-Geschäft wächst in den Himmel

  • -Aktualisiert am

Die Dienstleistungen mit den Cloud-Services sind zu wahren Gelddruckmaschinen geworden. Bild: dpa

Fotos, Daten, Nachrichten – alles wird in der Cloud gespeichert. Dabei hat sich Amazon zum unangefochtenen Marktführer aufgeschwungen. Von den kräftigen Zuwächsen im Cloud-Geschäft profitieren Aktionäre.

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          Manchmal scheint es, als ließen sich Dinge übers Internet nicht nur großzügig verteilen, sondern auch beliebig vermehren – sogar die Umsätze von Unternehmen. Das zumindest klappt derzeit bei jenen Firmen besonders gut, deren Geschäftsmodell es ist, die Daten anderer Firmen zu horten und übers Netz zu verteilen. Cloud-Services nennen sich diese Dienstleistungen. Sie sind wahre Gelddruckmaschinen.

          Sogar Analysten staunen immer wieder, wenn die Cloud-Anbieter ihre neuen Bilanzzahlen vorlegen: Um 35 oder 50, sogar mehr als 90 Prozent wuchsen deren Erträge zuletzt. Und es geht hier, wohlgemerkt, nicht um kleine Start-ups, die schnell wachsen können. Selbst Milliardenkonzerne verschaffen sich damit ein beachtliches Wachstum. Und so mancher Verlierer der jüngsten IT-Geschichte gehört dank der Cloud wieder zu den großen Gewinnern.

          Microsoft ist ein schönes Beispiel dafür. Seit die Smartphones den Markt aufmischten und der klassische PC-Verkauf stark sank, fragten sich viele, wie es wohl mit dem Computergiganten weitergehen würde. Der hievte sich schließlich einst mit dem Verkauf von Office-Softwarepaketen für PCs an die Weltspitze. Doch der Absatz stockte in den vergangenen Jahren. Zuletzt tat sich Microsoft auch schwerer mit dem Verkauf von Smartphones, ein vergleichsweise neues Geschäftsfeld des Konzerns.

          Im Reich der großen Datenwolken

          Doch die Cloud beschert ihm nun wieder kräftige Zuwächse. Inzwischen ist das Cloud-Geschäft schon fast genauso groß wie das angestammte Microsoft-Geschäft. Schließlich tut sich da ein großer Markt auf, wenn Milliarden Menschen ihre Fotos und Nachrichten in sozialen Netzwerken hochladen und Unternehmen ihre Geschäftsprozesse zunehmend automatisieren und von spezialisierten Programmen und Datenbanken bearbeiten lassen. Dafür sind Rechnerkapazitäten, Speicher, Netzwerke und Programme nötig. Microsofts Erlöse aus dem Cloud-Geschäft haben sich nach eigenen Angaben zuletzt um 93 Prozent erhöht, also fast verdoppelt. Fürs erste Quartal 2018 vermeldete Microsoft einen Umsatz mit der Cloud-Sparte von knapp 7,9 Milliarden Dollar.

          Im direkten Vergleich ist der Konzern jedoch nur der kleine Rivale im Reich der großen Datenwolken. Unangefochtener Marktführer ist Amazon mit seiner Sparte AWS. Der Online-Händler hat als erstes das große Potential des Cloud-Geschäfts erkannt und entsprechend investiert. Das sichert dem Online-Konzern den bisher größten Marktanteil. Rund ein Drittel des weltweiten Cloud-Marktes deckt der Internetgigant heute ab. Und fuhr damit im ersten Quartal laut Eigenaussagen einen operativen Gewinn von 1,4 Milliarden Dollar ein. Das waren stolze 73 Prozent seines Gesamtergebnisses. Deswegen sagen Analysten nicht ohne Anerkennung, aus dem Online-Händler Amazon sei nunmehr ein Cloud-Service-Anbieter mit angeschlossenem Warenhaus geworden.

          Bild: F.A.Z.

          Das Marktwachstum scheint auch noch lange nicht am Ende. Das IT-Marktforschungsunternehmen Gartner warnte zwar vor einer Weile davor, alle veröffentlichten Cloud-Zahlen der Unternehmen für bare Münze zu nehmen. Viele Konzerne wiesen ihre Umsatzzahlen dazu nicht transparent aus, und sie rechneten munter Geschäftsbereiche zum Cloud-Bereich, die gar nicht dazugehörten. So zählten manche das Hardware-Leasing dazu, andere den Verkauf von Desktop-Programmen, insgesamt bleibe vieles wolkig in der Cloud. Sie erhoffen sich von den gemeldeten sehr hohen Steigerungsraten mehr Kunden und wollen damit die Anleger überzeugen. Das soll ihren Markt- und Börsenwert steigern.

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