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Gutes Jahr für Anleger : Jubel, Trubel, Börsenglück

Heiß geht es auch weiterhin bei anderen Sachwerten zu, weil das viele Geld locker sitzt. Oder, wie es Sonja Laud als Aktienchefin der Fondsgesellschaft Fidelity ausdrückt: „Die Märkte sind von einem Liquiditätsüberschuss getrieben.“ Wie die Börsen, so haben auch Auktionshäuser einen Rekord nach dem anderen erlebt. So hat Christie’s nicht nur das Leonardo da Vinci zugeschriebene Gemälde „Salvator Mundi“ für 450 Millionen Dollar verkauft und zum teuersten Bild der Welt gemacht. Auch Diamanten erzielten Preise, die deutlich über den Schätzwerten lagen und zweistellige Millionenbeträge erreichten. Selbst für einen Formel-1-Rennwagen wurde ein Auktionsrekord erzielt. Ein Ferrari, den Michael Schumacher 2001 erfolgreich beim Großen Preis von Monte Carlo steuerte, ist von Sotheby’s für 7,5 Millionen Dollar versteigert worden.

Apple, Amazon, Facebook, Netflix und Snapchat mehr wert als dreißig Dax-Unternehmen

Am spektakulärsten jedoch ist die Spekulation, die mit Bitcoin betrieben wird. War die verschlüsselte Digitalwährung noch vor einiger Zeit nur Eingeweihten geläufig, so ist sie 2017 zu einem Spekulationsobjekt geworden, dessen Wertsteigerung abenteuerlich anmutet: Mehr als 1600 Prozent hat Bitcoin allein in diesem Jahr zugelegt – das deutet auf eine Blase hin.

Das Goldilocks-Szenario wird wohl noch eine Weile andauern. Es sei denn, die Inflation würde im kommenden Jahr unerwartet sprunghaft ansteigen und die Notenbanken sich dadurch genötigt sehen, mit strafferer Geldpolitik dagegenzusteuern. Doch selbst wenn die Zentralbanker das Ende ihrer lockeren Politik so fortführen wie geplant, könnte dies vorübergehend die Börsen belasten. „Nach der zuletzt überschießenden Erwartungshaltung kann es zu Enttäuschungen kommen – aber auf hohem Niveau“, sagt Joachim Schallmayer, Anlagestratege der Deka-Bank. Kursverluste hält er für Kaufgelegenheiten. Denn: „Am Aktienmarkt kommt man nicht vorbei.“ Dass an den Börsen allerdings so hohe Renditen möglich sind wie in diesem Jahr, wird von vielen Marktbeobachtern bezweifelt. Mit sicheren Anleihen ist auch künftig wohl nur wenig zu verdienen. Die Renditen bleiben angesichts der Notenbankkäufe niedrig, Staatsanleihen gelten weithin als zu teuer. Wer auf dem Anleihemarkt noch eine ordentliche Rendite erwirtschaften will, muss sich unter den Schwellenländern umschauen.

Die größten Gewinne sind in nächster Zeit weniger von den historisch sehr hoch bewerteten Aktien aus Amerika zu erwarten. Dort sind allein die fünf Technologiekonzerne Apple, Amazon, Facebook, Netflix und Snapchat schon jetzt mehr wert als alle dreißig Dax-Unternehmen zusammen. Viel attraktiver erscheinen Aktien aus Europa und Japan, wo die Zentralbanken weiterhin eine sehr lockere Geldpolitik verfolgen und die Unternehmen gut verdienen. Auch den Börsen in den Schwellenländern wird noch eine Menge zugetraut, schließlich wird den dortigen Firmen das größte Gewinnwachstum mit bis zu 15 Prozent vorausgesagt.

Dass der lange Aufschwung, der in den Vereinigten Staaten bereits neun Jahre dauert und in Europa auch schon mehr als fünf, plötzlich schwach wird, ist nicht zu erwarten. Eher könnte eine Überhitzung drohen. Vielleicht ändert sich allmählich die Wahrnehmung, wird der Aufschwung doch als „ungeliebt“ und „ängstlich“ bezeichnet; nicht nur deshalb, weil er maßgeblich von den Zentralbanken gefördert wird, sondern weil viele Privatanleger bisher kaum daran teilhaben. Noch ist es nicht zu spät, etwas mehr zu wagen und von dem Aufschwung zu profitieren. „Die Rally ist noch nicht zu Ende“, sagt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Deutschen Asset Management. Es passt halt alles „genau richtig“ zusammen. Bis das Märchen irgendwann endet.

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