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Gutes Jahr für Anleger : Jubel, Trubel, Börsenglück

Euro hat 14 Prozent zugelegt

Gegenüber den schon sehr teuren amerikanischen Aktien haben europäische Werte noch einiges Aufholpotential, obwohl auch sie seit Ende vergangenen Jahres stark an Wert gewonnen haben. Dass Europa 2017 zu einem Kontinent der verheißungsvollen Anlagemöglichkeiten geworden ist, liegt daran, dass auch hier die politischen Sorgen zuvor allzu groß ausgefallen waren. Die Folgen des Brexits sind bislang überschaubar. Und die Gefahr, dass populistische Kräfte in Europa immer stärker werden und in Frankreich und den Niederlanden sogar die Regierung übernehmen könnten, ist vorerst gebannt. Ein Zusammenbruch der Eurozone, wie er vor nicht allzu langer Zeit noch für möglich gehalten wurde, steht nicht bevor. Die Wirtschaft wächst selbst in bisherigen Krisenstaaten, die dortige hohe Arbeitslosigkeit geht spürbar zurück, und die Konsumlaune legt zu. Selbst das hochverschuldete Italien, wo im kommenden Jahr gewählt wird, gilt nicht als große Gefahrenquelle. Grund genug für Investoren aus aller Herren Länder, in der Eurozone ihr Geld anzulegen.

Das hat Auswirkungen auf den Euro, der im Vergleich zum Dollar überraschend stark ist. Vorbei die Zeit, als der Euro 1,04 Dollar kostete und alle davon ausgingen, dass eine Parität bevorstünde. Binnen zwölf Monaten hat die Gemeinschaftswährung 14 Prozent zugelegt. Das bremst zwar den Dax mit seinen vielen exportstarken Firmen ein wenig, weil deutsche Waren im Ausland teurer werden. Es zeigt aber, wie robust Europas Wirtschaftswachstum mittlerweile eingeschätzt wird. Was die Firmen diesseits und jenseits des Atlantiks eint: Nach fünf Jahren mit sehr überschaubarem Gewinnwachstum haben die Unternehmen 2017 viel besser verdient. Die Zuwachsraten sind teilweise zweistellig, durch die steigenden Gewinne werden die Aktienkurse gut unterfüttert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax ist im historischen Vergleich zwar hoch, bleibt aber innerhalb der üblichen Bewertungsspanne. Entsprechend bleiben die Anleger in Höchststimmung, wie sämtliche Umfragen zeigen.

Bei Sachwerten geht es heiß zu

Das märchenhafte Goldilocks-Szenario liegt nicht zuletzt daran, dass die Notenbanken sehr vorsichtig vorgehen. Sie vollziehen die geldpolitische Wende zehn Jahre nach der Finanzkrise nur langsam. Die amerikanische Federal Reserve ist am weitesten vorangeschritten, sie erhöht die Leitzinsen relativ regelmäßig und hat einen Fahrplan entworfen, sich von immer mehr Anleihen zu trennen. So weit ist die Europäische Zentralbank noch längst nicht, sie kauft bis weit ins kommende Jahr hinein Anleihen, hält die Zinsen auf Nullniveau und flutet den Markt weiter mit billigem Geld. Dies wird so lange so bleiben, bis das Inflationsziel nahe zwei Prozent erreicht ist. Mit einer Leitzinserhöhung ist kaum vor 2019 zu rechnen. Goldlöckchen lässt grüßen.

Dass sehr viel Geld in der Welt ist und angelegt werden will, zeigt sich auch über den Aktienmarkt hinaus. Vermögenspreise steigen fast durchweg. Am unmittelbarsten erleben es Anleger bei Immobilien, die nicht nur in den Großstädten immer begehrter und teurer werden, sondern auch in weniger exquisiten Lagen. So geht die Bundesbank inzwischen von einer Übertreibung der Preise in den sieben größten deutschen Städten um 15 bis 30 Prozent aus.

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