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Dank Aktiensturz : Kleine Rückkehr des Goldes

Goldbarren: Bald wieder gefragt – oder steht der Geldanlage ein heißer Herbst bevor? Bild: dpa

Lange zeigte sich der Goldpreis von allen Krisen unbeeindruckt – jetzt reagiert er auf die Börsenverluste. Warum?

          Der Goldpreis hat in den vergangenen Tagen vom Kursrutsch am Aktienmarkt profitiert. Allein am Donnerstag verteuerte sich Gold in Dollar gerechnet um 2,5 Prozent, in Euro um zwei Prozent. Das war der höchste Tagesanstieg für das Edelmetall seit der Entscheidung über den Brexit in Großbritannien am 23. Juni 2016. Am Freitag notierte der Goldpreis dann wieder leicht schwächer bei 1220 Dollar.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Warum reagiert der Goldpreis diesmal so deutlich auf die Kursverluste an der Börse? Bei den letzten Krisen, der Währungskrise in der Türkei oder auch bei der letzten größeren Abwärtsbewegung an der Börse im Februar, hatte der Goldpreis zumindest unmittelbar kaum zugelegt. Die Deutung der Goldfachleute war gewesen: Der Goldpreis reagiert fast nur noch auf den Dollar. Gold sei nur noch als „Hedge“, als Absicherung gegen einen sinkenden Dollarkurs zu gebrauchen: So lange der Dollar zulege, falle Gold weiter.

          Gold im Moment sehr günstig

          Jetzt ist wieder die Rede davon, Gold sei als „sicherer Hafen“ gefragt. Die Fondsgesellschaft Wisdom-Tree beschreibt das in einer Analyse als einen bemerkenswerten Wandel. Als Beleg lässt sich nicht nur das außergewöhnliche Tagesplus für Gold am Donnerstag anführen. Der Goldhändler Pro Aurum in München berichtet auch, am Mittwoch und Donnerstag hätten die Goldverkäufe an Privatanleger um 30 Prozent über der Vorwoche gelegen. Auch die Bestände in Gold-Indexfonds, die noch am Montag ihren Jahrestiefstand erreicht hatten, seien im Wochenverlauf tatsächlich mal wieder gestiegen, hebt Frank Schallenberger hervor, Rohstoff-Analyst der Landesbank Baden-Württemberg.

          Gold

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          Wie ist der Sinneswandel gegenüber dem glänzenden Edelmetall zu erklären? Zwei Gründe werden von Analysten genannt. Zum einen sei Gold jetzt einfach ziemlich günstig. Anders als noch im Februar beim letzten Kurssturz an der Börse schrecke kein hoher Preis mehr vor dem Gold-Investment ab. Zum anderen würden die Gründe für die hohen Kursverluste an der Börse jetzt möglicherweise doch ernster genommen als im Februar, meinte Jan Edelmann, Rohstoffanalyst der HSH Nordbank: „Die Stimmung der Investoren ist gegenwärtig ohnehin angeschlagen, so dass viele sich sogar Sorgen vor einem systemischen Risiko machen.“

          Auch Analyst Schallenberger vertritt diese Einschätzung: „Ich glaube, dass die Angst vor einem stärkeren Einbruch an den Märkten im Februar einfach noch nicht so groß war.“ Die Goldverkäufer hätten jetzt Angst vor „steigenden Zinsen, einem drohenden globalen Handelskrieg und einer möglicherweise abflauenden Konjunktur“, berichtet Pro Aurum. Eugen Weinberg, Analyst der Commerzbank, meint: „Auch im Februar hatte sich der Goldpreis doch gut gehalten – wir werden nicht müde zu betonen, dass sich Gold genau für solche Situationen mit hoher Unsicherheit und Schwankungen wie jetzt eignet.“

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