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Dammbruch in Mine : Vale-Katastrophe treibt den Erzpreis

Dieses Satellitenbild vom 29. Januar zeigt die Schlammfluten, wenige Tage nach dem Bruch des Staudamms in Brasilien. Bild: dpa

Nach dem weiteren Mienendammbruch beim brasilianischen Vale-Konzern profitieren australische Förderer vom sprunghaften Anstieg des Rohstoffpreises. Analysten erwarten Preise von bis zu 100 Dollar je Tonne.

          Die Katastrophe eines weiteren Dammbruchs in einer Eisenerzmine des brasilianischen Vale-Konzerns kommt dem Rest der Branche zugute. Nach dem Bruch am Freitag werden noch 250 Menschen in den Schlammmassen vermisst, 84 Tote wurden bislang geborgen. Aufgrund drohender Lieferschwierigkeiten des größten Erzkonzerns der Welt aber schießt der Preis für den Rohstoff für die Stahlproduktion durch die Decke. Seit Wochenbeginn hat er schon um 11 Prozent zugelegt. Die Zukunftskontrakte werden nun mit gut 86 Dollar je Tonne am Handelsplatz Singapur berechnet, so viel wie zuletzt vor knapp zwei Jahren. Das hilft der Konkurrenz von Vale insbesondere im Erzland Australien: Die Aktienkurse des größten Bodenschatzkonzerns der Welt BHP und seiner Wettbewerber Rio Tinto und Fortescue Metals Group stiegen in Sydney um bis zu 8 Prozent.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Vale hatte am Dienstag erklärt, es werde zeitweise die Förderung in jenen seiner Minen aussetzen, die Rückhaltebecken haben. Dies werde zu Förderkürzungen über jährlich 40 Millionen Tonnen Erz über den Zeitraum von drei Jahren führen. Allerdings will Vale diesen Verlust durch eine höherer Förderung anderer Bergwerke möglichst ausgleichen. Eigentlich wollte Vale in diesem Jahr 400 Millionen Tonnen Erz fördern.

          „Wir glauben, dass die anderen Erzkonzerne Schwierigkeiten haben werden, ihren Ausstoß über die geplante Größenordnung hinaus hochzufahren. Deshalb wird der Eisenerzmarkt in diesem Jahr einen geringeren Überschuss aufweisen. Das wiederum heißt, dass die Unsicherheit auf kurze Sicht wohl zu einem Preissprung führen wird, vielleicht sogar auf 100 Dollar je Tonne“, erklärte Ross Strachan, Bodenschatz-Ökonom von Capital Economics. Allerdings werde dieser nur kurzfristig Bestand haben.

          Für Ende dieses Jahres rechnet auch Strachan mit einem Rückfall auf die ursprünglich erwarteten 65 Dollar je Tonne. Dies deckt sich mit der Vorhersage der Analysten von Goldman Sachs für Ende dieses Jahres. Kurzfristig rechnen sie mit einer Stabilisierung des Preises bei 80 Dollar. Der Förderverlust für Vale werde sich auf 10 bis 15 Millionen Tonnen in diesem Jahr belaufen, weil einige Ausfälle ausgeglichen werden könnten. Banken in Australien rechneten indes mit einem Förderverlust von bis zu 30 Millionen Tonnen, der ersetzt werden müsse. Goldman Sachs warnt zugleich, der zweite Dammbruch bei Vale seit 2015 könnte die Umweltbehörden mehrerer Länder anhalten, schärfere Regeln zu verhängen. Das wiederum könnte die Förderung anderer Unternehmen beeinträchtigen, was den Erzpreis weiter treiben werde. Die Risiken färben auch schon auf die Schifffahrt ab: Eine Verringerung des Exports von Vale bei gleichzeitig abflauender Nachfrage in China könnte die Reeder spürbar belasten.

          Vor allem Australien wird von dem Desaster in Brasilien profitieren: Der Exportwert des Landes dürfte dank der wachsenden Nachfrage nach australischem Erz in diesem Jahr um bis zu 10 Milliarden Australische Dollar steigen. Der jetzige Erzpreis von knapp 80 Dollar je Tonne vergleicht sich mit einer Vorhersage der Regierung Australiens von 55 Dollar. Bislang erwarten die Analysten der Regierung einen Exportwert aus dem Rohstoff- und Energiesektor von 264 Milliarden australischen Dollar (166,2 Milliarden Euro) in diesem Jahr, nach 227 Milliarden im vergangenen Jahr. „Die Märkte sind in Sorge. Wir erwarten, dass das Hoch nur zwei bis drei Wochen Bestand haben wird, aber es gibt das Risiko, dass es länger anhält, weil die Märkte sich Gedanken über die künftige Lieferfähigkeit von Vale machen“, sagte Vivek Dhar, Bodenschatz-Analyst der Bank CBA.

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