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So reagieren die Anleger : Sehr gut für Geely – für Daimler nicht

  • Aktualisiert am

Produktion für den Heimatmarkt: Geely-Fabrik in Chengdu Bild: dpa

Der Aktienkurs des chinesischen Autoherstellers Geely steigt nach dem Einstieg bei Daimler deutlich. Dessen Kurs fällt hingegen. Viele Beobachter wissen offenbar noch nicht, was sie davon halten sollen.

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          Mit kräftigen Kursaufschlägen von bis zu 8,8 Prozent haben chinesische Anleger den Einstieg des Autobauers Geely-Aktie beim Stuttgarter Daimler-Konzern quittiert. Die Geely-Aktie wurde zeitweise mit 26 Hongkong-Dollar gehandelt. In Deutschland stieg der Aktienkurs zuletzt auf der Handelsplattform Tradegate zuletzt um 7,4 Prozent. Mit einem Volumen von rund 3,4 Millionen Euro ist der Handel  auf Tradegate umfangreicher als an der Frankfurter Börse mit rund 2 Millionen Euro. Der Kurs der wesentlich weniger stark gehandelten Aktienzertifikate stieg an der Frankfurter Börse um fast 8 Prozent.

          Daimler hatte am Freitag den Einstieg von Geely-Chairman Li Shufu mit einem Anteil von fast zehn Prozent bekanntgegeben. Li will sich am Montag in Stuttgart mit Spitzenvertretern von Daimler treffen.

          GEELY AUTO. HLDGS HD-,02

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          Kaum verändert zeigt sich dagegen der Kurs des langjährigen chinesischen Daimler-Partners BAIC. Gemeinsam mit diesem wollen die Stuttgarter ein neues Werk zur Produktion von Hybrid- und Elektroautos in der Volksrepublik bauen. Die Investition solle 11,9 Milliarden Yuan (1,52 Milliarden Euro) betragen. Das Werk werde verschiedene Modelle der Marke Mercedes produzieren.

          Daimler arbeitet bereits seit 2003 mit BAIC zusammen, im November 2013 stieg der Konzern mit zwölf Prozent bei BAIC (Beijing Automotiv Group) ein. China schreibt ab 2019 Quoten für Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb vor. Dann müssen die Hersteller im Land zehn Prozent ihrer Verkäufe mit sauberen Fahrzeugen machen. Berechnet wird die Quote mit einem komplexen Punktesystem.

          Wenig begeistert zeigen sich die Anleger hinsichtlich der Auswirkungen auf Daimler. Der Aktienkurs des Autobauers sinkt in einem fester tendierenden Markt um 1 Prozent. Händler wie Analysten verwiesen darauf, dass der Schritt zwar alles andere als überraschend sei, der Anteil von knapp 10 Prozent jedoch höher ausfalle als erwartet.

          DAIMLER

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          Die Analysten des Investmenthauses Bernstein stellen die Frage, was Geely den Stuttgartern bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen bieten könne, sie dies doch der zentrale Aspekt aus Sicht der Chinesen. Die Deutschen seien von der Nachricht "geschockt" gewesen, meinen die Analyst Robin Zhu und Max Warburton nach einem Gespräch mit einem Manager von Daimler in China. Das gelte auch für die meisten Investoren, mit denen sie gesprochen hätten. Der Einstieg sei auch mit Blick auf den Zeitpunkt überraschend, weil andere chinesische Investoren wie Wanda, HNA oder Anbang mittlerweile mit den Folgen exzessiver Investitionen im Ausland zu kämpfen hätten.

          Die Investmentbank Equinet sieht durch den Einstieg keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft. Möglicherweise öffne sich damit aber die Tür zu einer Allianz mit Geely bei Elektrofahrzeugen und im Bereich Autonomes Fahren.

          Daimler bekomme einen erfolgreichen und langfristig denkenden Aktionär, schreibt dagegen Analyst Philippe Houchois vom Analysehaus Jefferies, der sich überrascht zeigt. Zudem beantworte die Reaktion von Daimler nicht die Frage, was das Unternehmen im Vorfeld gewusst habe. "Wir denken, dass die Bundesregierung ein Interesse an allen Entwicklungen (bei Daimler) haben dürfte", so Houchois.

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