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Deutscher Impfstoffentwickler : Curevac steht kurz vor Börsengang

Curevac entwickelt einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Bild: dpa

Das Tübinger Unternehmen startet an diesem Freitag an der Nasdaq. Für Biotechunternehmen bietet die amerikanische Technologiebörse seit Jahren das attraktivere Umfeld.

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          Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac geht offenbar schon an diesem Freitag an die Nasdaq, wie aus Informationen der amerikanischen Technologiebörse hervorgeht. So heißt es in dem online abrufbaren Terminkalender der Nasdaq, dass am 14. August erstmals Curevac-Aktien öffentlich zum Verkauf angeboten werden sollen.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Zwar war schon länger bekannt, dass das Unternehmen an die Börse gehen würde, weitere Details waren jedoch erst Anfang der Woche mitgeteilt worden. So könnte der Impfstoff-Spezialist, der an einem Vakzin gegen das Coronavirus arbeitet, bis zu 245 Millionen Dollar über die Ausgabe von zunächst gut 13,3 Millionen Stammaktien einzusammeln. Zusätzlich soll Zeichnern eine Option von 30 Tagen zum Kauf von bis zu knapp zwei Millionen zusätzlicher Stammaktien gewährt werden. Der Ausgabepreis steht bislang noch nicht fest, die Preisspanne je Aktie soll aber zwischen 14 und 16 Dollar liegen.

          In Deutschland können Anleger beispielsweise über die Börse Stuttgart Curevac-Aktien kaufen. „Für Privatanleger hierzulande ist es in der Praxis nahezu unmöglich, über ihre Bank oder ihren Online-Broker an der Zeichnung teilzunehmen“, sagte Roland Hirschmüller, Leiter des Auslandsaktienhandels der Baader Bank an der Börse Stuttgart. Sobald aber an der Nasdaq ein erster Preis am Nachmittag deutscher Zeit feststehe, könne die Aktie bis zum amerikanischen Börsenschluss in Stuttgart gehandelt werden.

          Analysten und Banken in Amerika haben bessere Branchenkenntnis

          Dass sich das deutsche Biotech-Unternehmen als Börsenplatz dabei für die Nasdaq entschieden hat, ist nicht ungewöhnlich, im Gegenteil: Fünf der elf europäischen Biotech-Unternehmen, die im vergangenen Jahr an die Börse gegangen sind, haben die Nasdaq gewählt, darunter auch Curevacs Wettbewerber Biontech aus Mainz. „Die erneute Wahl der Nasdaq durch ein junges deutsches Unternehmen legt die mangelnde Attraktivität von Börsengängen in Deutschland schonungslos offen. Das muss sich dringend ändern“, sagte Christine Bortenlänger, die im Vorstand des Deutschen Aktieninstituts sitzt.

          Biotech-Branchenfachmann Siegfried Bialojan von der Unternehmensberatung EY sieht dafür drei Gründe: „Die durchschnittlichen Einnahmen bei einem Börsengang sind in Amerika deutlich höher“, sagt er und nennt als Beispiel Curevacs amerikanischen Konkurrenten Moderna, ebenfalls Spezialist für die genbasierte mRNA-Technologie. Die Amerikaner nahmen vor knapp zwei Jahren mehr als 600 Millionen Dollar ein.

          Über die Nasdaq Zugang zum amerikanischen Markt

          Das wiederum liege am Kapitalökosystem. „Sowohl die Analysten als auch die Investmentbanken haben Expertise, verstehen das Geschäft und haben eine Euphorie für diese Technologien“, sagt er. Schließlich gehe es in der Folge auch um weitere Kapitalerhöhungen und Finanzierungen, und die seien dort einfacher zu bekommen. Hierzulande hätten hingegen viele Banken ihre Analyseabteilungen abgebaut, die Expertise abgegeben. „Dieses Wissen lässt sich auch nicht so einfach zurückholen“, sagt er.

          Als dritten wichtigen Faktor sieht Bialojan zudem den Zugang zum wichtigen amerikanischen Markt. Über die dortige Börse habe man „eine ganz andere Visibilität“.

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