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Ticketverkäufer CTS Eventim : Die kleinste Großmacht an der Börse

Konzertkarten des Veranstalters Eventim Bild: dpa

CTS Eventim verkauft Konzerttickets. Kaum ein Musikfan kann der Firma entgehen. Gut für die Aktie, schlecht für die Konkurrenz.

          Wer an guter Unterhaltung interessiert ist, der bekommt es ständig mit CTS Eventim zu tun. Das Unternehmen beherrscht nicht nur den Ticketmarkt in Europa, sondern ist auch als Veranstalter von Konzerten und anderen Großveranstaltungen die Nummer eins. Ob Wagner-Opern oder Rockkonzerte von Rammstein, ob Festivals wie „Rock am Ring“ oder Shows à la „Holiday on Ice“, ob die bevorstehende Handball-Weltmeisterschaft oder die im März beginnende Tournee von Herbert Grönemeyer – alles läuft über CTS Eventim.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bis zu 8000 Shows im Jahr veranstaltet das Unternehmen, zum Teil an Stätten, die es selbst betreibt: beispielsweise in der Kölner Lanxess-Arena oder der Berliner Waldbühne. Mehr als eine Viertelmilliarde Eintrittskarten hat CTS Eventim 2017 über seine Online-Plattformen und 20.000 Vorverkaufsstellen vermarktet. 2018 war wohl abermals ein Rekordjahr in puncto Umsatz und Gewinn, wie Eventim-Gründer und Vorstandschef Klaus-Peter Schulenburg schon nach dem dritten Quartal in Aussicht gestellt hat.

          So prächtig das Geschäft in 23 Ländern läuft: Die Unterhaltungswelt ist CTS Eventim nicht mehr genug, jetzt stößt der Ticketverkäufer in eine neue Sphäre vor. Wenn alles so wird, wie es die Bundesregierung plant, dann kommen künftig auch Autofahrer nicht mehr an CTS Eventim vorbei. Das Unternehmen hat gerade mit dem österreichischen Telematikspezialisten Kapsch Traffic Com den Zuschlag für die Mauterhebung auf deutschen Autobahnen und Bundesstraßen bekommen. Das Konsortium soll Zahlstellen an den Straßen aufbauen sowie eine App und eine Internetseite entwickeln, damit Autofahrer aller Länder sich registrieren können. Die elektronische Vignette soll laut Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Oktober 2020 kommen, sofern die Maut nicht vom Europäischen Gerichtshof gestoppt wird.

          Alle Analysten positiv gestimmt

          Für CTS Eventim wäre der Auftrag des Bundes, der auf mindestens zwölf Jahre ausgerichtet und zwei Milliarden Euro schwer ist, eine weitere Verdienstmöglichkeit. Der Eventim-Gewinn, der 2017 bei 112 Millionen Euro lag und 2018 voraussichtlich um mehr als ein Zehntel höher liegen wird, könnte um fünf bis sechs Prozent steigen, schätzen Analysten. Vor allem kann das Unternehmen mit der Mauterhebung beweisen, dass es auf seiner Plattform wesentlich mehr kann als nur Eintrittskarten zu verkaufen. Angesichts des Wachstumspotentials ist es kein Wunder, dass sich CTS Eventim bei Anlegern nach dem Mautzuschlag zum Jahreswechsel einiger Beliebtheit erfreut.

          Seit dem Börsengang 2000 hat sich der Aktienkurs von CTS Eventim verzehnfacht. In den vergangenen Monaten hat er jedoch arg gelitten. Die Korrektur an den Börsen, vor allem bei technologielastigen Unternehmen, hat auch CTS Eventim in Mitleidenschaft gezogen. Seit dem Höchststand im Juni 2018 ist der Kurs um 23 Prozent gefallen. Was zur Folge hat, dass die Aktie günstiger geworden ist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 bleibt anspruchsvoll, erscheint für ein wachsendes Unternehmen aber gerechtfertigt.

          CTS EVENTIM

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          Obwohl CTS Eventim kürzlich aus dem M-Dax in den Kleinwerteindex S-Dax abgestiegen ist, sind alle acht Analysten, die sich mit dem Unternehmen beschäftigen, positiv gestimmt: Sieben raten zum Kaufen der Aktie, einer zum Halten. Ihr Zielkurs auf Sicht von zwölf Monaten liegt im Schnitt bei 42,58 Euro, das sind neun Euro mehr als derzeit.

          Schlecht für die Konkurrenz, gut für die Anleger

          Auch wenn CTS Eventim als Veranstalter von Liveshows am stärksten wächst und dieses Segment rund zwei Drittel des Umsatzes von etwas mehr als einer Milliarde Euro ausmacht, die größten Gewinne bringt der Firma der Verkauf von Eintrittskarten, ganz besonders im Netz. Hierzulande kommt CTS Eventim auf einen Online-Marktanteil von 75 Prozent, sagt Christian von Engelbrechten, Fondsmanager von Fidelity: „In Zukunft kann die Marktdurchdringung in Richtung 90 oder 100 Prozent gehen.“

          So viel Marktmacht ist dem Kartellamt nicht geheuer. Die Behörde hat CTS Eventim längst auf dem Kieker und im November 2017 die Übernahme der Konzertagentur Four Artists untersagt. Auch aus diesem Grund kauft CTS Eventim inzwischen zunehmend im Ausland ein. 2018 hat man zwei Veranstalter aus Italien und einen aus Spanien übernommen. Damit hat sich die Einkaufstour, durch die der Aufstieg von CTS Eventim vor Jahren so richtig begann, fortgesetzt: Mehr als 30 Unternehmen hat das Unternehmen übernommen.

          Selbst der stärkste Konkurrent Ticketmaster kommt nicht hinterher. „CTS Eventim ist extrem schwierig anzugreifen“, sagt Engelbrechten, der schon seit vielen Jahren auf das Unternehmen setzt. „Die Leute wissen, dass sie dort ihre Eintrittskarte bekommen. Und die Künstler wissen, dass sie ein Stadion füllen können, weil sie bei Eventim die meisten Menschen erreichen.“ Das mag schlecht sein für die Konkurrenz, aber gut für Anleger.

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