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Prozess in New York : Credit Suisse gewinnt Prozess um Devisenmanipulation

  • Aktualisiert am

Steht von einigen Seiten in der Kritik: die Credit Suisse Bild: Reuters

Das Schweizer Institut ist das einzige der 16 in der Klage zunächst genannten Banken, das sich gegen die Vorwürfe gewehrt hat. Andere, etwa die Deutsche Bank, hatten sich außergerichtlich geeinigt.

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          Die Credit Suisse Group AG hat eine Sammelklage wegen angeblicher Preisabsprachen auf dem Devisenmarkt gewonnen. Damit hat sich die Entscheidung der Schweizer Bank ausgezahlt, die Klage vor Gericht zu bekämpfen und einen Vergleich abzulehnen. Bis zu 19 Milliarden Dollar Schadenersatz hatten gedroht.

          Die Geschworenen fällten am Donnerstag in New York ihr Urteil zugunsten der Credit Suisse. Diese hatte bestritten, mit anderen Banken die Geld-Brief-Spannen bei Devisengeschäften festgesetzt und damit auf Kosten der Kunden profitiert zu haben. Sollte nicht erfolgreich Berufung eingelegt werden, wäre der größte Fall gegen die Credit Suisse im Zusammenhang mit ihrem Devisenhandel abgeschlossen.

          Die Credit Suisse ist die einzige der 16 in der ursprünglichen Klage genannten Banken, die sich seit Jahren dagegen wehrt. Die anderen, darunter Deutsche Bank AG, UBS Group AG, BNP Paribas SA, Citigroup Inc., Barclays Plc, JPMorgan Chase & Co., und HSBC Holdings Plc zahlten insgesamt 2,3 Milliarden Dollar für den Vergleich, einen der größten Vergleiche in der Geschichte des Kartellrechts.

          Prozesserfolg zu richtigen Zeit

          Pensionsfonds und andere Kunden aus dem Devisenhandel hatten als Gruppe geklagt und behauptet, Händler hätten von Ende 2007 bis 2013 regelmäßig Online-Chaträume genutzt, um Preise abzustimmen. „Die Credit Suisse ist äußerst erfreut, dass die Geschworenen mit uns darin übereinstimmten, dass die Klage unbegründet war”, teilte die Bank mit. Die Anwälte der Kläger gaben zunächst keine Stellungnahme ab.

          Vor dem Hintergrund der in kommenden Woche anstehenden Präsentation einer möglicherweise einschneidenden Neuaufstellung der Schweizer Traditionsbank kommt der Prozesserfolg nicht ungelegen. Am Montag hatte das Institut einen anderen Altfall durch Zahlung von 495 Millionen Dollar abgeschlossen. Dabei ging es um hypothekarisch besicherte Anleihen, jene Papiere die im Zentrum der Finanzkrise von 2008 standen. „Dies ist offensichtlich ein großartiges Ergebnis für die Credit Suisse in einer schwierigen Zeit für die Bank”, sagt Elliott Stein, ein Senior Litigation Analyst bei Bloomberg Intelligence. Die Credit Suisse hatte sich im Juli mit fast 1300 Wertpapierunternehmen und staatlichen Stellen geeinigt, die sich aus der Sammelklage zurückgezogen hatten. Die Bedingungen des Vergleichs wurden nicht bekannt gegeben.

          Laut Berechnungen von Bloomberg Intelligence drohte der Credit Suisse eine Haftung in Höhe von 19 Milliarden Dollar, da bei Preisabsprachen die Möglichkeit eines dreifachen Schadenersatzes gegeben ist. Die US-Bezirksrichterin Lorna Schofield beschränkte das Verfahren jedoch auf zwei Fragen: Gab es eine Verschwörung zur Festsetzung der Preisspannen, und wenn ja, hat die Credit Suisse wissentlich daran teilgenommen?

          „Von Sprache nicht beeinflussen lassen“

          Die Geschworenen waren sich einig, dass es die Verschwörung gab, befanden aber, dass die Kläger die Teilnahme der Credit Suisse daran nicht beweisen konnten. Im Mittelpunkt des Prozesses, der vor zehn Tagen begonnen hatte, standen mehr als 2500 Online-Chats zwischen Händlern, in denen sie neben Informationen über Handelsspannen auch Nachrichten, Klatsch und anzügliche Witze austauschten. Zeugen der Credit Suisse sagten aus, dass die Chatrooms für den Austausch von Marktinformationen nützlich waren. Der Devisenhandel erreichte in der fraglichen Zeit ein Volumen von bis zu 5,3 Billionen Dollar am Tag.

          Die Geschworenen studierten Protokolle aus Chatrooms mit Namen wie „The Cartel”, „The Bandits‘ Club” und „The Mafia”. Die Credit Suisse tat problematische Äußerungen in den Chats als Angeberei oder Scherz ab. Die Richterin warnte die Geschworenen, sich nicht von der „bildhaften Sprache, der groben, unsensiblen und erniedrigenden Sprache” in den Chats beeinflussen zu lassen.

          Die vorprozessualen Entscheidungen der Richterin hatten das Prozessrisiko für die Credit Suisse laut Berechnungen von Bloomberg Intelligence schon auf rund 200 Millionen Dollar gesenkt. Die Experten der Credit Suisse erklärten den Geschworenen, der Devisenmarkt sei zu groß, um von einer kleinen Anzahl von Händlern in Online-Chatrooms manipuliert zu werden. Die Bank habe vor allem Marktanteile gewinnen wollen, weswegen Preisabsprachen widersinnig gewesen wären. Ihre Händler hätten im Gegenteil versucht, die Konkurrenz preislich zu unterbieten, sagten Zeugen der Bank.

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