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Corona-Krise : Zinssenkung der Fed zeigt wenig Wirkung

  • -Aktualisiert am

Händler verfolgen das Marktgeschehen auf dem Parkett der New Yorker Börse. Bild: AP

Amerikas Notenbank versucht die Folgen des Coronavirus einzudämmen und ihrer Führungsrolle im Finanzsystem gerecht zu werden.

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          Die überraschende Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve am Dienstag war drastisch. Die Währungshüter wollten damit die sich abzeichnenden wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie abfedern und gleichzeitig die Aktienmärkte beruhigen. Der Schuss ging an der Börse zunächst einmal nach hinten los. Der Dow Jones schloss am Dienstag fast 3 Prozent tiefer. Am Mittwoch zeigen sich Europas Börsen wie auch die Wall Street wieder fester. Doch die Unsicherheit am Markt bleibt nach der ersten Notfall-Zinsentscheidung seit der weltweiten Finanzkrise 2008, die die Fed außerhalb einer turnusmäßigen Sitzung gefällt hatte.

          Anleger noch besorgter

          Eine Zinssenkung ist gewöhnlich ein starkes Signal für die Märkte, mit dem Kursgewinne sofort einhergehen. Dieses Mal nur bedingt. Vielmehr befeuerte die Maßnahme der Notenbank eher die Sorgen vieler Anleger vor noch Schlimmerem als diese zu beruhigen. Mit der Zinssenkung habe die Notenbank zwar überraschend schnell auf das Coronavirus reagiert, kommentierte die Schweizer Bank Credit Suisse. Erweise sich das Virus aber als hartnäckig, dürfte dieser Schritt für eine Stützung der Wirtschaft nicht ausreichen. Die Rufe nach weiteren Maßnahmen der Fed dürften dann lauter werden.

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          Marktexperten gehen davon aus, dass die amerikanische Notenbank in naher Zukunft weiter aktiv sein wird. An vorderster Stelle steht Amerikas Präsident Donald Trump. Er forderte die Fed per Twitter zu weiteren Zinsschritten auf. Aus seiner Sicht nur allzu verständlich. Es ist Präsidentschaftswahl im November und als amtierender Präsident lässt es sich nicht so gut Wahlkampf machen mit einer Wachstumsdelle wegen eines Coronavirus. Für Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner ist es nicht überraschend, dass die Fed handelt. „Sie übernimmt damit wieder ihre gewohnte Rolle als Flaggschiff im Geleitzug der globalen Zentralbanken.“

          Sollte das Coronavirus ein ähnliches großes globales Wirtschaftsrisiko wie die letzte Finanzkrise sein und die Warnungen der OECD damit Realität werden, könnte es ähnlich wie 2008 zu einer geschlossenen Aktion der Notenbanken weltweit kommen. In der Vergangenheit haben diese deutliche Signale gesetzt: Die Notenbanken demonstrierten, dass sie handlungsfähig sind. 

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          Fed mit größtem Spielraum

          Den größten Spielraum sehen Ökonomen bei der Fed: „Grundsätzlich haben China und Amerika auch noch Zinssenkungspotenzial und nutzen es auch konsequent“, so die Einschätzung von Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

          „Damit wirkt die Fed auch einem zu starken Dollar entgegen, der umgekehrt zu Währungsschwächen in den für die Weltwirtschaft immer bedeutender werdenden Schwellenländern und insofern dort zu einer investitionsfeindlichen Kapitalflucht nach Amerika führt.“ Anders sieht es in Europa aus, so Halver weiter. Das Zinspulver der EZB sei zwar verschossen, doch werde sie sich jeder auch noch so kleinen Finanzkrise entgegenstellen, die man als Zusatzbelastung jetzt überhaupt nicht gebrauchen kann. „Sollten also Staatspapiere von Schuldnerländern und Unternehmensanleihen aus Bonitätsgründen oder Banken wegen höherer Kreditausfallrisiken in die Bredouille kommen, wird die EZB massiv eingreifen“, ergänzt Halver weiter.

          Commerzbank-Chefvolkwirt Jörg Krämer rechnet damit, dass die EZB ihre Geldpolitik vermutlich in ihrer Sitzung in der kommenden Woche (12. März) lockern wird. „Nicht zuletzt wissen die Notenbanken, dass jede Störung an den Finanzmärkten die viral bereits gehandicapte Wirtschaftsstimmung noch mehr torpedieren würde“, so Halver.

          Geldpolitik wenig hilfreich

          Der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstitus DIW, Marcel Fratzscher hält dagegen die Einflussmöglichkeiten der Geldpolitik für begrenzt: „Anders als in der globalen Finanzkrise werden die Zentralbanken bei der Bekämpfung des wirtschaftlichen Schadens durch das Coronavirus nur wenig helfen können. Denn das größte wirtschaftliche Problem ist ein Zusammenbrechen der globalen Wertschöpfungsketten und das fehlende Vertrauen von Konsumenten."

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