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Kursrutsch : Coronavirus verschreckt die Börsen

Schutz vor dem Coronavirus in Hongkong Bild: Reuters

Wegen der Angst vor einer Pandemie schalten Anleger in den Krisenmodus um: Aktienkurse stürzen ab, gefragt sind Gold und Anleihen.

          3 Min.

          Das Coronavirus und seine Ausbreitung bis nach Italien bereitet Anlegern große Sorge. Am Montag stürzten die Aktienkurse zunächst in Asien ab, dort vor allem an der südkoreanischen Börse in Seoul. Im Anschluss schalteten auch die Anleger in Europa in den Krisenmodus: Im besonders betroffenen Italien gab an der Börse in Mailand der Leitindex um 5,6 Prozent nach. Der deutsche Aktienindex Dax büßte 4,3 Prozent auf 12.997 Punkte ein. Daran änderte auch der besser als erwartet ausgefallene Ifo-Index für das Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft nichts.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Börsen an der New Yorker Wall Street lagen zur Eröffnung ebenfalls deutlich schwächer: Der Dow-Jones-Index gab um fast 1000 Punkte oder 3,4 Prozent auf 27.995 Punkte nach.

          Deutlich unter Druck standen in Frankfurt die Titel der Lufthansa, deren Kurs um 8,8 Prozent einbrach. Dahinter folgte die Aktie des Autokonzerns Daimler, die 6,8 Prozent an Wert verlor.

          Der Titel der Deutschen Bank verbilligte sich um 6,2 Prozent. Auch andere Bankenwerte verloren deutlich an Wert, weil die durch das Virus zu erwartenden Wachstumseinbußen die Nachfrage nach Bankdienstleistungen dämpfen können. Der Aktienkurs der Deutschen Pfandbriefbank, des Nachfolgeinstituts der abgewickelten Krisenbank Hypo Real Estate, fiel zeitweise um 9 Prozent, während der Kurs für den Anteilsschein der italienischen Intesa San Paolo um 5,8 Prozent nachgab.

          DAX ®

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          Auch die Titel der französischen Luxusgüterhersteller Kering (minus 5,5 Prozent) und LVMH (minus 4,4 Prozent) standen auf der Verkaufsliste. Die Kursverluste zogen sich durch den gesamten Aktienmarkt, Kursgewinner waren am Montag fast gar nicht auszumachen. Unter den 30 Titeln aus dem Dax und den 60 M-Dax-Aktien hielt sich einzig der Aktienkurs des Leuchtmittelherstellers Osram knapp im Plus.

          Der Krisenmodus spiegelt sich auch in der Flucht der Anleger in die sicheren Häfen Gold und Staatsanleihen wider. Der Preis für das Edelmetall verteuerte sich um mehr als 2 Prozent bis auf 1691,70 Dollar. Die Nachfrage nach Bundesanleihen trieb deren Kurse, und ihre Renditen noch tiefer in den negativen Bereich. Auch die Rendite der 30-jährigen Anleihe trug wieder ein negatives Vorzeichen und fiel bis auf minus 0,0457 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ging auf minus 0,5 Prozent zurück. Am Montag lagen sämtliche Renditen der Bundesanleihen im negativen Bereich.

          Auch andere Staatsanleihen waren gefragt. Die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Schatzanweisungen lag mit 1,386 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit 2016. Die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihe der Vereinigten Staaten ist in diesem Jahr schon um einen halben Prozentpunkt gefallen. Mit 1,83 Prozent befand sie sich am Montag auf einem Rekordtief.

          Einzig die Staatsanleihen Italiens wurden wegen der Ausbreitung des Coronavirus, der auch Covid-19 genannt wird, verkauft. Entsprechend stieg die zehnjährige Rendite auf 0,933 Prozent. Als sicherer Hafen dient Anlegern auch der Schweizer Franken. Er stieg zu seiner wichtigsten Exportwährung Euro auf den höchsten Stand seit mehr als viereinhalb Jahren. Die Gemeinschaftswährung kostete mit 1,0604 Franken so wenig wie zuletzt im Juli 2015.

          Gold

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          Skeptisch beurteilt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, die weiteren Aussichten. Er warnt vor einem vorschnellen Vergleich mit der starken Aktienmarkterholung nach der Sars-Krise im Jahr 2003. Dass die Ausbreitung der Krankheit rasch eingedämmt werden könne, sieht er kritisch. Während die Rate der Neuerkrankungen in China weiterhin rückläufig sei, werde ein sprunghafter Anstieg von Infektionen aus Südkorea sowie Italien gemeldet. „Bevor wir von unserer vorsichtigen kurzfristigen Einschätzung abrücken, würden wir gerne etwas mehr Evidenz sehen, dass es gelingt, die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen“, erklärte Kreuzkamp.

          Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, der Fondsgesellschaft der Sparkassengruppe, erkennt eine neue Sichtweise: Bislang hätten sich die Börsen immer noch auf die These von der Erholung der Weltwirtschaft gestützt und durch die Beeinträchtigungen aus China hindurchgeblickt. Diese These wird nach den Worten Katers jetzt auf den Prüfstand gestellt. Mit dem Aufkommen des Coronavirus habe die weltwirtschaftliche Erholung zumindest im ersten Quartal nicht stattgefunden und die jüngsten Entwicklungen in der Ausbreitung hätten die konjunkturellen Risiken weiter deutlich erhöht.

          Diese Risiken erstreckten sich zunehmend auf das zweite Quartal, erwartet Kater. Bis dahin gebe es steigende Probleme mit den Lieferketten, denn die Vorleistungs-Lager der Produzenten leerten sich rapide. Eine Beruhigung der Lage und damit eine wirtschaftliche Erholung sei jedoch weiterhin die verbreitete Erwartung. Die schwierigste Aufgabe an den Aktienmärkten liegt für Kater nun darin, den Zeitpunkt einer solchen Erholungsbewegung richtig einzuschätzen. „Vermutlich wird sich die Lage nicht so schnell klären“, fügt er hinzu.

          Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, sieht eine neue Eskalationsstufe: Mit der stärkeren Ausbreitung von Covid-19 auf andere Länder wie Südkorea und Italien habe die Epidemie eine neue Dimension erreicht, sagt Michael Herzum, Leiter Macro & Strategy von Union Investment. Wenn sich das Virus in diesen Ländern nicht eindämmen lasse, dann dürften die konjunkturellen Bremsspuren auch dort sichtbar werden.

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