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Aktienmarkt : Panik in Australien

Woolworths in Sydney macht jetzt schon um 20 Uhr dicht. Bild: Reuters

Reisewerte verlieren bis zu 30 Prozent, Immobilienwerte mehr als 20 Prozent. Woolworth schließt die Läden früher, weil Panikkäufer die Regale leer räumen.

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          Einmal mehr gab der Aktienmarkt in Sydney am Montagmorgen die Richtung vor: Mit einem Minus von 9,7 Prozent fiel er an einem einzigen Handelstag so schnell, wie zuletzt während der Weltfinanzkrise 1987. Einzige Bereiche waren besonders betroffen, so etwa die in Australien heiß gelaufenen Immobilienwerte, deren Kurse am Montag um 19,3 Prozent nachgaben.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Kurse der Finanzaktien, geprägt von den vier Großbanken, die mit den Mini-Zinsen kämpfen, büßten fast 16 Prozent ein. Am meisten aber litten die Industriewerte mit einem Verlust von 21 Prozent. Der S&P/ASX-Index endete bei 5002 Punkten. 162 Milliarden Australische Dollar (90 Milliarden Euro) wurden innerhalb eines Handelstages vernichtet.

          Hinter dem abermaligen extremen Verlust stehen drei Entwicklungen: die nächtliche Zinssenkung in Amerika, die den Anlegern einmal mehr den Ernst der Lage verdeutlichte. Hinzu kommen Zahlen über eine katastrophale Wirtschaftsentwicklung in China, von dem Australien abhängig ist. Damit sinkt die Nachfrage, es sinken aber auch die Gehälter. Chinesen kaufen Immobilien in Australien, schicken ihre Kinder auf australische Universitäten und machen hier Urlaub.

          Einigeln

          Vor allem aber kaufen sie Kohle, Koks Kupfer und Eisenerz, sowie Milch und Fleisch vom Fünften Kontinent. Hinter all diesem steht ein immer größeres Fragezeichen, wenn sich das Wachstum und damit die Nachfrage in China abschwächt. Schließlich kam am Montag auch noch hausgemachte Faktor des weitgehenden Einigelns Australiens hinzu: Die Regierung unter Ministerpräsident Scott Morrison verlangt nun von allen Einreisenden eine Selbst-Quarantäne über zwei Wochen.

          Wie dies praktisch funktionieren soll, ist vollkommen offen. Heimkehrende Australier dürfen zwar die Weiterreise bis nach Hause antreten, unklar aber ist, wie sich etwa Touristen in Hotels, die sie nun wesentlich länger buchen müssen, ernähren sollen, dürfen sie ihre Zimmer nicht verlassen. Eines indes ist klar: Spätestens mit dieser Schutzmaßnahme wird die australische Volkswirtschaft hart getroffen werden, weil nun auch das Einzelhandelsgeschäft wegschmelzen wird.  

          Natürlich litten insbesondere die Papiere von Reiseunternehmen, die am Montag teilweise bis zu 30 Prozent ihres Wertes abgaben. Aber auch Bodenschätze, Banken, Medien und Einzelhandel wurden verkauft. Wie schwer es der Handel berührt ist, verdeutlicht das absurd anmutende Beispiel der Supermarktkette Woolworth: Sie erklärte, ihre 995 Läden in Australien nun täglich um acht Uhr abends statt wie üblich um zehn zu schließen, weil vieles ausverkauft sei.

          So setzt Woolworth aufgrund der irrationalen Panikkäufe der Verbrauchter täglich so viel Toilettenpapier ab, wie normalerweise an sieben Tagen. Bis auf weiteres sollen nun Pensionäre und Bedürftige eigene Öffnungszeiten wahrnehmen dürfen, um nicht mit anderen Käufern konkurrieren zu müssen.

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