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Anleger in Angst : Europäische Zentralbank erhöht Wertpapierkäufe

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Sieht sich mit massiven Börsenturbulenzen und unterbrochenen Lieferketten bei Unternehmen konfrontiert: EZB-Chefin Christine Lagarde Bild: dpa

Nur drei Tage nach dem „Schwarzen Montag“ fallen die Aktienkurse abermals stark. Die europäischen Währungshüter reagieren nun auf die Folgen der Coronavirus-Pandemie mit mehreren Maßnahmen.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert auf das sich zunehmend ausbreitende Coronavirus. Die Währungshüter beschlossen auf ihrer Sitzung in Frankfurt, bis zum Jahresende zusätzlich 120 Milliarden Euro für Wertpapierkäufe auszugeben. Zudem sollen besonders günstige Kredite Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben und so besonders betroffene Branchen und Unternehmen zu unterstützen. Das soll vor allem kleinen und mittelgroßen Firmen helfen.

          Die Leitzinsen ließen die Notenbanker um EZB-Präsidentin Christine Lagarde hingegen unverändert auf Rekordtiefs. Geschäftsbanken müssen also weiterhin 0,5 Prozent Zinsen zahlen auf die Mittel, die sie auf ihren Notenbankkonten halten. Im Vorfeld hatten Fachleute spekuliert, die EZB könnte diesen Zinssatz ein weiteres Mal senken.

          Angesichts andauernder Börsenturbulenzen und zunehmend unterbrochener Lieferketten stand EZB-Präsidentin Lagarde vor ihrer bislang schwierigsten Aufgabe: Die Angst davor, dass sich das Coronavirus weiter  rund um die Welt schnell ausbreitet, hält die Anleger fest im Griff. Der deutsche Standardwerteindex Dax startete am Donnerstag mit minus 6 Prozent in den Handel und fiel damit unter die Marke von 10.000 Punkten, im Handelsverlauf erhöhte sich der Rückgang bis auf 8 Prozent.

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          Überdurchschnittlich stark verminderte sich der Börsenwert der Lufthansa um beinahe 12 Prozent. Der Aktienkurs der Deutschen Bank fiel um mehr als 8 Prozent und damit den niedrigsten Stand aller Zeiten; insgesamt halten die Anleger Deutschlands größtes Geldhaus damit noch für ungefähr 11 Milliarden Euro wert. Die Anteile an den Automobilherstellern Volkswagen und Daimler, dem Zulieferer Continental oder dem Energieunternehmen RWE verbilligten sich ebenfalls im Handelsverlauf um 8 bis 10 Prozent.

          Auch der Ölpreis sank abermals – ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostete 4 Prozent weniger als am Tag zuvor. Der Euro wertete hingegen leicht gegenüber dem Dollar auf und bestätigt damit den Trend seitdem sich das Coronavirus gerade auch außerhalb Chinas ausbreitet und immer mehr Unternehmen dazu zwingt, das eigene Geschäft einzuschränken. Kurverluste erlitten hingegen italienische Staatsanleihen, deren Rendite sich erhöhte.

          Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Folgen der Coronavirusausbreitung mittlerweile als Pandemie ein. Der amerikanische Präsident Donald Trump kündigte am Mittwochabend an, dass Europäer aus dem Schengenraum vorübergehend nicht in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen.

          In nicht einmal einer Handelswoche hat der Dax nun schon 16 Prozent eingebüßt, seit Mitte Februar sogar schon ungefähr 40 Prozent. Das keine vier Wochen zurückliegende Rekordhoch von knapp unter 13.800 Punkten ist heute wieder weit entfernt.

          Wegen der Viruskrise hatten andere Zentralbanken bereits ihre Geldpolitik deutlich gelockert. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve und die Bank von England senkten außerplanmäßig ihre Leitzinsen um jeweils einen halben Prozentpunkt.

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