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Corona-Krise : Wie die Banken jetzt Hilfskredite vergeben

  • -Aktualisiert am

Leere Plätze: Wie hier in Frankfurt haben viele Betriebe geschlossen - was sich negativ auf die Liquidität auswirkt. Bild: Wolfgang Eilmes

Bei den Instituten türmen sich die Anträge auf Hilfskredite. Viele fahren Sonderschichten im Firmenkundengeschäft. Doch entscheidende Fragen zu den Förderungen sind offen.

          3 Min.

          Vor dem 23. März war Marcus Thiel ein bisschen bange. An dem Montag vor einer Woche wurden die Hilfsprogramme der staatlichen Förderbank KfW für coronageschädigte Unternehmen freigeschaltet. Schon in der Woche davor waren mehr als 10.000 Anfragen von betroffenen Firmenkunden dazu bei der Deutschen Bank eingegangen. Thiel ist in der Bank für die Vergabe von Fördermitteln zuständig. Einen solchen Informationsbedarf der Unternehmen hatte er noch nie zuvor erlebt. Die Zahl der konkreten Anträge auf Nothilfen blieben dann allerdings doch hinter seinen Befürchtungen zurück – zumindest in den ersten Tagen des Hilfsprogramms. „Die Systeme haben gehalten und die Prozesse funktionieren“, sagt Thiel mit einiger Erleichterung.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Viel zu tun gibt es trotzdem. Die größte deutsche Bank hat einen großen Teil ihres Firmenkundengeschäfts nun nur auf die Vergabe der Förderkredite umgestellt. Corona hat viele Aufgaben, die sonst anfallen, hinfällig gemacht – viele Mitarbeiter aus anderen Abteilungen arbeiten sich jetzt durch die Anträge nach Hilfskrediten. Eine mittlere Tausenderzahl von konkreten Kreditanträgen habe die Bank bislang an KfW weitergeleitet, sagt Thiel, und rechnet noch mit deutlich mehr. „Nachdem die Kunden die vergangene Woche dazu genutzt haben, sich zu informieren, sehen wir nun eine sich aufbauende Welle von Anträgen auf uns zukommen.“

          Nicht nur in der Deutschen Bank, in allen Geldhäusern des Landes läuft im Moment die Hilfsmaschinerie an. „Bei uns nimmt die Zahl der Hilfsanträge tagtäglich zu“, sagt auch Matthias Hümpfner, Bereichsleiter Investitionsförderung DZ-Bank. Das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken hat sich vorsorglich vom Sozialministerium die Genehmigung geben lassen, in den nächsten Monaten die entsprechenden Mitarbeiter auch Sonntags arbeiten zu lassen. Auch viele Volksbanken hätten derzeit Wochenendarbeit eingeführt, berichtet ein Sprecher des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken. „Unseren Banken liegt eine Vielzahl von Anfragen zum KfW-Coronakreditprogramm vor“, sagt er weiter, und versichert: „Alle Banken wollen ihren Kunden helfen. Viele haben trotz Pandemie und eigenen Schutzmaßnahmen spezielle Taskforces aufgestellt, um die vielen Anfragen zügig beantworten zu können.“

          Ziel: Keine Insolvenzen, keine Entlassungen

          Die Aufgabe ist riesig. Nie zuvor sind in Deutschland so große Hilfspakete für die Wirtschaft geschnürt worden. Die Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus treffen so gut wie jedes Unternehmen, vom kleinen Kiosk bis zum Dax-Konzern. Die Politik hat sich zum Ziel gesetzt, dass möglichst kein Unternehmen wegen der Virusbekämpfung in die Insolvenz gehen oder auch nur Mitarbeiter entlassen muss. Doch diese Versprechen in die Tat umzusetzen, ist eine Mammutaufgabe – dass jedem Unternehmen auf seine individuelle Weise geholfen werden kann, daran hegen viele ihre Zweifel.

          Vor allem, wenn es um die Vergabe von Krediten geht, müssen die Banken wohl oder übel ihre herkömmlichen Bonitäts- und Risikoprüfungen machen, auch wenn der Staat ihnen über die KfW bis zu 90 Prozent des Ausfallrisikos abnimmt. Die Voraussetzungen für solche Prüfungen sind aber freilich denkbar schlecht. Wie bewertet man die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmen, dem von heute auf morgen alle Einnahmen weggebrochen sind und bei dem niemand weiß, wann es wieder zu einer Normalisierung kommt?

          Die KfW hat den Bewertungsrahmen zum Risiko eines Kreditausfalls schon weit herabgesetzt. Entscheidend ist nun zum einen, wie stabil die Bilanz eines Unternehmens zum Stichtag 31. Dezember 2019 war und wie sie zum Zeitpunkt der Antragstellung aussieht. Um den künftigen Geschäftsverlauf einzuschätzen, gehen die Banken zunächst von einem noch einige Wochen anhaltenden Lock-Down aus und von einer langsamen Normalisierung zum Jahresende hin. Doch die Parameter ändern sich ständig.

          Sowohl Thiel von der Deutschen Bank als auch Hümpfner von der DZ-Bank loben die KfW für ihre Schnelligkeit und ihre Flexibilität. „Die Zusammenarbeit und der Austausch mit der KfW laufen hervorragend“, sagt Thiel. „Das ist ein sehr dynamischer Prozess, der laufend angepasst wird.“ Während von vielen Verbänden derzeit Nachbesserungen gefordert werden, zeigen sich die beiden Männer der Praxis vergleichsweise entspannt. „Wir haben Verständnis dafür, dass die Kunden verzweifelt sind, weil plötzlich Einnahmen weggebrochen sind. Aber jenseits der Emotionalität arbeiten wir alle sehr konzentriert daran, Lösungen für die Kunden zu finden“, sagt Hümpfner.

          Tilgungsstundungen und Sofortkredite

          So hätten viele Banken ihren Kunden zunächst die Möglichkeit gewährt, die Tilgung schon bestehender Kredite zu stunden. Allein in seinem Geschäftsfeld seien es 50 bis 60 Mal so viele Tilgungsstundungen gewesen wie in normalen Zeiten. Das habe viel Liquidität bei den Unternehmen belassen. Außerdem nennt Hümpfner ein Sofortkreditprogramm des DZ-Bank-Tochterunternehmens VR Smart Finanz als Beispiel, das auch solchen Unternehmen kurzfristig mit bis zu 100.000 Euro helfen soll, die bislang noch keine Kredite bei einer Bank aufnehmen mussten. Für die sind die KfW-Kredite nämlich kaum zugänglich. Vor allem aus der Gastronomie kommen derzeit viele Klagen. Viele Unternehmer haben sich hier in der Vergangenheit eher über Brauereikredite finanziert – Banken sind die Ausfallraten in dem Gewerbe meistens zu hoch.

          Bis zum Dienstagabend waren bei der KfW nach eigenen Angaben rund 1.800 Kreditanträge über insgesamt knapp 9 Milliarden Euro eingegangen. Thiel und Hümpfner rechnen damit, dass diese Zahl in den nächsten Wochen noch deutlich zunehmen wird. Denn bislang habe es noch sehr viele technische Details zu den Hilfsprogrammen gegeben. Eine gute Nachricht hat die Förderbank unter den Banken nun schon einmal verbreitet. Hatte es bislang geheißen, aus technischen Gründen könne das Geld von der KfW erst vom 14. April an fließen, so soll es nun doch schon am nächsten Montag so weit sein.

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