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Virusvariante an den Börsen : BioNTech stark im Plus, Lufthansa verliert heftig

Eine Aktienhändlerin blickt im Handelssaal der Frankfurter Börse auf ihre Monitore. Bild: dpa

Die Anleger fürchten nach der Entdeckung der Virusvariante einen neuen Lockdown. Die Luftfahrtbranche und die Banken sind die großen Verlierer. Impfstoffhersteller und Digitalunternehmen profitieren.

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          Die Börsenwoche endete am Freitag mit einem ordentlichen Rücksetzer. Schon die Vorgaben aus Asien hatten darauf hingedeutet, wohin die Reise auch in Europa und in den USA gehen würde: abwärts. Der deutsche Leitindex Dax brach direkt zum Handelsstart um gut 3 Prozent auf 15 376 Punkte ein.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Die Nachrichten rund um die neue Corona-Virusvariante aus Südafrika sorgte bei den Anlegern für große Verunsicherung. Im Tagesverlauf wurde bekannt, dass sie offensichtlich schon in Belgien aufgetaucht ist. Schon vor den Virus-Nachrichten war über neuerliche Lockdowns spekuliert worden, die über Geimpfte und Ungeimpfte gleichermaßen verhängt werden könnten. RKI-Chef Lothar Wieler und der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatten gesagt, dass Impfungen allein die vierte Welle nicht werden brechen könnten.

          Branche sah sich im Aufwind

          Besonders hart war an der Börse die Luftfahrt getroffen. Die Aktie der Deutschen Lufthansa war mit einem Kursrutsch um zwischenzeitlich 12 Prozent der größte Verlierer im M-Dax. Danach folgten die Papiere des Flughafenkonzerns Fraport, die mehr als 9 Prozent an Wert verloren. Die Tatsache, dass Deutschland Südafrika als Virusvariantengebiet einstufte, bedeutete, dass Heimkehrer – auch Geimpfte – für 14 Tage in Quarantäne müssen. Airlines dürfen nur noch deutsche Staatsbürger in die Bundesrepublik befördern.

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          Andere Länder wie Großbritannien und Frankreich unterbrachen den Flugverkehr nach Südafrika zunächst. Air France-KLM und der British-Airways-Mutterkonzerns IAG verzeichneten kräftige Kursverluste, die Papiere des Billigfliegers Ryanair befanden sich ebenfalls im Abwärtsstrudel, obwohl die Iren gar keine Langstreckenflüge anbieten.

          Die Einbußen im Südafrikaverkehr sind für Unternehmen insgesamt zwar gering. Analysten sehen die wahre Bewährungsprobe erst bevorstehen, da sich Airlines auf einen schwächeren Winter eingestellt hätten. Entscheidend werde eher sein, wie schnell sich das Buchungsgeschehen 2022 belebe. Anleger fürchten derweil, dass sich die Virusvariante schnell ausbreitet. Zuletzt hatte sich die Branche im Aufwind gesehen, nachdem die USA Einreisebeschränkungen für geimpfte Europäer aufgehoben hatten.

          Impfstoffhersteller gewinnen stark

          Während die Luftfahrtaktien und auch Banken zu den großen Verlierern gehörten, gab es aber durchaus auch Gewinner. Bei Anbietern von Coronavirus-Impfstoffen griffen Investoren beherzt zu.

          BIONTECH SE SPON. ADRS 1

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          So stiegen Aktien der deutschen Biotechfirma BioNTech zeitweise um fast 16 Prozent. In den USA gewannen die Titel des Entwicklungspartners Pfizer kräftig. Auch die Kurse der Konkurrenten Moderna und Novavax legten zu. Die Aktien des Pharmakonzerns Merck & Co, der wie Pfizer ein Medikament zur Behandlung von Corona-Patienten anbietet, gehörten ebenfalls zu den Gewinnern.

          In Deutschland lagen zudem die üblichen Werte aus Lockdown-Zeiten im Plus. Der Kurs des Softwareanbieters Teamviewer legte genauso zu wie der des Essenslieferanten Delivery Hero oder der Internetapotheke Shop Apotheke.

          Lufthansa fliegt weiter

          Wie groß in der Luftfahrtbranche die Angst vor einem Dämpfer ist, zeigt sich auch daran, dass die Lufthansa-Aktie schon wieder mehr als 40 Prozent unter dem Höchststand dieses Jahres notiert. Der Konzern ist daher um Schadensbegrenzung bemüht: „Lufthansa fliegt weiterhin nach Südafrika, auch um Deutsche nach Hause zu befördern und Fracht zu transportieren“, heißt es. 17 Mal in der Woche geht es von Frankfurt oder München nach Südafrika, neunmal aus der Schweiz. Dazu kommen fünf Flüge der Marke Eurowings Discover ins benachbarte Namibia. Gestrichen wurde noch keiner.

          LUFTHANSA

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          Lufthansa dürfte darauf setzen, dass der Konzern aktuell Monopolist mit Direktflügen zwischen der Mitte Europas und dem Süden Afrikas ist. Deutsche Passagiere, die etwa mit British Airways über London heimkehren wollten, könnten wegen der dortigen Streichungen kurzfristig zur Lufthansa wechseln.

          Am Beginn der Pandemie 2020 hatten europäische Airlines die meisten Langstreckenflüge eingestellt. Heimkehrer fanden Alternativen unter anderem bei Qatar Airways, die über ihr Drehkreuz in Doha Rückkehrer-Linienflüge abwickelte. Das soll sich wohl nicht wiederholen. Außerdem sind Laderäume im Unterdeck wegen der Engpässe im Frachtschiffverkehr aktuell gut gefüllt.

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