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Corona-Krise : Umbruch auch für Private Equity

Das große Engagement der Yale-Universität in Private Equity könnte in der Corona-Krise für diese zum Problem werden. Bild: AP

Der Markt für Private Equity steht still. Alle warten ab, was die Bilanzen für die Corona-Zeit bringen. Dann winken aber Gelegenheiten für Käufer - und harte Zeiten für andere. Auch für Amerikas Universitäten soll es nicht leicht sein.

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          Die Auswirkungen der Corona-Krise sind nicht nur an den Aktien- und Anleihemärkten oder am Ölmarkt zu spüren. Auch der weitaus weniger liquide Private-Equity-Bereich wird diese in den kommenden Monaten zu spüren bekommen, meint der Schweizer Vermögensverwalter Unigestion.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon vor der Covid-19-Krise habe man einen übermäßigen Einsatz von Fremdkapital sowohl bei Fonds als auch bei Sekundärmarktinvestoren beobachten können. Diese hätten versucht, in einem Umfeld hoher Kaufpreise auf diese Weise die Renditen zu steigern. Die starken Zuflüsse in die Anlageklasse hätten die Anleger dazu gebracht, „ihre Wachsamkeit zu verringern“, meinen Christian Böhler und Christiaan van der Kam, die bei Unigestion den Sekundärmarktbereich leiten.

          Amerikanische Universitäten unter Druck

          Einige der großen Pensionsfonds, Finanzorganisationen, Versicherungen, Staatsfonds und vermögende Privatkunden hätten sich übermäßig aggressiv engagiert. Aber auch Sekundärfonds und Fondsmanager könnten in den kommenden Monaten Kapital zur Unterstützung ihrer Portfoliounternehmen benötigen.

          Aus dem Markt höre man, dass wohl die Stiftungsfonds der amerikanischen Universitäten die ersten Verkäufer sein werden, weil ihnen die zahlenden Studenten aus dem Ausland und andere Einnahmen fehlten, sagt Private-Equity-Berater Detlef Mackewicz. Die meisten potentiellen Verkäufer warteten allerdings die entsprechenden Quartalsberichte ab. „Im Moment steht der Markt fast still“, sagt Mackewicz. Vor September rechnet er nicht mit Transaktionen.

          Druck auf verschuldete Sekundärmarktkäufer

          Unigestion rechnet zu diesem Zeitpunkt, aber auch längerfristig mit Gelegenheiten. Wertberichtigungen, Geldmangel und Portfolio-Umstrukturierungen würden dafür sorgen, nicht zuletzt am Sekundärmarkt. Einige Banken prüften derzeit Optionen, wie sie verschuldete Sekundärmarktkäufer zur Konsolidierung bewegen könnten.

          Der Sekundärmarkt sei in den vergangenen Jahren immerhin das am stärksten wachsende Private-Equity-Segment gewesen. Die aktuelle Krise werde dieses Wachstum zwangsläufig stoppen und Preise und Volumina drücken, aber eben auch ausgezeichnete Möglichkeiten bringen – besonders für kleine Transaktionen. Die nun eingetretene Krise zeige überdies die Tücken eines zu hohen Krediteinsatzes, meinen Böhler und van der Kam. „Bei Unigestion sind wir weiterhin der Meinung, dass der Einsatz von Fremdkapital nicht erforderlich ist, um höhere Renditen zu erzielen.“

          Preisrückgang naheliegend

          Etwas positiver sieht es Nils Rode, Anlagevorstand von Adveq, der Private-Equity-Tochtergesellschaft der britischen Fondsgesellschaft Schroders. Auch wenn die Krise für bestehende Investitionen je nach den Umständen negative Folgen haben könne, erschienen viele Gesellschaften gut positioniert, um die Situation ohne dauerhafte Beeinträchtigungen überstehen zu können. Für neue Primärinvestitionen könnten die Einstiegsbewertungen sinken.

          „Dass im Umfeld von Krisen die Preise etwas zurückgehen, liegt auf der Hand“, sagt Jochen Butz, beim Multi-Family-Office HQ Trust als Geschäftsführer für Alternative Investments zuständig. „Verkäufer möchten sich von Firmen trennen – und Käufer sind nicht bereit, Höchstpreise zu bezahlen.“ Vor der Finanzkrise seien Unternehmen im Durchschnitt mit dem zehnfachen operativen Ergebnis gehandelt worden, in den Folgejahren habe der Preis nur noch das 8,8-Fache betragen.

          Was für Private-Equity-Investoren Gelegenheiten bedeutet, ist für betroffene Unternehmen oft problematisch, besonders für Start-ups. Der Branchendienst Pitchbook schätzt, dass in Amerika etwa 7200 junge Unternehmen in den kommenden Monaten eine Finanzierung brauchen. Doch die Beteiligungskapitalgeber seien sehr viel wählerischer geworden und verlangten mehr Sicherheiten. Vielen Start-ups drohe daher, das Geld auszugehen.

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