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Integration in die Commerzbank : Sorge um die Zukunft der Comdirect

Logo von Comdirect an dem Sitz der Bank in Quickborn Bild: dpa

Die Commerzbank will ihre digitale Perle voll integrieren. Verliert diese dadurch ihre Innovationskraft? Die Mitarbeiter grübeln über die Folgen.

          3 Min.

          Was waren das für Zeiten, als die Direktbank Comdirect Anfang 1995 an den Markt ging: Kunden, die mehr als 10.000 Mark anzulegen hatten, bekamen eine Verzinsung von 3,8 Prozent auf dem Tagesgeldkonto gutgeschrieben. Von 50.000 Mark an waren es sogar 4,5 Prozent. Heute leidet auch die Comdirect unter fallenden Zinserträgen und muss um Provisionserlöse kämpfen. Mit 60 Mitarbeitern begann die Tochtergesellschaft der Commerzbank damals. Fünf Jahre später ging sie an die Börse, mitten in der Hochphase des Neuen Marktes. Die Erstnotiz lag bei 38 Euro, verglichen damit mutet die heutige Bewertung der Aktie mit knapp 12 Euro bescheiden an. Gemessen an dem tiefen Tal von zwei Euro nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes aber sieht die Kurserholung seither wie eine erfolgreiche Aufstiegsgeschichte im Bankensektor aus.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Comdirect gilt als innovative, schnelle Einheit, stark an Kundenbedürfnissen ausgerichtet. Viel früher als andere öffnete sich das Management in Quickborn bei Hamburg neuen Methoden wie Design Thinking oder Scrum. Mit diesen Techniken versuchen Digitalunternehmen aller Branchen, Kunden frühzeitig in die Planung neuer Produkte einzubinden. Die Muttergesellschaft in Frankfurt, die in der Branche den Ruf einer Behörde genießt, preist sie erst seit einigen Jahren als Heilmittel. Hier in der Comdirect-Zentrale, wo inzwischen 1100 Mitarbeiter nahe der Autobahn-Ausfahrt Quickborn arbeiten – 100 weitere sind in Zweigstellen in Rostock und Frankfurt beschäftigt –, verstehen sie sich als Besatzung eines Schnellboots.

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