https://www.faz.net/-gv6-9n8gc

Commerzbank-Hauptversammlung : „Kein Organspender für andere Banken“

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Zielke, auf der Hauptversammlung 2019 in Wiesbaden Bild: Reuters

Die Commerzbank-Aktionäre geben sich stolz. „Organspender“ und Ersatzteillager für andere Banken wollen sie nicht sein, ist der Tenor auf der Hauptversammlung.

          Viele Aktionäre der Commerzbank haben den Abbruch der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank begrüßt. Allerdings trieb die Eigentümer auf der Hauptversammlung um, dass die Commerzbank das Kaufinteresse weiterer Banken wie der italienischen Unicredit und der holländischen ING geweckt hat.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er habe ING-Chef Ralph Hamers in den vergangenen zwölf Monaten zweimal getroffen“, gab der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke auf Nachfrage der Aktionäre preis. Es habe aber von der ING keine konkreten Angebote zur Aufnahme von Gesprächen über einen Zusammenschluss gegeben, sagte Zielke den rund anwesenden 1100 Aktionären, die sich auch aus Kostengründen nicht mehr in der Messe Frankfurt, sondern am Mittwoch erstmals in Wiesbaden trafen.

          Deutsche Bank und Commerzbank hatten zwischen dem 17. März und dem 25. April einen Zusammenschluss geprüft und verworfen. „Die Bundesregierung war nicht involviert und hat keinen Einfluss auf den Verlauf der Gespräche genommen“, wies Zielke den verbreiteten Eindruck zurück, das Finanzministerium habe seine Commerzbank-Aktien der Deutschen Bank nahezu aufgedrängt.  

          „Kein Organspender“

          Wolfgang Aleff von der Gesellschaft für Wertpapierinteressen sagte am Mittwoch auf der Hauptversammlung, ein Zusammenschluss „wäre ein guter Deal für die Deutsche Bank“ gewesen. Doch weder Aktionären noch Kunden hätte es gefallen, wenn die Commerzbank mit ihrem „soliden Kundenstamm“ als „Organspender missbraucht“ worden wäre.

          „Wir wollen die Früchte der Rosskur selbst ernten“, sagte Aleff mit Blick auf die Verkleinerung der Bank und ihren Aktienkurs, der seit 2008 um rund 90 Prozent und seit einem Jahr um rund 30 Prozent gefallen ist. Im September 2018 war das Dax-Gründungsmitglied  Commerzbank aus dem Dax geflogen. Im kommenden Jahr begeht sie ihr 150. Geburtstag. „Spätestens im 160. Lebensjahr sollte die Commerzbank ihren Platz im Dax wieder einnehmen“, gab Aleff dem Vorstand als Ziel vor.

          COMMERZBANK

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Auch Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hält den Abbruch der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank für richtig, kritisierte allerdings den für die Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat sitzenden Stefan Wittmann scharf, der seinerseits die Fusionsgespräche scharf kritisiert und Mitarbeiter auch in der F.A.Z. zum Streik gegen die Fusion aufgerufen hatte.

          Nieding und andere Aktionäre fragten auch, ob die Commerzbank ihre Wachstumsziele auch allein erreichen könne. Daran habe der Vorstand während der Fusionsgespräche selbst Zweifel geweckt. „Wir stehen allein besser da, und zwar viel besser“, bekräftigte dagegen Aleff und forderte den Vorstand auf, auch in Zukunft „unausgegorene“ Fusionsabsichten zurück zu weisen und endlich die Erträge zu steigern. Dann werde auch der Aktienkurs steigen – das sei der beste Schutz vor Übernahmen. Die Commerzbank sei kein Ersatzteillager für andere Banken, sagte Aleff.

          Der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke verteidigte auf der Hauptversammlung die Tatsache, dass man überhaupt sich auf Fusionsgespräche eingelassen hatte. Als Ergebnis von „intensiven und fairen Gesprächen“ habe sich nur gezeigt, dass die Risiken der Umsetzung, die Kosten für die Restrukturierung und die Anforderungen an das Kapital zu hoch gewesen wären. Ein Zusammenschluss hätte damit für die Aktionäre keinen Mehrwert, also keine höheren Renditen und gebracht.

          „Dennoch waren diese Gespräche richtig und wichtig“, sagte Zielke. Die Gespräche mit der Deutschen Bank hätten gezeigt, dass die Commerzbank schon vieles richtig mache und die passende Strategie habe: fokussieren, digitalisieren, wachsen, sagte Zielke weiter. An der Umsetzung dieser Strategie arbeite man hart.

          Auch hätten Kunden, von denen gerade viele Firmenkunden wie etwa Siemens sich gegen eine Fusion mit der Deutschen Bank ausgesprochen hatten, der Commerzbank den Rücken gestärkt. Dennoch müsse die Commerzbank noch einfacher, besser und schneller werden. „Die Gespräche haben auch gezeigt, wo wir möglicherweise unsere Strategie nachschärfen müssen“, sagte Zielke.

          Strategie-Details im Herbst

          Nach Informationen der F.A.Z. werden gerade viele strategische Pläne in der Commerzbank erstellt und geprüft. „Im Herbst können wir Ihnen dazu mehr sagen“, versprach Zielke den Aktionären. Die Commerzbank wächst seit Jahren, ohne die Erträge nennenswert steigern zu können. Im Jahr 2016 ausgegebene Ziele für die Erträge und die Kosten-Ertrags-Quote im Jahr 2020 musste die Bank aufgeben.

          Er sei zuversichtlich, wie geplant bis 2020 die Zahl der Privatkunden um eine weitere Million auf dann 13 Millionen Privatkunden zu steigern. Doch niedrige Zinsen, hohe Aufsichtskosten und – im Vergleich zu europäischen Wettbewerbern – niedrige Marktanteile im in Deutschland von Sparkassen und Genossenschaftsbanken dominierten Markt sorgten dafür, dass das 2016 ausgegebene Ertragsziel wie seit längerem bekannt nicht erreicht werde. Die Commerzbank prüfe bis zum Herbst 2019, wie sie ihre Strategie von 2020 an weiter schärfen könne. Kundenwachstum werde ein Eckpfeiler bleiben, neue Partnerschaften seien möglich, sagte Zielke.

          Die Commerzbank hat 2018 ein Konzernergebnis von 865 (2017: 128) Millionen Euro erzielt. Das entspricht einer mageren Eigenkapitalrendite von 3,4 (0,5) Prozent. „Wir sind mit der Profitabilität nicht zufrieden“ gab Zielke zu. „Hier können und müssen wir mehr erreichen.“ Immerhin reicht es zur zweiten Dividendenzahlung seit 2008. 20 Cent je Aktie, insgesamt 250 Millionen Euro, schüttet die Commerzbank aus. 

          Davon profitiert auch der deutsche Staat, dem noch 15,6 Prozent der Commerzbank gehören. Für 2019 stellte Zielke ein etwas höheres Konzernergebnis und eine ähnliche Dividende in Aussicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.