https://www.faz.net/-gv6-99wt2

F.A.Z. exklusiv : Commerzbank droht Tausenden Kunden mit Rauswurf

Die Meldung an die amerikanische Steuerbehörde geht inzwischen bei vielen deutschen Banken automatisch, sobald ein Kunde mit Amerika-Bezug ein Konto eröffnet oder einen Kredit aufnimmt. Dieses Einlagen- und Kreditgeschäft für Kunden mit Amerika-Bezug ist aber immerhin europäischen Banken möglich. Weitaus restriktiver sind die Amerikaner schon immer und seit der Finanzkrise verstärkt im Wertpapiergeschäft, weil sie dort Steuerhinterziehung wittern. Deutsche Geldhäuser wie das Bankhaus Metzler hatten sich daher zum Teil schon vor der Einführung von Fatca dazu entschlossen, keinen Kunden mit Amerika-Bezug mehr den Kauf von Investmentfonds auf ihrer Fondsplattform zu erlauben. Metzler und andere scheuten sich, die dafür von der amerikanischen Steuerbehörde verlangte „besondere steuerliche Dokumentation durchzuführen, die bei Nichtvorliegen zu Problemen mit den Steuerbehörden hätte führen können“.

Wie der Metzler-Sprecher weiter sagte, nimmt die Bank diesen hohen Aufwand für die reichen Privatkunden noch auf sich. „Im Private Banking ist es uns das wert. Wir haben etliche Kunden, die entweder in den Vereinigten Staaten geboren wurden oder eine Greencard besitzen und damit unter diese aufwendige Regelung fallen. Diese Kunden haben wir weiterhin“, sagte der Metzler-Sprecher. Allerdings bietet das Bankhaus Metzler seit längerem, anders als die Commerzbank, keine Wertpapierberatung mehr an, sondern verlangt von seinen Kunden ein Mandat, damit es im Rahmen einer Vermögensverwaltung selbständig für den Kunden ohne Rückfrage Wertpapiergeschäfte abschließen kann.

Hohe Gebühren auch bei Verkauf von Wertpapieren

Genau diesen Ausweg weist die Commerzbank in der Kundeninformation auch ihren Kunden mit Amerika-Bezug. Um eine Kündigung des Depots bis Jahresende zu vermeiden, „bieten wir zum Beispiel eine spezielle Vermögensverwaltung an, welche auf die amerikanischen Wertpapier- und -Steuervorschriften angepasst ist“, wie ein Sprecher bestätigte. Für die Kunden ist das allerdings nicht billig. Einem Amerikaner teilte die Commerzbank mit, er brauche 250000 Euro Mindestanlagesumme und müsse jährlich mindestens 5000 Euro jährlich an Gebühren zahlen. Darauf hat der Mann keine Lust: „Ich darf dann über die einzelnen Papiere, die zu kaufen/verkaufen wären, nicht bestimmen“, beklagt er. Als weitere Alternative hat die Commerzbank ihm eine Rentenversicherung des Kooperationspartners Allianz angeboten.

Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass viele Kunden mit Amerika-Bezug ihre Wertpapiere vor der Kündigung verkaufen müssen. Auch dabei werden noch einmal hohe Gebühren anfallen, und es können sich unerwünschte Steuereffekte ergeben. Nur wenigen Commerzbank-Kunden mit Amerika-Bezug dürfte die Möglichkeit behagen, das Depot an jemand anderen ohne Amerika-Bezug zu übertragen.

Die Commerzbank bestreitet, dass es einen speziellen Anlass gebe, die Kunden mit Amerika-Bezug jetzt anzuschreiben. „Wir schauen uns immer wieder Prozesse und Kunden an, um unsere Risiken zu verringern“, sagte ein Sprecher der Bank auf Anfrage. Nichts zu tun habe die Sache damit, dass die Commerzbank als Auflage aus einem Vergleich wegen eines dubiosen Iran-Geschäftes nicht nur 2015 eine Milliardenstrafe akzeptierte, sondern bis Sommer 2018 auch einen von der amerikanischen Aufsicht installierten „Monitor“ akzeptierte. Dieser „Aufpasser“ gibt Empfehlungen, wie die Bank den Kampf gegen Geldwäsche verbessern soll. Aber auch im Wertpapiergeschäft ziehen die Amerikaner für alle europäischen Banken ab Juli 2018 noch einmal die Zügel an. Die Banken müssen, um nachzuweisen, dass sie Quellensteuer korrekt nach Amerika abführen können, eine Selbstzertifizierung durchlaufen haben.

Weitere Themen

Topmeldungen

Ringen um den Brexit : Die Selbstermächtigung des Unterhauses

Am Mittwoch wollen Mitglieder des britischen Unterhauses ausloten, welcher Brexit eine Mehrheit in ihren Reihen finden könnte. Die Premierministerin steht unter großem Druck – könnte am Ende aber profitieren.
Hat Simon Vaut im Rennen um die Kandidatur falsche Angaben gemacht?

Eklat um SPD-Europakandidaten : Simon Vaut soll Partei getäuscht haben

Mit einer falschen Adresse und einer erfundenen Beziehung soll Vaut einen Bezug zu Brandenburg vorgetäuscht und sich so die Kandidatur für das Bundesland erschlichen haben. Ministerpräsident Woidke zeigt sich enttäuscht.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.