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Führungswechsel : Commerzbank-Aktie sehr gefragt

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Doppelter Abgang: Martin Zielke (l), scheidender Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und Stefan Schmittmann, scheidender Aufsichtsratsvorsitzender Bild: dpa

Die Commerzbank ist nach dem Doppel-Rücktritt von Konzernchef Zielke und Aufsichtsratschef Schmittmann auf Chef-Suche. Die Anleger sehen es positiv.

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          Die Anleger an den deutschen Börsen begrüßen augenscheinlich den bevorstehenden Abgang von Vorstandschef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann. Die seit Monaten gebeutelte Notierung legt am Montag um mehr als 7 Prozent auf zuletzt 4,443 Euro zu und verzeichnet damit die stärksten Kursgewinne im marktbreiten F.A.Z.-Aktienindex. Mit dem Rückzug von Zielke und Schmittmann scheine eine Übernahme des Instituts wieder auf die Tagesordnung zu kommen, sagte ein Händler. Die Anleger schienen der Meinung zu sein, dass „jeder neue CEO, wer auch immer das sein mag, keine schlechtere Arbeit als sein Vorgänger machen wird“, sagte Marktanalyst Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Die Ratingagentur Moody’s zeigte sich dagegen wegen des Führungsvakuums beunruhigt. Der Rücktritt von Zielke und Schmittmann werfe Fragen zur künftigen Strategie auf und sei negativ für die Bonität der Bank, erklärte Moody’s.

          Nach einem heftigen Streit um die künftige Ausrichtung der Bank hatten sowohl Vorstandschef Martin Zielke als auch Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann am vergangenen Freitagabend ihren Rückzug angekündigt. „Ich möchte damit den Weg für einen Neuanfang freimachen“, erklärte Zielke. „Die Bank braucht eine tiefgreifende Transformation und dafür einen neuen CEO, der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekommt.“

          Zielke hatte den Rückhalt großer Investoren verloren. Der Finanzinvestor Cerberus, mit gut fünf Prozent zweitgrößter Aktionär der Bank hinter dem Bund, hatte mit seiner öffentlichen Kritik an dem schleppenden Konzernumbau und den wenig ambitionierten Plänen anderen Großaktionären aus dem Herzen gesprochen. Schließlich hatte Zielke nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank im Herbst eine Strategie präsentiert, an der Anleger und Bankenaufseher kein gutes Haar ließen.

          COMMERZBANK

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          Seit Monaten arbeitete der 57-Jährige daher an einer Verschärfung des Sparkurses und wollte die Pläne spätestens mit den Halbjahreszahlen am 5. August präsentieren. Insidern zufolge steht mit dem Abbau von insgesamt 11.000 Stellen die Streichung von jedem vierten Arbeitsplatz im Raum. Auch könnten mit 400 Filialen doppelt so viele Geschäftsstellen geschlossen werden, wie geplant. Mit dem Führungsvakuum wackelt jedoch der Zeitplan.

          Auf der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch dürften statt der Strategie nun Personalfragen im Mittelpunkt stehen. Mit Spannung wird beobachtet, ob weitere Aufsichtsräte oder Manager ihren Hut nehmen und wer in das Kontrollgremium einzieht. Cerberus hatte auf zwei Mandate im Aufsichtsrat gedrängt, war damit aber bei Schmittmann auf Granit gebissen.

          Als mögliche interne Kandidaten für die Zielke-Nachfolge werden der frühere ING-Deutschland-Chef und jetzige Commerzbank-Firmenkundenchef Roland Boekhout sowie Finanzchefin Bettina Orlopp gehandelt. Mehrere Insider sagte jedoch, die Commerzbank könne sich zwar kein langes Führungsvakuum leisten, dürfe die Entscheidung aber auch nicht überstürzen. So müsse sie sich auch nach externen Kandidaten umschauen. „Machen Sie sich ... keine Sorgen, es gibt hier einen geordneten Prozess“, versuchte Schmittmann in in einem im Intranet der Bank veröffentlichten Interview die Mitarbeiter zu beruhigen. Er selbst will bis zum 3. August an Bord bleiben, Zielke will spätestens Ende des Jahres ausscheiden.

          Angesichts der Instabilität im Management sei die Entwicklung für den Aktienkurs zwar auf kurze Sicht negativ, sagte RBC-Analystin Anke Reingen nam Freitag. Außerdem seien die Personalentscheidungen ein Hinweis darauf, wie schwer es sei, die Profitabilität der Bank zu erhöhen. Zugleich zeigte sie sich jedoch mittel- bis langfristig optimistisch. Der Personalwechsel könnte letztlich dazu führen, dass die Commerzbank ihre Strategie stärker als bislang ändere. Innerhalb der Europäischen Union könnte sie dann womöglich auch an der Konsolidierung der Bankenlandschaft teilnehmen. Börsianer gehen zudem davon aus, dass das Machtvakuum sehr schnell gefüllt wird. Andernfalls würde viel wertvolle Zeit im Umbau riskiert, hieß es.

          Die Citigroup beließ die Einstufung für Commerzbank am Montag auf "Neutral" mit einem Kursziel von 3,30 Euro. Das Ausscheiden von Zielke und Schmittmann sorge für neue Unsicherheit, schrieb Analyst Nicholas Herman. Er hatte eher damit gerechnet, dass die bisherige Führung noch aggressiver Kosten senke.

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