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„Come back on St. Leger’s day“ : Jetzt diese Aktien kaufen!?

„Kew Gardens“ auf dem Weg zum Sieg bei den St. Leger Stakes 2018, dicht gefolgt von „Lah Ti Dar“. Bild: Picture-Alliance

Im September soll man Aktien kaufen, im Mai verkaufen, sagt eine alte Börsenweisheit. Das kann funktionieren, auch wenn man gute Aktien besser hält. Immerhin gibt die Strategie ein Indiz dafür.

          4 Min.

          Und wieder ist September. Wieder einmal ist in Großbritannien die Rennsaison für dreijährige Vollblutpferde zu Ende gegangen. Für die Börse ein ganz wichtiges Datum, denn nun ist es Zeit, wieder Aktien zu kaufen - bis zum nächsten Mai. „Sell in May and go away / come back on St. Leger's day“, heißt das Motto.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Historisch steht es dafür, dass die vermögende britische Elite des 19. und frühen 20. Jahrhunderts während der Rennsaison London und die Börse verließen. Diese beginnt traditionell im Mai mit dem „2000 Guineas“-Rennen in Newmarket nahe Cambridge. Saison-Abschluss sind die St Leger Stakes in Doncaster, die diesmal am 15. September stattfinden.

          Die Gewinnerliste ist gewachsen

          Schon seit einigen Jahren beobachtet FAZ.NET die Entwicklung der Aktienkurse zwischen dem St. Leger’s Day und den 2000 Guineas. Und dabei haben sich einige Aktien herausgeschält, die in den vergangenen  zehn Jahren immer zu den Gewinnern gehört haben.

          War diese im vergangenen Jahr schon von 12 auf 16 gewachsen, so sind es diesmal mit 42 fast schon sensationell viele. Der Grund ist logisch: Die starken Kursrückgänge der Finanzkrise sind nicht mehr dabei.

          Fünf der 16 Vorjahrestitel sind herausgefallen, neben Corning etwa auch die Aktie des deutschen Derivatehändlers Euwax, der die jüngste Börsensaison mit einem Minus von 1,5 Prozent abschloss. Insofern sind 31 Titel neu dazu gekommen, die einzeln aufzuzählen müßig scheint.

          Die Mischung ist international: 18 Herkunftsländer sind dabei, mit 16 stellen die Vereinigten Staaten die größte Gruppe, dann aber schon gefolgt von Deutschland mit sechs. Neben der Münchener Rückversicherung und dem Software-Anbieter Atoss finden sich der Flugzeugmotorenbauer MTU, der Fotodienstleister Cewe, der Leasing-Spezialist Grenke sowie die Doccheck AG, ein auf Marketing für das Gesundheitswesen spezialisiertes Internetunternehmen, das aus der früheren Antwerpes AG hervorgegangen ist. Neun Aktien kommen aus dem Finanzwesen, sechs davon sind Versicherer. Neun sind Technologie-Unternehmen der unterschiedlichsten Couleur.

          Fast zwangsläufig in jedem Jahr kürzer wird die Liste der Dauerbrenner. Mit dem Abgang des amerikanischen Glashersteller Corning ist sie nunmehr auf acht Titel geschrumpft, die seit September 2004 in der fraglichen Zeit immer einen positiven Ertrag brachten.

          Wer im Fall Corning der Regel sklavisch gefolgt wäre, hätte die Aktie zum Tiefstand verkauft. Im Januar waren, so scheint es, die Anleger nicht mit Quartalsbericht zufrieden, der kurze Einbruch des Aktienmarktes tat sein Übriges. Im Juli hat sich der Kurs wieder erholt, insofern wäre die Umkehrung der Börsenweisheit in diesem Fall zu empfehlen gewesen.

          Anders herum sind es beachtliche acht Aktien, die seit 2004 zwischen dem St. Leger's Day und den 2000 Guineas einen positiven Ertrag brachten. Hätte man 2004 jeweils 1000 Euro in einer der acht Aktien investiert, wäre man nun um stolze 152.919 Euro reicher. Das macht eine jährliche Rendite von immerhin rund 24 Prozent.

          Größter Gewinnbringer war dabei die Aktie der amerikanischen Booking Holdings, früher bekannt als Priceline und Anbieter von Online-Reisevermittlern wie Booking.com oder Kayak. Aktuell wird die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18,5 bewertet, was angesichts guter Margen und immer noch großen Wachstums gar nicht so viel erscheint.

          Knapp dahinter findet sich eine weitere Internet-Aktie, die der chinesischen Tencent, einem Internet-Konglomerat aus sozialen Medien, Onlinespielen uam. Tencent ist mit einem KGV von knapp 25 deutlich teurer als Booking Holdings. Beide Aktien brachten im jährlichen Mittel mehr als 31 Prozent Rendite. Allerdings hätte man sie wohl besser über die zeit behalten anstatt sie brav nach den 2000 Guineas zu verkaufen und nach den St. Leger Stakes zu verkaufen. Denn dann hätte Booking im Mittel knapp 96 Prozent gebracht und Tencent sage und schreibe 490 Prozent. Allein 1000 Euro in der Tencent-Aktie hätten insgesamt dreimal so viel eingebracht wie das gesamte Depot, wenn es über die Jahre regelmäßig ge- und verkauft worden wäre.

          In der Mehrheit der Fälle war rein und raus die schlechtere Wahl, denn nur die Aktie des deutschen  Anbieters von Personalmanagement-Software Atoss Software, des Rückversicherers Münchener Rück und des Infrastruktur-Konglomerats NWS aus Hongkong wären so ertragreicher gewesen. Bei NWS wäre es zudem knapp geworden, denn der Unterschied sind nur 830 Euro.

          Dauerläufer SGS

          Andererseits brachte die Aktie des Schweizer Warenprüfkonzerns SGS beim Halten auch nun 115 Euro mehr. Allerdings muss man sich fragen, warum man die Aktie immer kaufen und verkaufen sollte, wenn halten auf das Gleiche herausläuft.

          Doch eine Besonderheit hat die SGS-Aktie. Es ist die einzige Aktie, die die „ewige Liste“ nun schon seit 2012 ziert. Das bedeutet, dass sie zwischen den beiden Pferderennen seit 2002 bisher immer einen Gewinn brachte.

          2017 hat die Geschäftsentwicklung der Schweizer, zu denen auch das deutsche Institut Fresenius gehört, sich nach einem stagnierenden Jahr 2016 wieder deutlich verbessert. Mit einem KGV von knapp 24 ist die Aktie ähnlich hoch bewertet wie vor 12 und 24 Monaten. Die Dividendenrendite ist mit knapp 3 Prozent weiter gesunken.

          Von 18.134 in Deutschland gehandelten Aktien brachten in der jüngsten „St. Leger's-Periode“ 8397 einen Gewinn, also nur rund 46 Prozent. Damit hat der Anteil der Gewinner-Aktien zum dritten Mal in Folge abgenommen, liegt aber immer noch im Normalbereich der vergangenen neun Jahre. Während der Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 lag er bei etwa 10 Prozent und in den Jahren davor bei rund 30 Prozent. Das spricht dafür, dass die Aktienbörsen immer noch recht rund laufen.

          Ob das so bleiben wird, ist nicht gewiss: Möglicherweise bricht der Anteil der Gewinneraktien zwischen diesem Montag und den 2000 Guineas im kommenden Mai ein.

          Eines zeigt das kleine „St. Legers-Portfolio“ deutlich. Es handelt sich schon um außerordentlich gut laufende Aktien. Das Portfolio wäre zwischen September 2004 und Mai 2018 auf das Achtzigfache gewachsen. Der Dax brachte es gerade mal auf etwas mehr als das Dreifache. Aber von hinten ist man ja immer schlauer.

          Wer es gemacht hätte wie die britische Oberschicht und die Börsengewinne beim Pferderennen, der wäre schon bald aus dem Rennen gewesen. Denn die Favoriten gewinnen eher selten. Die St. Leger Stakes am Samstag gewann mit „Kew Gardens“ übrigens einer der Favoriten. Die Quote von 3/1 war zwar nicht ganz so niedrig wie die von „Lah Ti Dar“ mit 7/4 aber nahe dran und am Ende eben eine Pferdelänge vorn. „Zabriskie“ hätte dagegen 80/1 gebracht wurde aber erwartungsgemäß letzter.

          Wer übrigens die Wette vom vergangenen Jahr angenommen hätte, hätte damit gut verdienen können. Denn mit „Capri“ gewann ebenfalls einer der Favoriten. Das hätte 6/1 gegeben, weil der Tipp lautete, dass weder der Außenseiter noch einer der Favoriten gewinnt.

          NB: Beste Aktie der jüngsten Zwischensaison 2017/18 war übrigens mit einem Plus von rund 90 Prozent China Sunsine, Hersteller von Kautschukchemikalien, hauptsächlich Vulkanisationsbeschleueniger und brandhemmende Mittel. Allerdings ist der Kurs wieder um ein Drittel gefallen. Aber wer weiß, wie das bis zu den 2000 Guineas noch wird.

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