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Chinesischer Investor : Kursfeuerwerk bei Heideldruck

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Ein Mitarbeiter arbeitet an einem Druckwerk des Maschinenbauers Heidelberger Druck (Archivbild). Bild: dpa

Der chinesische Partner Masterwork soll größter Aktionär bei Heideldruck werden. Das sorgt für neues Leben in der angeschlagenen Notiz.

          Der geplante Einstieg eines chinesischen Investors beschert der Notierung der Aktie der Heidelberger Druck am Mittwoch einen Kurssprung von 20 Prozent. Die Masterwork Group, ein Hersteller von Bogenstanzen und Heißfolienprägemaschinen, soll über eine Kapitalerhöhung rund 8,5 Prozent am Unternehmen erhalten und würde damit größter Aktionär.

          Um die Mittagszeit notiert die Aktie der Heidelberger Druck  fast 20 Prozent im Plus bei 2,068 Euro und weist damit unangefochten die beste Kursentwicklung unter den ernst zu nehmenden Aktien am deutschen Markt auf. Am Vortag hatte noch das Bankhauses Metzler sein Kursziel für die Aktie gesenkt, was den Kurs noch hatte um 5 Prozent fallen lassen.

          Leerverkäufer auf dem falschen Fuß

          Eine vergleichsweise hohe Leerverkaufsquote in der Aktie dürfte den deutlichen Kurssprung am Mittwoch noch zusätzlich befeuert haben. Sogenannte Short-Anleger leihen sich Papiere am Markt aus und verkaufen diese in der Hoffnung auf einen fallenden Kurs, um sie später günstiger wieder zurückzukaufen und so einen Gewinn zu erzielen. Mit der nunmehr für sie eher ungünstigen Entwicklung dürften einige am Mittwoch Verluste begrenzen wollen.

          Der Kurs liegt allerdings ein gutes Stück unter dem geplanten Ausgabepreis der neuen Aktien von 2,68 Euro, aus dem sich ein Transaktionsvolumen von fast 70 Millionen Euro ergibt. Möglicherweise trugen die Anleger der Tatsache Rechnung, dass sowohl die Gremien beider Unternehmen als auch die chinesischen Behörden dem Deal noch zustimmen müssen.

          Darüber hinaus ist bei einer Beteiligung von nur 8,5 Prozent ein Übernahmeangebot, das den Aktienkurs stärker nach oben treiben könnte, nicht zu erwarten.

          HEID. DRUCK

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          Eine längerfristige Betrachtung relativiert zudem den aktuellen Kurssprung: Von den Rekordständen um die Jahrtausendwende ist die Aktie immer noch meilenweit entfernt. damals wurden zurückgerechnet rund 46 Euro für die Aktie bezahlt. Seit 2009 ist der Aktienkurs weit entfernt von der Marke von 10 Euro geblieben, weil Druckleistungen im digitalen Zeitalter weniger gefragt sind.

          Der Preis der neuen Aktien beinhalte eine "Mega-Prämie" und zeige, dass Masterwork wohl das größere Interesse an der Vereinbarung habe, heißt es in einem aktuellen Metzler-Kommentar. Dadurch holten sich die Chinesen "High-End-Technologie" ins Haus. Dagegen sei unklar, was Heidelberger Druck sich angesichts der seit 2013 bestehenden Partnerschaft über eine kurzfristige Finanzspritze und ein stärkeres Engagement in China hinaus von dem Deal verspreche. Einem Händler zufolge beinhaltet der Ausgabepreis der neuen Aktien einen Bewertungsaufschlag von rund 50 Prozent auf den durchschnittlichen Börsenkurs der vergangenen drei Monate.

          Stärkung der Bilanz

          Analyst Gordon Schönell vom Bankhaus Lampe wertet die Transaktion indes positiv für die Heidelberger: Er begrüße den Zufluss liquider Mittel für das Unternehmen, dessen Bilanz "nicht die stärkste" sei. Heidelberger Druck profitiere so auch von der Verbesserung der Marktposition im Verpackungsdruck mit seinen strukturellen Wachstumschancen. Zudem sei der chinesische Markt langfristig interessant.

          Auch die Analysten der Commerzbank betonten die positiven Aspekte eines Einstiegs von Masterwork. Dieser sei ein bequemer Weg für Heidelberger Druck zum Schuldenabbau und stärke die Widerstandsfähigkeit bei einem möglichen Konjunkturabschwung. Dazu verbessere sich der Zugang zu chinesischen Kunden, die über viele Jahre hinweg die wichtigste Profitquelle gewesen seien, bevor sich deren Nachfrage deutlich abgekühlt habe. Dank der Beteiligung von Masterwork könnten die Heidelberger auch langfristig Marktanteile in China gewinnen.

          Über eine mögliche Komplettübernahme des Unternehmens durch die Chinesen gehen die Meinungen derweil auseinander. Während die Commerzbank-Experten in den aktuellen Plänen zumindest vorerst keinen ersten Schritt für einen weiteren Beteiligungsausbau sehen, mehren sich laut Andreas Lipkow von der Comdirect Bank entsprechende Gerüchte.

          "Das deutsche Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt und ist eher zu einem digitalen Dienstleister im Bereich Druck geworden", so Lipkow. "Das trifft den Nerv chinesischer Investoren und deckt die beiden Bereich Offset-Druck und digitale Dienstleistungen im Drucksektor ab, die zukunftsträchtig sind."

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