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Handelskonflikt mit Amerika : Chinesische ZTE-Aktie rauscht weiter in die Tiefe

Das ZTE-Logo an einem Gebäude in Schanghai: Der chinesische Netzwerkausrüster wird zunehmend zum Spielball im Handelsstreit zwischen Amerika und China. Bild: AFP

Der chinesische Netzwerkausrüster ZTE wird zum Spielball im Handelsstreit zwischen Amerika und China. Der Aktienkurs fällt um weitere 24 Prozent, nachdem Amerikas Senat ein Gesetz verabschiedet, das das Ende von ZTE bedeuten würde.

          Als „Penny-Stock“ werden an der Hongkonger Börse Aktien mit einem Wert von unter 50 Hongkong-Cent bezeichnet, umgerechnet etwa 0,05 Euro. Davon ist die Aktie des zweitgrößten chinesischen Netzwerkausrüsters ZTE noch ein Stück entfernt. Ihr Wert lag am Dienstagvormittag bei rund 10 Hongkong-Dollar.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Allerdings ist das Papier auf dem besten Weg, ein Penny-Stock zu werden. Seit Jahresbeginn hat der Aktienkurs von ZTE um ein Drittel an Wert verloren. Auf die Zeitspanne von einem Jahr gerechnet beträgt der Verlust fast die Hälfte. Am Dienstagmorgen fiel der Kurs in Hongkong nun um weitere 24 Prozent.

          Denn ZTE steht im Kreuzfeuer des Handelskriegs zwischen Amerika und China, der spätestens seit vergangenen Freitag den Status des „Warmboxens“ verlassen hat und aller Voraussicht nach in einem ernsten Konflikt der beiden größten Volkswirtschaften der Welt münden dürfte.

          An der einen Front – ab 6. Juli geltende Strafzölle auf chinesische Importwaren in Amerika und entsprechenden Vergeltungszöllen auf amerikanische Güter in China – hat Amerikas Präsident Donald Trump am Montag noch einmal nachgelegt und auf die bisher angedrohten Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren im Wert von 150 Milliarden Dollar zusätzliche Zölle angekündigt: Ein Satz von 10 Prozent auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar will Washington aufschlagen, sollte Peking tatsächlich an Amerikas Farmern und anderen Herstellern Vergeltung üben.

          Kampf um technologische Vorherrschaft

          Allerdings gibt es noch eine zweite Kampflinie im Streit der Supermächte, die sich um die technologische Vorherrschaft in der Welt dreht. Hier steht ZTE in der Schusslinie, jener Konzern aus dem südchinesischen Shenzhen, der bei der Entwicklung des neuen superschnellen Netzwerkstandards 5G führend und deshalb – und aus anderen Gründen – in Amerika in Ungnade gefallen ist.

          Weil ZTE gegen die Wirtschaftssanktionen gegen Iran verstoßen und trotzdem reichlich in das Land exportiert hat, wurde der 80.000 Mitarbeiter zählende Konzern in den Vereinigten Staaten abgestraft und mit Auflagen versehen, die die Chinesen nicht eingehalten haben – stattdessen führten sie ihre Geschäfte mit Iran einfach weiter und belohnten die verantwortlichen Mitarbeiter auch noch mit Bonus-Zahlungen, worüber sie die amerikanischen Behörden belogen.

          ZTE CORP. H YC 1

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          Dafür wurde ZTE im Frühjahr vom Washingtoner Wirtschaftsministerium mit einem Bann belegt, der es von dem Bezug amerikanischer Mikroprozessoren abschnitt, ohne den das chinesische Unternehmen keine Produkte mehr herstellen kann und in der Folge seinen Hauptgeschäftsbetrieb einstellte.

          Trumps Familien-Geschäfte

          Überraschenderweise hob Donald Trump den Bann nach einem Telefonat mit Chinas Präsident Xi Jinping wieder auf. Über die Gründe wird fröhlich spekuliert: So hat – Zufall oder nicht – für den Bau eines neuen Golfkurses, den die Trump-Familie in Indonesien betreiben will, den Zuschlag wenige Tage vor Trumps Entgegenkommen in Sachen ZTE ausgerechnet ein chinesischer Staatskonzern erhalten, der von der Regierung in Peking kontrolliert wird.

          Dass die Börsianer offensichtlich trotzdem heftige Zweifel daran haben, dass ZTE überleben wird, ist dem amerikanischen Senat zu verdanken. Dieser hat am Montag ein zustimmungspflichtiges Gesetz zur Nationalen Sicherheit mit dem Zusatz verabschiedet, dass der Bann gegen ZTE wieder eingeführt wird. Der Schritt hatte sich bereits in der vergangenen Woche angedeutet. Die Senatoren sehen ZTE als Bedrohung für Amerika an, manch Hardliner hat davon gesprochen, das chinesische Unternehmen verdiene für sein Tun die „Todesstrafe“.

          Das Ende von ZTE ist mit der Senats-Entscheidung noch nicht besiegelt. So hat das Repräsentantenhaus, das dem Gesetz zur Nationalen Sicherheit ebenfalls zustimme muss, dies bereits getan – allerdings verabschiedeten die Abgeordneten eine Version, die den Zusatz mit dem ZTE-Bann nicht enthält. Außerdem muss Präsident Trump am Ende das Gesetz unterzeichnen.

          Stellt er sich in Sachen ZTE stur, könnte er sein Veto einlegen, würde dann aber einen Konflikt mit der eigenen Partei riskieren. Und das ausgerechnet über eine Sanktion gegen den Rivalen China, über den Trump sonst bei jeder Gelegenheit urteilt, er bedrohe die Zukunft Amerikas.

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