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Vermögensstudie : Nahezu jeder fünfte Milliardär ist ein Chinese

Jack Ma, der Gründer von Alibaba, ist der reichste Chinese. Bild: EPA

Jede Woche gibt es zwei neue Milliardäre. Woher kommt das ganze Vermögen? Und ist es sicher investiert?

          3 Min.

          Der Aufstieg Chinas zu einer großen Wirtschaftsmacht lässt sich anhand vieler Kennziffern ablesen. Besonders anschaulich ist es, einen Blick auf die Ultrareichen zu werfen. Im Jahr 2006 gab es 16 chinesische Milliardäre; Ende 2017 waren es 373 – von insgesamt 2158 Milliardären weltweit. Damit ist fast jeder fünfte Milliardär auf diesem Globus ein Chinese. Und jede Woche kommen zwei neue dazu. Dies haben die Schweizer Großbank UBS und die Beratungsgesellschaft PWC im Rahmen einer Vermögensstudie ermittelt.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Demnach ist die Zahl der deutschen Milliardäre, darunter die Unternehmerfamilien Schwarz (Lidl), Reimann (Jacobs, Reckitt Benckiser), Albrecht (Aldi), Quandt (BMW) und Porsche (VW), um 5 Prozent auf 123 gestiegen. Deren Vermögen kletterte um 22 Prozent auf 579 Milliarden Dollar. Dieser Anstieg resultiert allerdings zu einem großen Teil aus der Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar. Außerdem half der Rückenwind von den Aktienmärkten.

          Nirgendwo auf der Welt sind die Vermögen der Ultrareichen stärker gewachsen als in China. Die dortigen Milliardäre verfügten Ende 2017 in Summe über 1,12 Billionen Dollar – 39 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nach Angaben der Studienautoren besteht die chinesische Kohorte zu 97 Prozent aus Selfmade-Milliardären, von denen viele in der Welt der Technologie sowie im (Online-)Einzelhandel zu Hause sind. Die UBS nennt keine Namen. Gleichwohl ist klar, um wen sich dreht: Jack Ma zum Beispiel, den derzeit reichsten Chinesen.

          43 Alibaba-Aktionäre sind Milliardäre

          Der heute 54 Jahre alte Sohn eines armen Musikerehepaares, geboren im ostchinesischen Hangzhou unweit Schanghais, war Ende der neunziger Jahre Englischlehrer, als er zusammen mit Freunden in seiner Wohnung Alibaba gründete. Das ist heute einer der drei größten Internetkonzerne Chinas, dessen Börsenwert im Januar die Schwelle von 500 Milliarden Dollar überschritt und sich damit in einen exklusiven Club einreihte, in dem auch amerikanische Technologiegiganten wie Apple, die Google-Muttergesellschaft Alphabet, Facebook und Amazon Mitglieder sind.

          Allein bei Alibaba und dem mit ihm verbundenen Fintech-Konzern Ant Financial, dessen Smartphone-Bezahldienst Alipay über 500 Millionen Kunden hat, gab es im vergangenen Jahr 43 chinesische Anteilseigner, die es in die „Hurun“-Liste schafften, die die rund 2000 reichsten Chinesen aufführt.

          Milliardäre aus Asien, insbesondere jene aus der südchinesischen Stadt Shenzhen, forderten die traditionell dominierenden Technologie-Unternehmen aus dem Silicon Valley heraus. „2017 zogen sie bei der Beschaffung von Wagniskapital für Start-ups mit Amerika gleich“, schreibt die UBS. Außerdem hätten die chinesischen Unternehmer im Vergleich zu ihren amerikanischen Rivalen viermal mehr Patente für die Anwendung Künstlicher Intelligenz sowie dreimal mehr Patente auf den Feldern Blockchain und Kryptowährungen angemeldet.

          Sollte der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China eskalieren, werde dies das Wirtschaftswachstum in beiden Ländern beeinträchtigen. In der Folge könnten asiatische und amerikanische Aktien gegenüber den Höchstständen vom Sommer 2018 um ein Fünftel fallen, schätzt die UBS. Chinas reichen Jungunternehmern böten sich in ihrem Heimatland aber trotzdem weiterhin gute Wachstumschancen, sagte Simon Smiles, Chief Investment Officer der UBS, in einem Pressegespräch in Zürich. Zur Begründung verwies Smiles auf den riesigen Binnenmarkt mit seinen 1,3 Milliarden Konsumenten und den wachsenden Einsatz neuer Technologien.

          In China schlummern Risiken

          In der Volksrepublik schlummern allerdings auch einige Risiken. Gut ein Viertel des Vermögenszuwachses der Milliardäre im vergangenen Jahr resultierte aus den gestiegenen Immobilienpreisen. Auch in der Zusammensetzung der Vermögen ragen die Immobilien heraus: Ihr Anteil beträgt nach den Berechnungen von UBS und PWC rund 20 Prozent. Die Preise auf dem chinesischen Immobilienmarkt steigen so stark, dass viele Beobachter befürchten, dass es bald zu einem Verfall der Preise kommen könnte.

          Ein Hauspreisindex für 100 chinesische Städte, den das Internetportal Soufun aufgestellt hat, stieg in nur zweieinhalb Jahren bis Ende 2017 um fast ein Drittel auf einen Quadratmeterpreis, der um fast 40 Prozent höher liegt als ein vergleichbarer Preis in amerikanischen Städten. Die Tatsache, dass in Amerika die Wirtschaftsleistung pro Kopf um rund 260 Prozent höher liegt als in China, deutet auf eine Übertreibung hin.

          Anders als in Amerika vor der Finanzkrise 2008 sind in China die Wohnungen allerdings nicht überwiegend fremdfinanziert, sondern in großen Teilen abbezahlt. Das allein spaltet Ökonomen bereits bei der Frage, ob es überhaupt eine Blase auf dem chinesischen Häusermarkt gibt. Allerdings wächst dort die Summe der Hypothekendarlehen mit rund 20 Prozent stark.

          Das Platzen einer Blase würde nicht nur die Immobilienbesitzer treffen, sondern auch Teile der (Kredit-)Wirtschaft. Doch auch die Frage, ob dies zu einer Finanzkrise führen würde, ist unter Ökonomen umstritten. Während etwa der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff diese bejaht, glauben andere, dass Peking in einem solchen Fall seine beträchtlichen Reserven einsetzen und notleidende Banken auffangen würde, bevor ein Finanzinstitut nach dem anderen umkippen und damit auch die Vermögen der Ultrareichen schmälern würde.

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