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Steigende Aktienkurse : Chinas Börsen wetten auf ein Ende von Null-Covid

Ein Arbeiter in einem Schutzanzug steht vor einer elektronischen Anzeigetafel in der Lobby des Börsengebäudes der Shanghai Stock Exchange. Bild: dpa

Die chinesische Regierung in Peking kündigt eine Impfkampagne an. Die Anleger atmen auf. Doch die Analysten sind skeptisch.

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          Nachdem Chinas Regierung am Dienstag eine Kampagne zur Impfung der älteren Bevölkerung angekündigt hat, sind die Kurse chinesischer Aktien stark gestiegen. Der Hongkonger Hang-Seng-Index legte um 5,2 Prozent zu. Der Hang-Seng-Tech-Index, der Technologiefirmen abbildet, stieg mit 7,7 Prozent noch mehr. Vor allem Werte von Unternehmen, die ihr Geschäft mit chinesischen Konsumenten machen, wie der E-Commerce-Konzern Alibaba, der Essenslieferdienst Meituan und der Versicherer Ping An, legten um zweistellige Prozentbeträge zu.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die Reaktion der Börsen ist Ausdruck der Hoffnung, dass nach landesweiten Protesten das Aus der chinesischen Null-Covid-Politik kurz bevorsteht. Diese hatte mit flächendeckenden, zum Teil monatelangen Lockdowns, Reisebeschränkungen und täglichen Massentests das Wirtschaftsleben heftig beeinträchtigt.

          Die Phantasie der Börsianer wurde vor allem durch eine Pressekonferenz der Nationalen Gesundheitskommission angeregt, auf der die Regierung ankündigte, gezielt die Impfrate von über 80-Jährigen erhöhen zu wollen. Dass diese bisher so gering ist, gilt als einer der Hauptgründe für die radikale Null-Covid-Politik Pekings, die zum Ziel hat, die Ansteckungsketten zu zerschlagen.

          Dass die Märkte nun so optimistisch auf die Ankündigung zur Impfkampagne reagieren, bedeutet jedoch noch nicht, dass China die Null-Covid-Politik tatsächlich beendet. Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Anleger immer wieder nach Gerüchten über eine baldige Wiederöffnung des Landes stark zugekauft, nur um dann später ein abermaliges Sinken der Kurse erleben zu müssen.

          Laut dem Pekinger Analysehaus Gavekal Dragonomics, das sich während der Pandemie durch eher nüchterne und konservative Voraussagen hervorgetan hat, dürften die Restriktionen in vielen Gebieten des Landes in den kommenden Wochen eher noch zu- anstatt abnehmen, um einen weiteren schnellen Anstieg der Fallzahlen zu verhindern. In diese Richtung gehen auch Warnungen der Botschaften der Länder USA und Singapur an ihre Staatsangehörigen in China, mit einem mehrwöchigen Lockdown über die Wintermonate zu rechnen und entsprechend rechtzeitig Vorräte anzulegen.

          Zwar ist auch Gavekal Dragnomics der Ansicht, dass die ungewöhnlich heftigen Proteste der Bevölkerung gegen die Null-Covid-Politik und im Zuge dessen auch gegen die Kommunistische Partei und Staatsführer Xi Jinping persönlich Peking zum Umdenken bewegen werden. Eine Wiederöffnung werde jedoch chaotisch ablaufen, sind die Analysten überzeugt. Deshalb werde das Chaos, das sich in den vergangenen Wochen gezeigt hatte, in den kommenden Monaten weitergehen und auf die Stimmung der Verbraucher drücken. Auch die Logistikketten und Transportwege würden weiter beeinträchtigt.

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