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Amerikanische Staatsanleihen : China verkauft im großen Stil

Die Eintracht der Flaggen trügt – Seite an Seite marschieren China und Amerika längst nicht mehr. Bild: EPA

China war jahrelang der größte Abnehmer amerikanischer Staatsanleihen. Doch der Bestand ist auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren gesunken. Das löst Befürchtungen über eine neuerliche Eskalation im Handelskonflikt aus.

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          Droht China im Handelskonflikt mit einem Verkauf amerikanischer Staatsanleihen? Nach den jüngsten Daten des amerikanischen Finanzministeriums hat China in den vergangenen zwölf Monaten amerikanische Staatsanleihen, sogenannte Treasuries, im Volumen von 69 Milliarden Dollar verkauft. Auf 1,11 Billionen Dollar ist Chinas Bestand Ende April gesunken, was einen monatlichen Rückgang von 7,5 Milliarden Dollar darstellt und der tiefste Stand seit zwei Jahren ist.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Trotzdem bleibt die Volksrepublik der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten. Japan folgt mit Treasuries im Wert von 1,06 Billionen Dollar. Das Ausland hält amerikanische Schuldtitel im Volumen von 6,43 Billionen Dollar, was einem Rückgang gegenüber dem März in Höhe von 40,1 Milliarden Dollar entspricht. Insgesamt befinden sich amerikanische Staatsanleihen über 16 Billionen Dollar im Umlauf.

          Die hohen Bestände sind mit den Exportüberschüssen Chinas verbunden. Die Volksrepublik verfügt mit gut 3 Billionen Dollar über die größten Devisenreserven der Welt. Davon wird ein großer Teil in amerikanischen Dollars, der Leitwährung der Weltwirtschaft, angelegt. Erstes Instrument sind dabei die als sicher geltenden Treasuries. So ist es kein Wunder, dass die jüngste Nachricht von den Verkäufen Chinas für Aufsehen in den Vereinigten Staaten sorgt: Es wird auch als Signal an den Präsidenten Donald Trump interpretiert. Die Spannungen hatten sich zuletzt verschärft. Trump hatte zur Überraschung Pekings plötzlich die Handelsgespräche abgesagt, die Zölle auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar kräftig erhöht und damit gedroht, sämtliche chinesische Einfuhren in die Vereinigten Staaten heftig zu verteuern, um China in die Knie zu zwingen.

          Nun wird befürchtet, Peking ziehe nach seiner angedrohten Beschränkung des Exports der Metalle der seltenen Erden, deren Weltproduktion zu 80 Prozent aus China stammt, nun seine nächste Waffe im Handelskrieg. Das ist wohl die größte Angst Amerikas. Dort wird ein massenhafter Verkauf der Treasuries als Pekings „nukleare Option“ gefürchtet. Dieser kann die internationalen Finanzmärkte destabilisieren und die Kapitalkosten für Amerika in die Höhe treiben. Unternehmen wären in ihrer Finanzierung ebenso betroffen wie Hausbesitzer, die erheblich mehr für die Rückzahlung ihrer Hypotheken aufwenden müssten. Nicht nur Amerikas Wirtschaft drohte eine Rezession, die ganze Welt wäre wohl betroffen.

          Allerdings haben sich die Verkäufe Chinas noch nicht in den Kursen der Staatsanleihen niedergeschlagen. Stattdessen sind die Kurse gestiegen und damit verbunden die Renditen gesunken. Die Märkte erwarten aufgrund der Konjunkturrisiken des Handelskonflikts eine Zinssenkung der amerikanischen Notenbank.

          Die ganz überwiegende Mehrheit der Ökonomen betrachtet die „nukleare Option“ Pekings als leere Drohung. Leidet die Weltwirtschaft, leidet auch China als größter Exporteur. Ebenso würde sich der Wert der amerikanischen Staatsanleihen verringern, die das Land noch hält. Verlöre zudem der Dollar an Wert, würden amerikanische Exporte auf dem Weltmarkt günstiger, was Peking dazu zwingen würde, seine eigene Währung Renminbi mit erheblichen Verkäufen zu verteidigen, um eigene Waren nicht zu verteuern. Fachleute gehen davon aus, dass China zu anderen Waffen greifen wird, sollten sich Präsident Xi Jinping und Trump bei ihrem anstehenden Treffen am Rande des G-20-Gipfels in Japan nicht einigen: Es würde seine Währung um ein gutes Stück gegenüber dem Dollar abwerten lassen und womöglich tatsächlich an bestimmte amerikanische Unternehmen – etwa aus der Rüstungsindustrie – keine seltenen Erden mehr liefern.

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