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Asiatische Börsen : China und die große Sorge vor dem Kollaps

Nach andauernden Verlusten legte der Schanghai Composite am Freitag zu. Bild: AP

Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die Börsenkurse sind seit Jahresbeginn stark gesunken. Eine Milliardenrettung durch den Staat rückt näher.

          In einer ungewöhnlich konzertierten Aktion hat Chinas Regierung am Freitag versucht, die Sorge vor einem Kollaps der chinesischen Wirtschaft kleinzureden. Wenige Stunden bevor das Nationale Statistikamt in Peking verkündete, dass die Wirtschaft im dritten Quartal mit 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum so langsam gewachsen ist wie seit der Finanzkrise nicht mehr, mahnten die drei wichtigsten Finanzregulatoren zur Ruhe.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die „ungewöhnlichen Schwankungen“ auf dem chinesischen Finanzmarkt spiegelten nicht korrekt den Zustand der Wirtschaft und die Stabilität des Finanzsystems wider, sagte der Chef des Bankenregulators CBIRC in einem Interview, das kurz vor Bekanntgabe der Wachstumsdaten auf der Internetseite der Behörde veröffentlicht wurde. Die Aussage bezog sich auf den starken Fall der Kurse an Chinas Börsen und des Werts der Währung Yuan.

          Verluste sind ein Dauerthema

          So hat der marktbreite Index Shanghai Composite, der sämtliche der rund 1500 an der größten Börse Chinas notierten Unternehmen abbildet und auf seinem Höhepunkt im Mai 2015 eine Marktkapitalisierung in Höhe von 36 Billionen Yuan hatte (4,5 Billionen Euro), seit Jahresbeginn ein Viertel seines Werts verloren.

          Auch der Gouverneur der nicht unabhängigen Zentralbank, Yi Gang, mahnte zur Ruhe und befand die Börsenturbulenzen als irrational. Das Wachstumspotential der chinesischen Wirtschaft sei „extrem stark“, sagte Yi in einer Mitteilung, die auf der Internetseite der Zentralbank veröffentlicht wurde.

          Chinas Anleger werteten die beruhigenden Worte der Politik als Hinweis darauf, dass Peking wie nach dem Börsencrash Mitte 2015 nun bald beginnen könnte, im großen Stil mit vielen Milliarden Yuan Aktienbestände aufzukaufen, um damit die Kurse wieder nach oben zu drücken. Fast zeitgleich mit den anderen Regulatoren hatte sich auch der Chef des Börsenregulators CSI zu Wort gemeldet. Er versprach, dass die Lokalregierungen jenen börsennotierten Unternehmen mit Kapital zur Seite springen würden, die zum Beispiel Bankkredite mit den eigenen Aktien abgesichert hatten und angesichts der Kursverluste nun in Bedrängnis geraten sind.

          In der Folge stiegen die Kurse an der Schanghaier Börse am Freitag bis zum Handelsschluss wieder um 2,6 Prozent. Bleibe es jedoch nur bei Worten und erfülle sich die Hoffnung der Anleger auf eine milliardenschwere Rettung durch den Staat nicht, könnten die Kurse bald wieder fallen, glauben viele Beobachter. Zig-Millionen Chinesen aus der Mittelschicht haben in diesem Jahr schon beträchtliche Summen an der Börse verloren. Die Verluste sind Dauerthema in Restaurants und Großraumbüros. Sänken die Kurse weiter, könnte dies die Position Pekings im Handelskrieg mit Amerika weiter schwächen.

          Auf der anderen Seite hat Peking jedoch wenig Interesse daran, abermals mit Milliarden die Finanzmärkte zu stützen. Denn das würde dem Bemühen zuwiderlaufen, die extrem hohe Verschuldung der Wirtschaft zu reduzieren, die nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds und auch nach Ansicht der Regierung selbst zumindest viele der Regionalbanken ins Wanken bringen und die Stabilität des Finanzsystems gefährden könnte.

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