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Konkurrenz am Rohstoffmarkt : China startet eigenen Öl-Terminhandel

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China bietet jetzt den Handel mit Rohöl in eigener Währung an. Bild: Reuters

Der weltweite Ölmarkt wird vom Dollar beherrscht. Dagegen möchte China etwas tun und hat nun einen eigenen Öl-Future ins Leben gerufen.

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          Die Vereinigten Staaten sind in jeglicher Hinsicht eine Weltmacht. Es sind nicht nur die Wirtschaft oder das Militär, die diese Macht sichern. Auch der Dollar trägt zur enormen Bedeutung des Landes bei. Der weltweite Rohstoffhandel wird von der Währung beherrscht. Jeder, der Öl, Gold oder andere Rohstoffe sowie Edelmetalle kaufen möchte, muss sich Dollar besorgen. Ein Umstand, der dazu beiträgt, dass der Greenback die Weltleitwährung ist. Dagegen möchte China etwas tun.

          Nach jahrzehntelangem Zögern ist China zum Wochenbeginn in den sogenannten Terminhandel am Rohölmarkt eingestiegen. Damit macht das Reich der Mitte den bislang führenden Öl-Handelsplätzen Konkurrenz. Zudem nagt das Land an der Dominanz des Dollars als Weltleitwährung. Seit Montag werden die ersten auch als Future bekannten Verträge auf zukünftige Öllieferungen im Finanzzentrum Shanghai gehandelt. Der Terminhandel wird in der chinesischen Landeswährung Yuan (Renminbi) abgewickelt und steht auch ausländischen Anlegern offen.

          Bislang wird der Öl-Handel von zwei Terminkontrakten dominiert

          Ein Barrel (159 Liter) Öl zur Lieferung im September wurde nach Handelsstart bei rund 428 Yuan (knapp 68 Dollar) gehandelt. Dabei wurden über 18.000 Transaktionen verzeichnet. Terminkontrakte sind der übliche Weg, über den am Ölmarkt gehandelt wird. Er findet bislang vor allem an Rohstoffbörsen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien satt.

          Der Käufer eines Futures ersteht Öl zu einem feststehenden Preis bei Lieferung zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt. Der größte Nutzen liegt in der Verringerung von Risiken durch Preisschwankungen, die sowohl Käufer als auch Verkäufer treffen können. Andererseits monieren Kritiker, dass Terminkontrakte Spekulanten auf den Plan rufen und dadurch zu irrationalen Kursschwankungen führen können.

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          Bislang wird der Öl-Handel von zwei Terminkontrakten dominiert, die sich auf das Nordseeöl Brent beziehungsweise auf das amerikanische Öl WTI beziehen. Beide Kontrakte werden in Dollar abgewickelt. Der Brent-Kontrakt zur Lieferung im September kostete am Montag umgerechnet ähnlich viel wie der neue chinesische Future, der sich auf verschiedene Ölsorten bezieht. Der Preis des WTI-Kontrakts lag mit rund 64 Dollar wie üblich niedriger als der des Brent-Futures, was auf die geringere Qualität des Öls zurückzuführen ist.

          China will mitreden

          Der Schritt, einen chinesischen Terminhandel für Rohöl zu etablieren, ist der erste seit einem gescheiterten Versuch im Jahr 1993. Die hohen chinesischen Ölimporte sind ein wichtiger Grund für das Bedürfnis Chinas, die Preisbildung am Ölmarkt mit zu kontrollieren. Im vergangenen Jahr hatte China die USA als weltweit größter Importeur ausländischen Öls überholt.

          Fachleuten zufolge geht es für China aber auch darum, die Bedeutung der Landeswährung Yuan zu steigern. Bislang wird Rohöl weit überwiegend in Dollar gehandelt. Auch beim sonstigen Warenhandel ist die Dominanz der amerikanischen Währung ungebrochen. Vereinzelte Abgesänge auf den Dollar haben sich bislang als verfrüht erwiesen. Daran hat auch die Aufnahme des Yuan in die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF), eine Art Weltreservewährung, nichts geändert.

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