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Staatliche Regulierung : Chinas Milliardäre verlieren große Teile ihrer Vermögen

Milliardär Wang Xing (Mitte) hat den Essenslieferdienst Meituan gegründet. Bild: Reuters

Die chinesische Zentralregierung findet immer neue Gründe, um mit aller Härte gegen die private Tech-Industrie vorzugehen. Nun fallen die Aktienkurse der Konzerne und viele Chinesen bangen um ihr Vermögen.

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          In diesen Monaten entdecken Chinas Privatunternehmer ihre Großzügigkeit. Pony Ma etwa, Gründer und Vorstandschef des Technologiekonzerns Tencent, hat schon in früheren Jahren für wohltätige Zwecke gespendet. Die umgerechnet 7,7 Milliarden Dollar, die Tencent im April für Schulen, arme Dörfer im chinesischen Hinterland und Projekte zu erneuerbaren Energien gab, sind in der Unternehmensgeschichte jedoch bisher unerreicht.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Wang Xing, Gründer des Essenslieferdienstes Meituan, spendete im Mai 2,3 Milliarden Dollar für Bildung und Wissenschaft. Die diesjährige Wohltätigkeitsrangliste in der Volksrepublik hatte bis dato Colin Huang angeführt, Gründer der E-Commerce-Plattform Pinduoduo, der 1,9 Milliarden Dollar aus seinem Vermögen gegeben hatte.

          In einer Zeit, in der die Kommunistische Partei Chinas ihre Wurzeln wiederentdeckt und unter der Flagge des Gemeinwohls so hart wie nie gegen die private Tech-Industrie vorgeht, könnten sich die Großspenden für die Internetmilliardäre, ihre Konzerne und deren Anteilseigner bezahlt machen. Seit die Führung in Peking mit wöchentlichen, manchmal sogar täglich neuen harten Schlägen die Geschäftsmodelle von Tencent, Meituan & Co. angreift, sinken die Aktienkurse der Unternehmen und damit auch die Vermögen ihrer Gründer so schnell wie noch nie in der Geschichte der Volksrepublik.

          Vermögensverlust von 16 Prozent

          Seitdem die Pekinger Regulatoren Anfang Juli eine Untersuchung des chinesischen Fahrdienstes Didi Chuxing zwei Tage nach dessen Börsengang in New York bekannt geben haben, ist der Reichtum von zwei Dutzend chinesischen Milliardären aus der Technologieindustrie Berechnungen der „Financial Times“ zufolge um 16 Prozent oder 87 Milliarden Dollar gesunken. Allein das Vermögen von Tencent-Gründer Pony Ma sank demnach auf dem Papier um ein Viertel, was einen Verlust von 12 Milliarden ausmacht. Noch härter traf es Pinduoduo-Gründer Colin Huang, der fast 16 Milliarden Dollar verlor, was ein Drittel seines vorigen Vermögens darstellt. Seitdem Peking im Herbst den Börsengang des Finanzdienstleisters Ant Financial gestoppt hat, ist das Vermögen von dessen Gründer Jack Ma, der auch den Internetkonzern Alibaba aus der Taufe gehoben hat, um fast 13 Milliarden Dollar gefallen.

          Weil die Partei offensichtlich die Tech-Industrie stärker unter ihre Kontrolle bringen und diese für ihre eigenen politischen Ziele einspannen will, überziehen Chinas Regulatoren die Unternehmen der Technologiebranche seit Monaten mit Vorwürfen angeblicher Verstöße gegen das Wettbewerbsrechts, der nationalen Sicherheit Chinas, des Datenschutzes, der Gefährdung der Jugend, der Ausbeutung der Mittelschicht und anderen Dingen.

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          Mit ihren Spenden können die Konzerne und ihre Gründer wohl nicht darauf hoffen, von Regulierungsattacken verschont zu bleiben. Stattdessen sollen die wohltätigen Gaben den Finanzmärkten signalisieren, dass die Unternehmen und ihre milliardenschweren Lenker die Zeichen der Zeit erkannt haben und auf die neue Linie der Partei einschwenken. Das soll die Aktienkursen vor neuen, heftigen Verlusten bewahren.

          Sinken diese sehr stark, könnten die Vermögen der Internetmilliardäre noch stärker in Gefahr sein als auf dem Papier ersichtlich. Jüngst hatte die „FT“ unter Verweis auf Unternehmensunterlagen berichtet, dass die Alibaba-Gründer Jack Ma und Joe Tsai Teile ihres kombinierten Anteils von 5,8 Prozent an Alibaba als Sicherheit für Kredite von Banken hinterlegt haben. Eine solche Verpfändung der eigenen Unternehmensanteile ist bei Milliardären beliebt, um das eigene Vermögen zu diversifizieren, ohne Aktien verkaufen zu müssen. Werden die Kreditnehmer allerdings im Fall starker Kursverluste der Aktien aufgefordert, die Verluste auszugleichen, könnten diese gezwungen sein, Anteile zu verkaufen, was den Aktienkurs der Unternehmen weiter senken könnte. Es ist nicht bekannt, ob andere Milliardäre Aktien verpfändet haben.

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