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Arbeitsplätze in Banken : Kaum neue Brexit-Verlagerungen

Nach dem Brexit werden kaum noch Arbeitsplätze von Banken ins Ausland verlagert. Bild: Reuters

In den letzten Monaten haben britische Banken kaum noch Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Dafür gibt es Ärger, weil die EU noch nicht entschieden hat, wie britische Banken Zugang zu EU-Bürgern haben werden.

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          Nach dem endgültigen Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt haben britische Banken kaum weiter Arbeitsplätze verlagert. Wie aus den Ergebnissen einer großen Umfrage hervorgeht, stieg die Zahl der Arbeitsplatzverluste am Finanzplatz London nur noch minimal. Vor sechs Monaten waren insgesamt 7500 Arbeitsplätze verlagert worden, nun steht diese Zahl bei 7600, meldete die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY. Damit hat London seit 2016 eine niedrige einstellige Prozentzahl Stellen in der Finanzbranche verloren.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Das ist weit weniger als in einigen Prognosen befürchtet. Gleichzeitig haben Fintechs mehrere tausend neue Stellen in London geschaffen. Die meisten Banken und Finanzdienstleister, die seit dem Brexit-Referendum 2016 neue Standorte in EU-Städten aufgebaut haben, gingen laut der EY-Umfrage nach Dublin (36), gefolgt von Luxemburg (29), Frankfurt (23), Paris (20), Amsterdam und Madrid (je 8). Nimmt man die Zahl der seit 2016 geschaffenen Stellen, liegen Frankfurt und Paris vor Dublin und Luxemburg.

          Keine Einigung über EU-Kunden

          Noch immer ist unsicher, wie der Zugang britischer Banken zu EU-Kunden nach dem Brexit sein wird. Brüssel hat noch nicht über die „Äquivalenz“ der Regulierung entschieden. Erst wenn die EU eine gleichwertige Regulierung bescheinigt, haben Londoner Banken freien Marktzugang. Notenbankchef Andrew Bailey hat sich zunehmend verärgert über die Brüsseler Hinhaltetaktik gezeigt und warf Brüssel vor, höhere Anforderungen an Großbritannien als etwa an Amerika zu stellen. Bis Ende März soll zumindest ein „Memorandum of Understanding“ als grundsätzliche Übereinkunft unterzeichnet werden.

          Unterdessen plant der britische Finanzminister Rishi Sunak nach Medienberichten, attraktivere Regeln für Börsengänge zu schaffen, um London gegen New York, Amsterdam und Frankfurt zu stärken. Zeitgleich mit dem Haushaltsplan wird Sunak an diesem Mittwoch einen Bericht des früheren EU-Finanzkommissars Jonathan Hill veröffentlichen, der dazu Vorschläge macht. Dazu dürften lockerere Regeln für Aktien mit und ohne Stimmrechte zählen, so dass Unternehmensgründer beim Börsengang leichter ihre Stimmrechtsmehrheit behalten können. Ebenso wird über geringere Mindestwerte für den Streubesitz nachgedacht. Im Fokus stehen außerdem sogenannte Spacs. Der stark wachsende Markt für diese Zweckgesellschaften für Unternehmensübernahmen wird bislang stark von der New Yorker Börse dominiert. London will mehr solcher Mantelgesellschaften anziehen.

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