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Großer Hedgefonds : Wer ist eigentlich Bridgewater?

Ray Dalio ist Chef von Bridgewater, eines der größten und erfolgreichsten Hedgefonds der Welt. Bild: Reuters

Einer der größten Hedgefonds der Welt setzt auf fallende Aktienkurse in Europa. Wie funktioniert eigentlich dessen Strategie?

          Die im Jahr 1975 gegründete Bridgewater Associates wird als größter Hedgefonds-Anbieter der Welt gehandelt. Allerdings sind solche Titel immer Momentaufnahmen. Derzeit verwaltet Bridgewater nach eigenem Bekunden ungefähr 160 Milliarden Dollar. Der bisher Zweitplatzierte, AQR Capital, bezifferte das verwaltete Vermögen zuletzt allerdings auf 224 Milliarden Dollar.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bridgewater setzt dabei auf eine „Allwetter-Strategie“, die von Hedgefonds generell verfolgt und von ihren Kunden erwartet wird: Sie sollen Erträge bringen, ganz egal wie die Lage in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten ist, ob die Kurse steigen oder fallen. Basisansatz ist es, Volkswirtschaften und Märkte in ihre Bestandteile zu zerlegen und deren Beziehungen über die Zeit zu studieren. Dabei gehe es darum, Überraschungen zu erwarten. Die Märkte reagieren umso stärker auf ein Ereignis, je weniger sie es erwartet haben.

          Der Chicken-Mc-Nugget-Future

          In seiner ausführlichen Erläuterung der Strategie und ihrer Genese führt Bridgewater die Einführung des „Chicken McNugget“ durch McDonald’s als frühes Beispiel an, wie man Risiken ausgleicht. Die Hamburgerkette habe seinerzeit befürchtet, durch das neue Produkt höhere Hühnerfleischpreise auszulösen. Gleichzeitig wollten die Geflügelfleischproduzenten nicht zu festen Preisen verkaufen, weil sie höhere Produktionskosten fürchteten. Da sich dies vor allem auf Sojamehl und Mais bezog, habe man einen Terminkontrakt auf diese beiden Produkte geschaffen, mit dem sich die Fleischproduzenten absichern konnten.

          Jeder Zahlungsstrom könne auf derartige Weise zerlegt werden, schreibt der Hedgefonds-Anbieter. Für Investmentfonds seien die Komponenten: Geldmarktsatz, vermögenswertspezifischer Aufschlag (Beta) und Prämie für die richtige Auswahl (Alpha). Die Prämie sei marktweit ein Nullsummenspiel und es komme vor allem darauf an, das Beta zu maximieren. Das heißt, das Vermögen richtig auf die Anlageklassen zu verteilen.

          Deren Wertentwicklung ist wiederum vom wirtschaftlichen Umfeld abhängig, Aktieninvestments etwa vom Wirtschaftswachstum. Dieses Risiko gilt es abzusichern (Hedging), etwa durch Anleihen mit langer Amortisationsdauer (Duration) - und mittels Terminkontrakten lässt sich jede beliebige Amortisationsdauer herstellen.

          Kredite und Derivate

          Insgesamt sollten in einem Portfolio Inflations- und Wachstumsrisiken ausgewogen sein, so Bridgewaters Ansatz. Immer geht es dabei darum, was der Markt erwartet und wie groß das Überraschungspotential eingeschätzt wird. Dies definiert das Risiko, gegen welches das Portfolio abgesichert werden soll. Gebaut wird das Portfolio aber vor allem mit Terminkontrakten, Swaps und anderen Derivaten.

          Zudem werden Kredite eingesetzt, um die Rendite bei gleichbleibendem Risiko zu erhöhen. Wenn man zu gleichen Teilen in Aktien und Anleihen investiere, habe das Portfolio mehrheitlich ein Aktien-Risiko. Mehr Anleihen sorgen für weniger Rendite. Wenn aber zusätzlich ein Teil auf Kredit finanziert werde, so fällt der Ertrag aktienähnlich aus, lautet die Erklärung.

          Das Problem steigender Zinsen

          Die Allwetter-Strategie wurde in den vergangenen Jahren unter dem Namen „Risk-parity“ (Risikoparität) bekannt und beliebt. Wie Bridgewater einräumt, sind vor allem steigende Zinsen unter Umständen negativ für diese Strategie. Steigen die kurzfristigen Zinsen, kann Liquidität vergleichsweise ertragreicher werden, weil die Risikoprämien für die Vermögensklassen (Beta) nicht mehr als angemessen betrachtet werden. Dies könnte bei den jüngsten Kursverlusten am Aktienmarkt eine Rolle gespielt haben.

          Allerdings sei eine Situation, in der Liquidität allen Vermögensklassen überlegen sei, nicht lange haltbar. Dies widerspreche dem Sinn einer Zentralbankpolitik, die billigeres Geld zur Verfügung stellt, damit dies risiko- und ertragreicheren Verwendungen zugeführt werden kann. Es seien daher in einem solchen Fall wieder Zinssenkungen zu erwarten.

          Eine andere Strategie, die Bridgewater anbietet, ist das sogenannte „Pure Alpha“. Hier wird ein Portfolio aus wenigen, in ihrer Wertentwicklung nicht voneinander abhängigen Vermögenswerten gebildet und mittels Krediten und entweder einem Vergleichsindex oder einem Liquiditäts-Investment verknüpft.

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