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Starke Ausschläge : Das Pfund als Brexit-Barometer

Britische Geldscheine Bild: dpa

Hoch und runter ist das Wesen der Börse. Das hat meistens gute Gründe. Beim britischen Pfund ist es eher der Ausdruck von Stochern im Nebel.

          Nichts spiegelt das Wirrwarr um den No-Deal-Brexit, Doch-Deal-Brexit, Überhaupt-kein-Brexit, Hard-Brexit oder Vielleicht-später-Brexit so gut wider wie der Kurs des britischen Pfunds.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den größten Teil des Jahres 2018 wertete es im Zuge von schwindenden Hoffnungen, dass alles noch gut werden könnte ab. Als dann das eigentliche Brexit-Datum näher rückte, wertete es wieder auf, im Trend schon seit Dezember. Und täglich heißt es: Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln, so dass der Kurs von Tag zu Tag vor sich hin schwankt.

          Reaktion auf Bercow

          Das zeigt sich gerade aktuell wieder im Umgang des Marktes mit der Ankündigung von Parlamentspräsident John Bercow, er werde eine abermalige Abstimmung über den schon zweimal abgelehnten Brexit-Vertrag nur dann zulassen, wenn dieser in der Substanz geändert worden sei. Das heißt im Klartext, dass die geplante dritte Abstimmung darüber nach derzeitigem Stand nicht stattfinden wird.

          Das Pfund wertete daraufhin am Montag deutlich ab: Mit 1,33 Dollar in den Tag gestartet, sank der Kurs bis auf 1,319 Dollar ab und damit unter die Marke von 1,32 Dollar, die als kurzfristige Unterstützung gegolten hatte.

          Doch schon am späten Nachmittag begann der Markt wieder umzudenken und das Pfund wertete in Asien bis auf 1,328 Dollar auf. Aktuell bröckelt die Notierung wieder etwas.

          GBP/USD

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          Neil Wilson, Chef-Marktanalyst bei markets.com hat dafür eine einfache Erklärung: Erstens habe die Regierung schon vorher die Erwartungen an eine dritte Abstimmung gedämpft. Zweitens wisse eigentlich kein Händler, ob es nun positiv oder negativ sei, wenn die Abstimmung nicht stattfindet.

          Heiße das dann, das ein No-Deal-Brexit wahrscheinlicher wird? Oder dass der Brexit länger verschoben wird als nur um drei Monate? Das hat den Anschein, denn es wird kolportiert, Premierministerin May plane nun eine Verschiebung um neun bis zwölf Monate, damit die „Brexiteers“ ihre Strategie noch einmal überdenken könnten. Das lässt das Pfund wieder aufwerten

          Man möchte derzeit nicht Devisenhändler sein. Denn auch längerfristig weiß anscheinend niemand wirklich, wohin die Devise steuert. Es hängt eben davon ab, wie die Folgen des Brexit eingeschätzt werden. Der Vermögensverwalter Merian Global Investors etwa hält das Pfund für billig. Kurse von bis zu 1,45 Dollar seien möglich, sobald man irgendeine Form von Klarheit erhalte. Die schwedische Nordea Bank dagegen halt jede Art von Brexit-Optimismus für überzogen und rät zum Verkauf.

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