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Brexit-Turbulenzen : Schwächeanfall des britischen Pfunds

Unter Druck: Die Anleger haben auf die verschobene Abstimmung über den Brexit reagiert. Bild: dpa

Die politischen Wirren im Londoner Parlament alarmieren die Anleger. Die Furcht vor einem ungeordneten EU-Austritt wächst.

          Das Brexit-Drama in Großbritannien setzt das Pfund unter Druck: Am späten Nachmittag fiel der Wechselkurs der britischen Währung in Relation zum Dollar zeitweise um 1,7 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit gut anderthalb Jahren. Gegenüber dem Euro verlor das Pfund 1,5 Prozent an Wert.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          So starke Kurseinbußen sind im Handel mit bedeutenden Währungen eher selten. Auch der Leitindex des Londoner Aktienmarkts FTSE 100 drehte ins Minus.

          Auslöser für die Flucht der Devisenhändler aus dem Pfund war die Ankündigung der britischen Premierministerin Theresa May, die Abstimmung über das umstrittene Austrittsabkommen mit der Europäischen Union zu verschieben. Die Regierungschefin gestand in einer Rede im Unterhaus ein, dass es für den geplanten Brexit-Deal derzeit keine parlamentarische Mehrheit in Großbritannien gebe. Ohne die Zustimmung der Abgeordneten kann das Austrittsabkommen aber nicht in Kraft treten.

          An den Finanzmärkten wächst deshalb die Furcht, dass es Ende März zu einem wirtschaftlich besonders schädlichen ungeordneten Brexit kommt – ohne Übergangsregelungen für die wichtigen Handelsbeziehungen mit den EU-Staaten. Am Anleihemarkt fiel die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen; die zunehmenden wirtschaftlichen Risiken des EU-Austritts machen eine Leitzinserhöhung durch die Bank von England aus Sicht der Händler auf absehbare Zeit unwahrscheinlicher. Am Aktienmarkt verlor das Papier der britischen Fluggesellschaft Easyjet mehr als 5 Prozent an Wert. Immobilienwerte standen ebenfalls unter Druck.

          May kündigte im Parlament an, sie werde versuchen, bei der EU Nachbesserungen in dem fast 600 Seiten dicken Austrittsabkommen zu erreichen. Für viele britische Abgeordnete sind vor allem die bisher vorgesehenen Regelungen zu Nordirland nicht hinnehmbar. Sie fürchten, dass ihr Land dadurch trotz Brexit dauerhaft eng an die EU gefesselt bleiben könnte.

          GBP/EUR

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          Der starke Kursverlust des Pfunds signalisiert allerdings, dass viele Akteure am Devisenmarkt nicht daran glauben, dass die EU den Briten deutlich entgegenkommen wird und das Austrittsabkommen dadurch für das Parlament in London akzeptabel wird.

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