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Brexit-Chaos und Preisschlacht : Aktienkurs von Thomas Cook bricht ein

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Das Brexit-Chaos und eine Preisschlacht bei den Sommerreisen setzen den Touristikkonzern Thomas Cook deutlich unter Druck. Bild: AFP

Harte Konkurrenz und die Folgen des Brexits machen Thomas Cook zu schaffen. Der Vorstand erhofft sich rettendes Geld durch den Verkauf der Fluggesellschaften. An der Börse glaubt man nicht daran, der Aktienkurs verliert massiv.

          Das Brexit-Chaos und eine Preisschlacht bei den Sommerreisen setzen den Touristikkonzern Thomas Cook heftig unter Druck. Wegen der trüben Geschäftsaussichten in Großbritannien strich der Konzern den Wert mehrerer britischer Veranstaltermarken um mehr als eine Milliarde Pfund zusammen. Für das Winterhalbjahr bis Ende März stand bei Thomas Cook daher ein Nettoverlust von knapp 1,5 Milliarden britischen Pfund zu Buche, wie das Unternehmen mit Marken wie Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor am Donnerstag in London mitteilte.

          Ein Jahr zuvor hatte das saisontypische Minus nur 255 Millionen Pfund betragen. Die von der Abschreibung betroffenen Marken hatte Thomas Cook vor rund zwölf Jahren im Zuge der Fusion mit dem Veranstalter MyTravel übernommen.

          Das laufende Geschäft werde 2019 wohl noch weniger Gewinn einbringen als im vergangenen Jahr, sagte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser. Er bereitete Kunden und Aktionäre auf eine Rabattschlacht vor. Schon im Sommer 2018 hatte eine Preisschlacht bei Last-Minute-Reisen dem Unternehmen seine Gewinnpläne verhagelt. Diesmal dürften zusätzlich höhere Kosten für Hotels und Kerosin aufs Ergebnis drücken, schätzt der Manager.

          Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten sehr negativ aufgenommen. Der Kurs der Thomas-Cook-Aktie sackte am Morgen um fast ein Viertel ab und lag unter 20 britischen Pence. Im späten Handel verlor der Aktienkurs immer noch mehr als 12 Prozent.

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          Seit Mai 2018 hat das Papier fast 90 Prozent an Wert verloren. An der Börse ist Thomas Cook umgerechnet gerade noch rund 340 Millionen Euro wert. Sein größter Rivale Tui, dessen Aktie seither ebenfalls heftig gebeutelt wurde, kommt auf rund 5,5 Milliarden Euro.

          Verkauf der Fluggesellschaften geplant

          Die Hängepartie um den EU-Austritt Großbritanniens halte viele Briten von der Urlaubsplanung ab, sagte Fankhauser. Es gebe wenig Zweifel daran, dass viele Menschen in dem Land ihre Reisebuchungen vorerst auf Eis gelegt hätten. Aber auch in allen anderen Märkten, in denen Thomas Cook Reisen verkauft, sei das Buchungsverhalten der Kunden unsicher. Nach der langen Hitzewelle im vergangenen Sommer hätten im Winter weniger Menschen Reisen ins Warme gebucht.

          Rettendes Geld erhofft sich Thomas Cook jetzt von dem Verkauf seiner Fluggesellschaften. „Wir wollen die Überprüfung des Airline-Geschäfts zu einem guten Abschluss führen, um die Liquidität des Konzerns zu verbessern“, sagte Fankhauser. Mehrere Interessenten hätten Gebote für die gesamte Airline-Gruppe sowie Teile davon abgegeben. Namen von Interessenten nannte der Manager nicht. Die Lufthansa hatte jedoch jüngst schon erklärt, dass sie ein unverbindliches Gebot für Condor abgegeben habe.

          Thomas Cook hatte seine Ferienfluggesellschaften Anfang Februar zum Verkauf gestellt. Das Geld aus dem Verkauf will Fankhauser nutzen, um noch mehr in eigene Hotels und neue Technologien zur Reisevermarktung zu investieren. Um auf jeden Fall über den nächsten Winter zu kommen, hat sich der Reisekonzern bei Banken bereits eine Kreditlinie über 300 Millionen Pfund gesichert.

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