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Angst vor dem Virus : Breiter Kursverfall an den Weltbörsen

Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse. Bild: dpa

Das Coronavirus infiziert immer mehr Menschen außerhalb Chinas. Die Sorgen vor dem Virus haben schon 3 Billionen Euro Börsenwert vernichtet. Die Wall Street erlebte den schlechtesten Tag seit zwei Jahren. Ein Ende ist nicht in Sicht.

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          Die Angst vor dem Coronavirus hält die Anleger fest im Griff. Der deutsche Aktienindex Dax gab am Donnerstag bis zum Handelsschluss um rund 3,2 Prozent auf 12.367 Punkte nach. Seit Wochenanfang hat er mehr als 9 Prozent an Wert verloren. An der Wall Street in New York büßte der Dow-Jones-Index im Tagesverlauf fast 1200 Punkte ein und schloss unter der Marke von 26.000 Punkten auf dem tiefsten Stand seit August 2019. In dieser Woche liegt der Index ebenfalls schon mehr als 11 Prozent im Minus.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Kurskorrektur hat auf der ganzen Welt inzwischen die Marktkapitalisierung an den Aktienmärkten um rund 3 Billionen Euro verringert. Am europäischen Aktienmarkt hat der breite, 600 europäische Werte umfassende Index Stoxx 600 seit seinem Hoch am 19. Februar inzwischen mehr als 1,2 Billionen Euro an Börsenwert verloren. Auch der Ölpreis spiegelt die Konjunkturrisiken: Die Notierung für die Nordseesorte Brent fiel am Donnerstag um mehr als 4 Prozent auf 51,47 Dollar je Barrel (159 Liter), den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr. Gegenüber dem Vorwochenschluss hat sich Öl um gut 10 Prozent verbilligt.

          Unter Investoren setze sich die Erkenntnis durch, dass die Coronavirus-Epidemie viel schlimmer sei als zunächst gedacht – mit entsprechenden Folgen für die Wirtschaft, sagte Anlagestratege Philip Marey von der niederländischen Rabobank. Daher warnten immer mehr Unternehmen vor den Folgen der Epidemie. Nach Apple kappte mit Microsoft das zweite amerikanische Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion Dollar seine Geschäftsziele. „Nicht einmal die Elite ist immun gegen das Virus“, sagte Analyst Brent Thill von der Investmentbank Jefferies. Microsoft-Aktien fielen um 7,1 Prozent im Kurs.

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          „Das, was wir an der Börse im Moment erleben, ist irgendwo zwischen Angst und Panik“, sagt Thomas Altmann, Portfoliomanager von der Vermögensverwaltung QC Partners. Der Versuch des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, die Menschen zu beruhigen, sei ins Leere gelaufen: „Stattdessen hat er alle noch einmal wachgerüttelt.“ Trump hatte am Mittwochabend gesagt, er selbst gehe nicht davon aus, dass eine Pandemie unausweichlich sei. Das Risiko für das amerikanische Volk „bleibt sehr gering“ und es „gibt keinen Grund zur Panik“.

          Nouriel Roubini, Professor an der New Yorker Universität, ist ebenfalls skeptisch. In einem Interview mit Bloomberg nannte er Hoffnungen auf eine schnelle Erholung von Chinas Wirtschaft „wahnhaft”. Das Wachstum werde in diesem Jahr bestenfalls 4 Prozent erreichen, verglichen mit rund 6 Prozent im Jahr 2019, schätzt Roubini. Obwohl er erwartet, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve die Zinsen im März senkt, glaubt er nicht, dass dies in der Lage sein wird, den vom Virus verursachten negativen Versorgungsschock zu beheben. Für die globalen Aktienmärkte prognostiziert der Ökonom im Interview mit der Zeitschrift „Der Spiegel” einen Einbruch von 30 bis 40 Prozent.

          Kursgewinner sind die Ausnahme. Zu ihnen gehörten am Donnerstag am deutschen Aktienmarkt die Titel von Teamviewer, die zeitweise 3,8 Prozent an Wert gewannen. Das Unternehmen stellt Software für Computer-Fernwartung und Videokonferenzen her. Diese Technologie dürfte nach Ansicht einiger Marktteilnehmer vor allem dann gebraucht werden, wenn immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter zu Hause arbeiten lassen, um Ansteckungsgefahren zu vermeiden. Auch in Japan hatten zuletzt die Anbieter von „Home-Office“-Technologie deutlich zugelegt. Doch die Kursverlierer überwiegen deutlich. Die Lufthansa-Aktie verbilligte sich um 6,5 Prozent. Unter Druck standen auch die Autohersteller VW, Daimler und BMW. Deutschen Bank gaben um mehr als 5 Prozent nach.

          Immer mehr Anleger fliehen in die Anleihemärkte. Die Kursgewinne der Bundesanleihen drückten deren Renditen noch tiefer in den negativen Bereich. Die zehnjährige Rendite betrug minus 0,555 Prozent. Am amerikanischen Anleihemarkt verstärkt sich unter Marktteilnehmern die Erwartung einer Zinssenkung durch die Notenbank Fed, um Konjunkturrisiken abzufedern. Die Renditen der Staatsanleihen sanken abermals auf Rekordtiefs. Die Rendite zehnjähriger amerikanischer Treasuries fiel bis auf 1,2607 Prozent. Die Erwartung niedrigerer amerikanischer Zinsen ließ den Euro bis auf 1,0988 Dollar aufwerten.

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