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Neue Dienste : Braucht man noch Apple-Aktien?

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Apple will sich zum Unterhaltungskonzern wandeln. Bild: AP

Apple will sich vom Hardware- und Smartphone-Anbieter zum Unterhaltungskonzern wandeln, ist aber nur Verfolger. Einmal mehr steht der Konzern unter gewaltigen Druck - auch wegen der Aktionäre.

          Der amerikanische Hightech-Konzern Apple will sich neu erfinden und mit einem eigenen Streamingdienst Amazon und Netflix Marktanteile abnehmen. Aus dem erfolgreichen „iPhone-Konzern“ will Konzernchef Tim Cook in den kommenden Jahren einen noch erfolgreicheren Unterhaltungskonzern machen. Apple will künftig auch Spiele und ein Nachrichtenportal anbieten sowie seinen Bezahldienst Apple Pay um eine Kreditkarte ergänzen.

          Das klingt nicht mehr nach dem alten Hightech-Konzern, der mit Desktop-Computern und Smartphones seinen Aktionären in den vergangenen 15 Jahren gute Rendite eingebracht hat: „Jetzt geht es nicht mehr so viel darum, wie viel Hardware verkauft wird, sondern darum, wie viel Zeit die Nutzer auf der Apple-Plattform verbringen“, sagt auch Annette Zimmermann, Analystin des Marktforschungsunternehmens Gartner. „Die Akzeptanz der Verbraucher gegenüber Streaming-Angeboten wächst und immer mehr Anbieter wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Durch Apple erhalten die Platzhirsche Netflix und Amazon Prime Video ernstzunehmende Konkurrenz, welches mit Apple Music bereits beweisen konnte, dass es Medieninhalte erfolgreich „as a service“ an den Verbraucher bringen kann, sagt ebenso Frank Schwarz, Fondsmanager des MainFirst Global Equities Fund.

          Von Synergien profitieren

          Apple komme mit seiner Video-Plattform zwar vergleichsweise spät an den Markt, da in den Vereinigten Staaten schon drei Viertel der Internetnutzer Filme und Serien über Streaming-Abos bezögen – überwiegend von Netflix und Amazon, sagt Schwarz. Zudem wolle auch Disney noch 2019 mit einer eigenen Plattform durchstarten. „Allerdings gehen wir davon aus, dass die Konsumenten dazu übergehen werden, mehrere Streamingdienste gleichzeitig zu abonnieren und dafür lieber auf ihr Kabelpaket verzichten.“ Daher sei Potential für weiteres Wachstum vorhanden.

          Apple könnte zudem von Synergien profitieren, weil das Unternehmen anders als Netflix auf eigene Geräte setzen könne, um den Service unmittelbar an Millionen von Menschen weltweit zu vermarkten, etwa im Wege einer Vorinstallation oder auf älteren Geräten via Software-Update. Dann dürfte Apple schnell Marktanteile erobern können.

          Apple reagiert mit seinen neuen Diensten auch auf  Schwächen im Geschäft mit Smartphones und Tablets. Die jüngsten Meldungen aus der Branche zeigen, dass Apple zum richtigen Zeitpunkt startet und sein Heil eben nicht nur im bisherigen Hardware-Geschäft suchen kann.

          Mit Samsung Electronics hat einer der größten Konkurrenten im Smartphone-Bereich zuletzt seine Gewinnprognosen für das erste Quartal gesenkt. Der Branchenprimus kämpft mit fallenden Preisen für Speicherchips und einer schwächelnden Nachfrage nach Displays. Ebenso verdüstern das schwächere  Wirtschaftswachstum in China sowie der transpazifische Handelskonflikt die Aussichten. Vor einer Woche hatte der Technologieriese noch bessere Geschäfte mit Speicherchips in der zweiten Jahreshälfte in Aussicht gestellt.

          Apple versucht also eine Wende und wohl gleichzeitig auch die hauseigenen Fan-Gemeinschaft und nicht zuletzt die Aktionäre zufrieden zu stellen, die nach wie vor jedes Quartal begeistert werden müssen. Apple ist schließlich Apple und nicht irgendein Unternehmen, auch wenn sie in den vergangenen zwei Jahren mit Apple-Anteilscheinen kleinere Brötchen backen mussten.

          Weg von der iPhone-Abhängigkeit

          Apple ist zwar nach wie vor sehr profitabel, aber eben nicht mehr so attraktiv wie zu Beginn der iPhone-Ära. Wer im Jahr 2009 eine Summe von 10.000 Euro in Aktien von Apple investiert hat und Steve Jobs und seinen Produkt-Visionen Glauben geschenkt hatte, für den konnten bis zum heutigen Tag daraus mehr als 145.000 Euro werden.

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