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Börsenwoche : Das Märchen der Weihnachtsrally

Bringt Santa Claus auch Geschenke zu unartigen Bankern? Bild: UPI/laif

Dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, dürfte wohl jedem Banker klar sein. An die Mär der Weihnachtsrally glaubt jedoch der ein oder andere Börsianer. Was ist dran an der Geschichte?

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          Es gibt solche Geschichten, die werden jedes Jahr wieder erzählt. Gerade die Börse hat davon manchmal mehr parat, als gut für sie sind. Zu diesen beliebten Geschichten gehört auch die Weihnachtsrally. Genau so, wie der Weihnachtsmann die Geschenke bringt, so soll die Weihnachtsrally noch mal Kursgewinne zum Jahresende bringen. Das Problem daran ist nur: So wenig, wie es leider den Weihnachtsmann gibt, so wenig gibt es eine Weihnachtsrally. Doch in jedem Märchen soll es auch den berühmten Funken Wahrheit geben – ist das auch hier der Fall?

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unter einer Weihnachtsrally versteht man klassischerweise Kursanstiege im Dezember. Der gemeine Börsianer erfindet dafür aber lieber Begriffe, damit es schmissiger klingt – und sich natürlich besser verkaufen lässt. In diesem Jahre kann man von einer Weihnachtsrally definitiv nicht sprechen. Allein in dieser Woche verlor der F.A.Z.-Index 2,3 Prozent auf 2047 Punkte. Der deutsche Aktienindex Dax gab 2,2 Prozent ab auf 10.631 Punkte. Im ganzen Dezember waren es sogar bisher rund 5 Prozent. Es gibt noch genau zwei Handelstage für den Dax in diesem Jahr: Den 27. und den 28. Dezember. Selbst die kühnsten Optimisten glauben nicht, dass das der Index noch aufholt. So sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Handelshauses Oanda: „Wir nähern uns dem Jahresende, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine verspätete Weihnachtsrally das Quartal noch retten kann.“

          Am positivsten waren in dieser Woche vielleicht noch die Charttechniker der Schweizer Großbank UBS: Sie schrieben in einer Analyse, dass sich der Dax wohl nun zumindest erst einmal stabilisieren kann. Auch ein Blick in die vergangenen zehn Jahre macht nur bedingt Hoffnung, dass es so eine schöne Geschichte wie eine Weihnachtsrally gibt: In 5 Jahren gab es Kursverluste, in weiteren 5 Jahren gab es Kursgewinne. Daraus die Idee einer jedes Jahr vorkommenden Rally abzuleiten, scheint zumindest wagemutig. Sollte man die Idee einer Weihnachtsrally also direkt einmotten? Nicht ganz. So ist zwischen den Jahren 2003 und 2010 zum Beispiel der Dax-Kurs im Dezember stets gestiegen.

          Dass es dieses Mal anders war, hat vor allem einen Grund, und der ist in der amerikanischen Zentralbank Fed zu suchen. Ihr Vorsitzender Jerome Powell kündigte am Mittwochabend an, die Leitzinsen zu erhöhen: Um 0,25 Prozentpunkte auf einen Korridor zwischen 2,25 und 2,5 Prozent. Viele Marktteilnehmer glauben, dass die Zinserhöhung das Wirtschaftswachstum dämpft. Umso höher die Zinsen sind, desto teurer wird es, sich zu verschulden. Dabei ging Powell aber auch ausdrücklich auf seine Kritiker zu und stellte für das kommende Jahr lediglich zwei statt wie bisher kommuniziert drei Zinserhöhungen in Aussicht. Das hat den Märkten diese Woche jedenfalls nicht gereicht, weswegen einzelne Analysehäuser schon titelten, Powell habe die Weihnachtsrally gestohlen. Doch sind wir mal ehrlich: Kann man etwas stehlen, was es eigentlich gar nicht gibt?

          1) Nicht bereinigte Originalkurse ohne Kurszusätze; erfasst werden die im F.A.Z.-Index enthaltenen Titel. Aktien mit Kursen von weniger als 1 Euro sind nicht berücksichtigt. Quelle: F.A.Z.

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