https://www.faz.net/-gv6-95qu1

Tochtergesellschaft wird KGaA : Kritik an Börsenplänen für Deutsche-Bank-Tochter

Auf der Hauptversammlung: Deutsche-Bank-Chef John Cryan muss sich den Aktionären stellen. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Deutsche Bank wird kritisiert, weil sie eine Tochtergesellschaft als Kommanditgesellschaft auf Aktien an die Börse bringen will. Damit folgt sie einem Trend, der für Aktionäre ungünstig ist.

          5 Min.

          Die großen Investoren sind nicht begeistert gewesen, als die Deutsche Bank vor ein paar Wochen ankündigte, sie wolle ihre Tochtergesellschaft für Vermögensverwaltung in diesem Frühjahr in der Rechtsform der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) an die Börse bringen. Vorgetragen wurde die Kritik unter anderem von der in der Finanzbranche hoch angesehenen Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA), dem Berufsverband der Analysten, Fondsmanager, Vermögensverwalter und Banker. Mit Sorge sehe man den Trend zur Umwandlung von Aktiengesellschaften in Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA), hieß es in einer Mitteilung.

          „Es ist gut, dass die Deutsche Bank von vorneherein offenlegt, dass sie ihre Tochtergesellschaft für Vermögensverwaltung als KGaA an die Börse bringen will; so können Investoren schon vor dem Kauf entscheiden, ob sie die Besonderheiten dieser Rechtsform in Kauf nehmen wollen“, sagte Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender der DVFA und Chefvolkswirt der DZ Bank. Man erwarte, dass institutionelle Investoren diese Form der Beteiligung kritisch sähen und einen Aufschlag forderten. In diesem Sinne äußerten sich auch Fondsmanager nach der Ankündigung der Deutschen Bank: Da eine Rechtsform der KGaA aus Sicht von Aktionären Nachteile habe, müsse die Deutsche Bank einen Bewertungsabschlag anlässlich des Börsengangs ihrer Tochtergesellschaft für Vermögensverwaltung einkalkulieren.

          Ob es so weit kommt, ist alles andere als sicher. Denn mag die KGaA auch eine deutsche Spezialität sein, so ist diese Rechtsform doch seit Jahrzehnten bekannt. Der Darmstädter Pharmakonzern Merck ist seit Jahrzehnten als KGaA verfasst, ebenso der große Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel oder – seit nunmehr sieben Jahren – das Bad Homburger Pharmaunternehmen Fresenius Medical Care. Das sind drei in Deutschland wie im Ausland hoch angesehene Dax-Konzerne mit einem Börsenwert von zusammen mehr als 110 Milliarden Euro.

          DVFA spricht von „Zweiklassengesellschaft“

          Der Vorwurf der Finanzmarktprofis ist dennoch richtig, denn in einer KGaA besitzt der Aktionär geringere Rechte als in einer Aktiengesellschaft. Eine KGaA ist ihrem Wesen nach eine Kommanditgesellschaft und damit eine Personen- und keine Kapitalgesellschaft. In der Kommanditgesellschaft wird zwischen Komplementären und Kommanditisten unterschieden. Das Machtzentrum einer Kommanditgesellschaft sind die Komplementäre, unter deren Leitung die Geschäfte geführt werden. In einer KGaA übernehmen die Aktionäre die Rolle der Kommanditisten, die zwar Kapital zur Verfügung stellen und an einer Hauptversammlung teilnehmen können, aber eigentlich nicht viel zu sagen haben. Ebenso sind die Kontrollrechte des Aufsichtsrats in einer KGaA geringer als in einer Aktiengesellschaft. Die DVFA spricht treffend von einer „Zweiklassengesellschaft“.

          Damit ist offensichtlich, warum die KGaA für Unternehmen interessant ist, die stark von einer Familie geprägt werden. Die Familie kann als Komplementärin einen sehr viel größeren Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen als in einer Aktiengesellschaft und auch leichter ihre Macht bewahren. Gleichzeitig erlaubt es die Rechtsform, zusätzliches Eigenkapital durch die Ausgabe von Aktien zu beschaffen, ohne die Kontrolle des Unternehmens an die neuen Aktionäre abgeben zu müssen. Denn die Aktionäre in der KGaA können zwar an den geschäftlichen Erfolgen der Familien partizipieren, haben aber darüber hinaus nicht viel zu melden.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Daher ist es in Deutschland in den vergangenen Jahren zu einer beachtlichen Zahl von Umwandlungen börsennotierter Aktiengesellschaften in Kommanditgesellschaften auf Aktien gekommen, und nahezu immer handelte es sich um Unternehmen, in denen eine Familie oder eine Einzelperson viel Macht ausübt. Die Liste dieser Unternehmen umfasst unter anderem Ströer, H&R, KSB, CTS Eventim, Sto, Aurelius und Hornbach. Abschreckend auf institutionelle Investoren wirken solche Umwandlungen nicht zwingend. Man findet unter anderem Großanleger wie Allianz oder Blackrock unter den Aktionären solcher Unternehmen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Notlage beim FC Bayern : Wer san mia denn jetzt?

          Die Bayern 2019 sind die rätselhaftesten des Jahrzehnts: Sie kassieren frühe Rückstände, verspielen Vorsprünge, verschleudern Chancen, beschenken unterlegene Gegner, und auch das Sieger-Genom wirkt nicht mehr. Was ist nur los?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.